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"Wir sind glücklich mit dem, was wir haben"

Aus dem Leben einer Zirkusfamilie

Aus dem Zirkuszelt an der Halterner Straße ertönt Weihnachtsmusik. Alles ist festlich geschmückt - Tannenbäume mit glitzernden Kugeln säumen den Eingang. Zwei Stunden vor Beginn der Vorstellung wird der Sound und das Licht gecheckt. Bis zum 5. Januar gastiert der Circus Fantastico mit einem Weihnachtsprogramm auf dem ehemaligen Zechengelände.

Hervest

, 20.12.2013
"Wir sind glücklich mit dem, was wir haben"

Eine eingeschworene Gemeinschaft ist die Familie Kaselowsky.

Joanna Kaselowsky und Scarlet Sperlich sitzen am Küchentisch, pellen eine Mandarine und trinken Tee. Die Küche ist gemütlich und modern eingerichtet – auch der Weihnachtsschmuck fehlt nicht. Von außen würde man solch einen normalen Raum in einem Wohnwagen nicht erwarten. Und genau so leben die jungen Frauen schon ihr ganzes Leben.

Zwei Stunden vor der Vorstellung haben die beiden noch ein wenig Zeit, um sich zu entspannen. Schon in der siebten Generation betreibt die Familie Kaselowsky einen Zirkus. Seit drei Jahren heißt er Circus Fantastico. Die 15-jährige Joanna ist die Tochter von Ludwig Kaselowsky, dem Zirkusdirektor. Im Juni des nächsten Jahres macht sie ihren Realschulabschluss. Alles mittels Online-Unterlagen oder in der Zirkusschule. „Zwei- bis dreimal in der Woche haben wir Kinder dann in einem Extra-Wohnwagen Unterricht“, sagt Joanna. Die 21-jährige Scarlet Sperlich hat das schon hinter sich und ist sogar schon verheiratet – mit Joannas Bruder Adriano.

Insgesamt hat der Zirkus 30 Artisten: Die meisten sind irgendwie miteinander verwandt. Ansonsten sind auch freie Artisten dort beschäftigt. „Unser jüngster Artist ist gerade mal drei Jahre alt. Er macht Handstandakrobatik. Wir lernen das von Geburt an – mit fünf Monaten konnten die meisten von uns schon auf den Händen der Eltern stehen“, erzählt Joanna. Ihre Oma ist mit 84 Jahren das älteste Mitglied der Familie. „Sie schaut, dass die Artisten alles richtig machen und dass alles so abläuft, wie es geplant ist.“ Die jüngsten Zirkusbewohner sind dagegen gerade mal einen Monat alt.

Doch wie schwierig ist es, sich und seine Familie über Wasser zu halten, wenn immer weniger Leute in den Zirkus gehen? „Es gibt immer wieder Höhen und Tiefen. Manchmal ist unsere Show wirklich gut besucht und manchmal kommen fast gar keine Leute. Wir sind finanziell vom Publikum abhängig“, erzählt Scarlet. Neben ihren eigenen Bedürfnissen müssen die Zirkusleute schließlich noch die Tiere versorgen und die Strom-und Platzkosten bezahlen. „Uns bleibt genug zum Leben. Wir sind glücklich mit dem, was wir haben.“ Den jungen Frauen huscht immer wieder ein Lächeln über ihre Gesichter, wenn sie von ihrem Leben erzählen.

„Wenn wir in der Manege stehen und unsere Show machen, sind wir voll in unserem Element. Das Einzige, was wir dann wollen, ist, das Publikum in unseren Bann zu ziehen“, erzählt Joanna. Mit Handstandakrobatik, Trapezkünsten in luftiger Höhe, Feuerspucken oder Messerwerfen wie im Wilden Westen schaffen sie das mit Sicherheit jedes Mal. „Eine Zuschauerin in Bremen hat uns mal gesagt, dass wir uns hinter Roncalli nicht verstecken müssen“, erzählen die beiden stolz.

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