Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Schützen schätzen Schneider

Rhade Sein Name ist Programm: Karl-Heinz Schneider schneidert schon seit seinem 14. Lebensjahr, und da sich sowohl Vater Hugo, als auch Großvater Franz dem Schneiderhandwerk verschrieben hatten, blickt das Rhader Familienunternehmen auf eine 103-jährige Geschichte zurück.

06.06.2007

Das wahre Alter der Maßschneiderei für Herren überraschte selbst den Chef. «Erst jetzt hat die Handwerkskammer aus ihrem Archiv die Urkunde herausgefischt, die belegt, dass mein Opa den Betrieb am 1. Januar 1904, direkt an der Kirche im Dorf gründete», schmunzelt Karl-Heinz Schneider.

1906 zog Opa Franz von der Kirche in die Kreisstraße, die spätere Erler Straße, und da rattert auch heute noch - im Anbau hinter dem Familienhaus - das Konzert der Nähmaschinen: Der Schnellnäher spielt die erste Geige, begleitet von Überwendling und Pikiermaschine und zwischendurch gibt noch der Absaugbügeltisch seinen Dampf dazu. Seit 1969 dirigiert Karl-Heinz Schneider das «schnittige» Orchester, nachdem er ein Jahr zuvor mit zwanzig Jahren als bundesweit jüngster Meister die Prüfung erfolgreich abgelegt hatte.

Dass Karl-Heinz Schneider in dem schwierigen Metier gut dasteht, liegt an dem verlässlichen Kundenstamm, den er seit Jahrzehnten mit maßgeschneiderter Handarbeit bedient: Schützen aus dem gesamten Kreis Recklinghausen und darüber hinaus ordern beim Schneider Schneider ihre Röcke: «Manchmal kann ich das Grüne nicht mehr sehen», scherzt der Chef, der sich in der Hoch-Zeit tagtäglich einen Schützenrock «vorknöpft». Beim Material schießt die Trevira-Schurwoll-Mischung den Vogel ab. Die verzeiht so manchen Bier- und Bratwurstflecken!

Treue Kunden

Wenn Kompanien aus den Nähten platzen, rückt Schneider Schneider noch nach einem langen Werkstatttag mit Maßband, Kuli und Block aus, um die Schützen persönlich zu vermessen. Auch Musikvereine und Karnevalclubs schätzen neben treuen privaten Kunden Schneiders Wertarbeit. Dass zunehmend jüngeres Publikum seine Werkstatt aufsucht, freut ihn besonders: «Bei Fans der 60er Jahre-Musik sind hoch geschlossene Beatles-Stehkragen stark nachgefragt, und immer mehr angehende Ehemänner geben ihren Hochzeitsanzug in Auftrag.»

Die Schere will der 59-jährige Schneidermeister noch lange nicht aus der Hand legen. Als Bauingenieur wird der einziger Sohn nicht in seine Fußstapfen treten. «Früher habe ich immer gesagt: ,Mit 65 ist Schluss - aber jetzt ...» sing

Lesen Sie jetzt