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Totgeglaubter Angeklagter in Handschellen vorgeführt

Ölpellet-Skandal: Prokurist täuscht Selbstmord vor

Einen Abschiedsbrief und ein Testament hatte der ehemalige Prokurist der Schermbecker Firma Nottenkämper hinterlassen, war in Wirklichkeit aber vor der Strafverfolgung nach Namibia geflüchtet. Zielfahnder des Bundeskriminalamtes spürten ihn dort auf - jetzt sitzt er wieder auf der Anklagebank.

BOCHUM/SCHERMBECK

, 27.02.2018
Totgeglaubter Angeklagter in Handschellen vorgeführt

In Handschellen ist der ehemalige Prokurist der Firma Nottenkämper am Dienstag am Bochumer Landgericht vorgeführt worden. Foto: Hartwich

Der Prozess um die angeblich illegale Entsorgung von fast 30.000 Tonnen Ölpellets in einer Tongrube in Schermbeck/Hünxe hatte im Juni 2017 vor dem Bochumer Landgericht begonnen. Der Hauptangeklagte: Ingo L., 57 Jahre alt, einschlägig vorbestraft. Zum Prozessauftakt hatten seine Verteidiger damals vehemente Unschuldsbeteuerungen formuliert. „Mein Mandant bestreitet die Anklagevorwürfe“, hatte Prof. Dr. Ralf Neuhaus den Richtern damals erklärt. Der Angeklagte werde alles dafür tun, dass die Wahrheit ans Licht komme.

Plötzlich verschwunden

Doch statt Aufklärungshilfe zu leisten, war der 57-Jährige im August plötzlich verschwunden. Es gab einen Abschiedsbrief und ein Testament. Es sah ganz danach aus, als hätte er sich das Leben genommen. Tatsächlich hatte sich der Umweltmanager jedoch ins südliche Afrika abgesetzt. Später hatte er versucht, von dort in die Türkei einzureisen – angeblich mit falschen Papieren. Er wurde zurückgeschickt, kurz darauf waren Zielfahnder des Bundeskriminalamtes auf seiner Spur. Er wurde zurück nach Deutschland gebracht und festgenommen.

Handschellen

Eine erneute Flucht ist nun nicht mehr möglich. Als der 57-Jährige am Mittwoch von zwei Wachtmeistern in den Gerichtssaal 1.18 des Bochumer Landgerichts gebracht wurde, trug er Handschellen, die ihm erst kurz vor der Anklagebank abgenommen wurden. Nach Angaben des Gerichts befindet er sich seit dem 16. Februar im Bochumer Gefängnis.

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Während der Prozess gegen seine ursprünglichen Mitangeklagten die ganze Zeit fortgesetzt worden ist und auch immer noch läuft, muss das Verfahren gegen Ingo L. Noch einmal ganz von vorn beginnen. Dazu ist am Mittwoch erneut die Anklageschrift verlesen worden. Inhaltlich geht es um die angeblich illegale Entsorgung von Ölpellets in einer Tongrube in Schermbeck/ Hünxe. Zur Verschleierung sollen die Ölkügelchen laut Anklage mit Sand und Kronocarb (Petrolkoks) vermischt worden sein. Laut Staatsanwaltschaft sind die Ölpellets (75% Öl, 15% Ruß, 10% Wasser) wegen ihres Schwermetall und Kohlenwasserstoffgehalts geeignet gewesen, die Natur, insbesondere das Grundwasser nachhaltig zu gefährden.

Vorbestraft

Ingo L. war bereits im Juni 2014 – damals als Geschäftsführer eines anderen Recyclingunternehmens – in einem Komplex aus Scheinrechnungen, Schmiergeld und Millionenschäden zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.