Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Vorliebe für leichte Damen

20.06.2007

Dorsten Ein 34-jähriger Bottroper soll eine 23-jährige Frau, die zunächst freiwillig im Dorstener «Partytreff» als Prostituierte gearbeitet hat, durch Drohungen und Vergewaltigungen eingeschüchtert und zur Prostitution gezwungen haben. Doch von den Anklagevorwürfen blieb am Ende nicht viel übrig. Der Angeklagte wurde schließlich vom Landgericht Essen wegen Zuhälterei zu sechs Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt. Er muss zudem 2500 Euro an die junge Frau zahlen.

Vehement und wortreich bestritt der Mann die Vorwürfe. Er habe nie mit der Frau Sex gehabt. Vielmehr müsse die junge Frau verurteilt werden, weil sie an einem Überfall beteiligt gewesen sei, bei dem ihm 20.000 Euro geraubt worden seien.

In dieser Überfallsache war die Frau auch zunächst als Beschuldigte von der Polizei vernommen worden. Erst im Rahmen dieser Vernehmung hatte sie davon berichtet, dass der Angeklagte sie mit Drohungen zur Prostitution gezwungen habe. Später kamen die Vergewaltigungsvorwürfe hinzu.

Die Frau, die auch ein paar Tage in Paderborn und dann in einem Club in Duisburg arbeitete, habe ihm selbst 30 Prozent ihres Verdienstes angeboten, so der Angeklagte. «Wofür eigentlich?», fragte Richterin Jutta Wendrich-Rosch nach. «Man fährt die Damen rum, regelt alles, wenn sie den Club wechseln wollen. Das ist so üblich», plauderte der Angeklagte. Damit hatte er eingeräumt, als Zuhälter tätig gewesen zu sein. «Ich bin immer noch sprachlos», meinte er angesichts der gegen ihn erhobenen Vorwürfe. «Nein, das sind Sie nicht», konterte die Richterin mit Blick auf seinen Redefluss.

Die junge Frau, die im Prozess als Nebenklägerin auftrat, sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Doch ihre Angaben waren offenbar so ungenau und widersprüchlich, dass sie für eine Verurteilung wegen Menschenhandels und Vergewaltigung nicht ausreichten.

So blieb die Verurteilung wegen Zuhälterei, die der Angeklagte murrend akzeptierte. «Ich habe nichts gemacht und dafür zwei Monate in U-Haft gesessen», motzte er. Versöhnlicher wurde er, als Staatsanwältin Sabine Vollmer ihm in einer Pause eine Zigarette spendierte. «Das sehe ich als Wiedergutmachung für die U-Haft an», bewies der Angeklagte Sinn für Humor. Martina Ricken

Lesen Sie jetzt