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Stadterlebnistour: "Gruselig, aber lustig"

DORSTEN Hätte das mittelalterliche Dorsten einen so findigen Kopf wie Maximilian gehabt, wäre es wohl nicht in Gefahr geraten, so oft von feindlichen Truppen überfallen zu werden: "Ich hätte Krokodile im Stadtgraben ausgesetzt, dann hätten alle Angst vor Dorsten gehabt."

von Von Michael Klein

, 02.10.2008

Der Neunjährige war einer der kleinen Teilnehmer, die in der vergangenen Woche an einer Kinder-Führung der Dorstener Stadt-Info bei Wind und Wetter quer durch die Altstadt teilgenommen haben. Ein Geschichtsunterricht der anschaulichen Art.

"Gruselig, aber auch lustig", fand Niklas die Begebenheit, mit der Stadtführerin Petra Eißing den Rundgang startete - gekleidet im Gewande, wie es im späten Mittelalter chic gewesen ist. Vor über 400 Jahren haben Dorstener Frauen bekanntlich Landsknechte in die Flucht geschlagen, die die Stadt einnehmen wollten: Indem sie Jauche, Öl, heißes Wasser, Steine und Mistgabeln vom Stadttor aus auf die Angreifer niederregnen ließen.

Autobahn für Schiffe

Und so machte sich die Gruppe auf die Suche nach dem Ort des damaligen Geschehens. Nein, am Lippetor war es nicht. Dort, wo sich der Kanal, eine Autobahn für Schiffe, befindet, war früher mal die Lippe, erfuhren die staunenden Kinder. "Der Fluss musste wegen des Kanalbaus damals verlegt werden", erklärte Petra Eißing.

Anhand von historischen Fotos erläuterte sie, wie sich Dorsten im Laufe der Jahrhunderte verändert hat und suchte mit den Kindern die wenigen Gebäude auf, die dem Bombenangriff kurz vor Kriegsende 1945 getrotzt haben. Das Spiekerhaus nahe des St. Agatha-Hauses zum Beispiel, wo die Xantener Herren die Zehnten der Bauern einsammelten. Oder das Alte Rathaus am Markt, wo die Kinder im Kellerzugang die leider sehr versteckten Dorstener Wappensteine besichtigten.

Dorsten war eine Stadt der Kirchen und Klöster, zu Hansezeiten reich, später arm wie eine Kirchenmaus und die Bürger waren immer wieder arm dran. "Es hat ganz viele Kriege hier gegeben", erzählte Petra Eißing. "Davon hat mein Opa zwei miterlebt", erzählte der sieben-jährige Adrian den anderen Kindern. Dorsten war auch eine Stadt der Frauen: Nicht nur im Mittelalter, sondern auch in der Neuzeit. "Hier ist Schwester Paula gestorben und Cornelia Funke geboren", erzählte Petra Eißing. Das von Cornelia Funke wussten die Kinder aber natürlich schon.

Aus dem Staub gemacht

Aber noch wussten sie nicht, wo das berühmte Stadttor war. Erst nach den Stationen Recklinghäuser Tor, Jüdisches Museum, Agathe-Kirche und Marktbrunnen war es soweit: Am Essener Tor, so erfuhr der Kinder-Tross, bekamen die Truppen von Kurfürst Gebhard Truchseß von Waldenburg von den Dorstener Frauen so dermaßen eins auf die Mütze, dass sie sich ganz schnell aus dem Staub machten. Und dort lernte auch Petra Eißing etwas, was sie vorher bestimmt nicht wusste. "Das Essener Tor heißt deswegen so", sagte der neun-jährige Maximilian, "weil man hier so viel zu essen bekommt." Tipp: Die nächste Stadterlebnistour für Kinder von der stadtinfo und VHS findet am Dienstag, 7. Oktober, um 10 Uhr statt. Treffen an der stadtinfo, Teilnahmegebühr: drei Euro. Anmeldungen unter Tel. 308080 (stadtinfo) oder Tel. 664161 (VHS).

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