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Stunden der Angst nach Spritzenfund in Dorsten

Kind spielte mit benutzter Spritze

Ein kleines Kind hat in Dorsten stundenlang mit einer gebrauchten Thrombose-Spritze gespielt. Die Mutter fürchtete zunächst eine ernsthafte Infektion – und ärgert sich über einen offenbar gedankenlosen Patienten.

Dorsten

, 23.02.2018
Stunden der Angst nach Spritzenfund in Dorsten

Auf einem Fußweg im Stadtsfeld, mitten im Wohngebiet, hat ein sechsjähriger Junge am Mittwoch diese Thrombose-Spritze gefunden und stundenlang mit ihr gespielt. (Foto: Stefan Diebäcker © Foto: Stefan Diebäcker

Tim (Name geändert) ist sechs Jahre alt und macht das, was Jungs in seinem Alter so machen. Er spielt mit allem, was er findet. Am Mittwoch hat Tim in der Nähe des elterlichen Gartens am Leharweg im Stadtsfeld, als er mit seinem Go-Cart auf einen Freund wartete, einen besonders spannenden Fund gemacht. Als er ihn Stunden später seiner Mutter zeigte, fiel sie fast vom Glauben ab. Das „Spielzeug“ ist eine gebrauchte Heparin-Spritze gewesen, die als Thrombose-Prophylaxe verschrieben wird. „Wie kann man so eine Spritze einfach wegwerfen?“, fragt die Mutter entsetzt. Der nächste öffentliche Abfalleimer ist zehn Meter entfernt.

Kliniken um Hilfe gebeten

Doch da war noch mehr: die Angst, dass sich Tim infiziert haben könnte, mit dem Aids-Virus HIV zum Beispiel. „Er meinte zwar, dass er die Spritze nicht aus der Plastik-Kapsel genommen und sich nicht gestochen hat“, sagt die Mutter. „Aber vielleicht sagt er das, weil ich natürlich mit ihm geschimpft habe.“

Die besorgte Mutter bemühte sich deshalb am Donnerstag an verschiedenen Stellen um ärztliche Hilfe. Die Kinderklinik in Buer riet ihr: „Lassen Sie heute Blut abnehmen und in sechs Wochen noch einmal, um dann zu gucken, ob der Junge HIV hat.“ Was die Mutter ziemlich ärgerte: „Ich kann doch jetzt nicht sechs Wochen aufpassen, dass mein Sohn keinen intensiven Kontakt zu seinen Geschwistern hat. Er könnte sich ja immer irgendwo schneiden und die anderen dann infizieren.“

Ansteckungsgefahr ist relativ gering

Also schilderte sie ihre Angst auch der HIV-Ambulanz der Uniklinik Essen. „Dort hat mich dann schnell eine Ärztin zurückgerufen und mich beruhigen können.“ Die Halbwertzeit von Hepatitis B-Viren und HIV sei extrem kurz, wenn sie nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. Die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung sei extrem gering. „Ich bin sehr erleichtert“, sagt die Mutter. Sie hält jetzt noch einmal Rücksprache mit ihrer Kinderärztin und macht in sechs Wochen vielleicht den Test. „Aber ich gehe davon aus, dass nichts passiert ist.“

Auf eine Frage bekam die Mutter am Donnerstag keine Antwort: Wie kommt eine gebrauchte Spritze in eine Hecke, mitten in einem Wohngebiet mit vielen Kindern und einem Spielplatz in der Nähe?

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