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Pfarrer Hans-Udo Schneider geht in den Unruhestand

Großes Interview zum Abschied

Mit einem festlichen Gottesdienst verabschiedet der Evangelische Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten am Freitag im Gemeinschaftshaus in Barkenberg seinen Industrie- und Sozialpfarrer, Dr. Hans-Udo Schneider (65). Anke Klapsing-Reich sprach mit dem frischgebackenen Ruheständler über Vergangenes und Zukünftiges.

DORSTEN

19.05.2011
Pfarrer Hans-Udo Schneider geht in den Unruhestand

Dr. Hans-Udo Schneider, Industrie- und Sozialpfarrer im Kirchenkreis Gladbeck-Bottrop-Dorsten, verabschiedet sich in den Ruhestand. Doch er weiß: "Wer einmal Pfarrer ist, der bleibt auch Pfarrer."

Was bewegt einen so engagierten und aktiven Mann wie Sie einer sind beim Eintritt in den Ruhestand? Hans-Udo Schneider: Bei mir ist es schon etwas anders als beispielsweise bei meiner zwei Jahre jüngeren Frau: Sie verabschiedete sich im Januar an ihrem letzten Schultag an der Grünen Schule in den passiven Teil der Altersteilzeit und gab den Schlüssel ab. Ich bin Pfarrer. Und wer Pfarrer ist, bleibt Pfarrer. Auch, wenn ich nicht mehr in aktiver Verpflichtung stehe, bin ich selbstverständlich weiterhin bereit, in Abstimmung mit der Gemeinde Gottesdienste, Vertretungen und ähnliches zu übernehmen. Ein zweiter Punkt ist, dass evangelische Pfarrer große Freiheit zur eigenständigen Gestaltung ihrer Arbeit haben. Das habe ich immer als großes Geschenk gesehen. So werde ich zwar offiziell entpflichtet, muss aber nicht in die Freiheit entlassen werden.Ist diese Möglichkeit zur selbstständigen Arbeit der Anreiz für Sie gewesen, Pfarrer zu werden?Schneider: Von Hause aus bin ich ja studierter Diplom-Psychologe und habe erst auf Umwegen die formalen Weihen eines Pfarrers erhalten. 1973 kam ich nach Barkenberg, weil mich das von der Landeskirche angetriebene Experiment, in der auf der grünen Wiese geplanten Stadt ein Gruppenpfarramt mit einem gleichberechtigten Dreigestirn – einem Theologen, Psychologen und Pädagogen – aufzubauen, unheimlich gereizt hat. Die Landeskirche hat es ausdrücklich erlaubt, dass wir auch die Kasualien, also kirchliche Amtshandlungen, ausführen durften."Das war der Knackpunkt"Galt diese Erlaubnis denn auch, als Sie sich nach fast 20 Arbeitsjahren in Barkenberg auf die Stelle des Industrie- und Sozialpfarrers des Kirchenkreises bewarben?Schneider: Nein. Das war der Knackpunkt. Als Diplom-Psychologe war ich ja im Sinne der westfälischen Kirchen nicht als ordentlicher Pfarrer ordiniert. Ich musste also noch die 2. Theologische Prüfung ablegen, um die formalen Weihen erhalten zu können.Sie sind nicht nur Pfarrer, sondern auch Politiker. Worin ist dieses Engagement begründet?Schneider: Ich stamme aus Südwestfalen und bin dort bereits mit knapp 18 Jahren in die SPD eingetreten. Schon als 14-Jähriger habe ich mich sehr intensiv mit der Phase des Nationalsozialismus und Faschismus auseinander gesetzt. Jetzt leben wir Gott sei Dank in einer Demokratie. Ich bin der Meinung, dass wir dafür Flagge und Verantwortung zeigen müssen."Lütkenhorst als Person hat mich fair behandelt" Vertragen sich Pfarrer und Politiker miteinander?Schneider: Ich bin religiös, aber auch politisch und habe diese beiden Dinge vor dem Hintergrund, dass man Andersdenkenden Respekt zollen muss, gut vereinbaren können. Im Gegenzug erwarte ich aber auch von meinem Gegenüber den gleichen Respekt. Das haben einige Leute hier nicht verstanden.Spielen Sie damit auf Ihre Bürgermeisterkandidatur gegen Lütkenhorst 2009 an?Schneider: Lambert Lütkenhorst als Person hat mich im Wahlkampf fair behandelt. Ich hätte mir nur gewünscht, dass er einige Leute – vor allem aus der Jungen Union –, die nicht so fair waren, stärker an die Kandarre genommen hätte."Ich habe zur Geschlossenheit der SPD beigetragen"Haben Sie dieses Kapitel zu den unglücklichen in Ihrem Lebensbuch abgeheftet?Schneider: Selbstverständlich hätte ich mir gewünscht, Bürgermeister zu werden und mit meinen Schwerpunkten, Stadtplanung, Energiepolitik, Schulentwicklungsplan und anderen Formen der Bürgerbeteiligung Akzente in dieser Stadt zu setzen. Das hat nicht geklappt. Durch meine Kandidatur habe ich aber sicher zur innerparteilichen Geschlossenheit der SPD beigetragen. Außerdem habe ich dadurch wertvolle Kontakte geknüpft.An welche Kapitel erinnern sie sich besonders gern?Schneider: An die Friedensbewegung in den 80er Jahren. An die großen Anti-AKW-Demos und die Proteste gegen den Nato-Doppelbeschluss. An die seelsorgerische Arbeit in Barkenberg, an den Aufbau der ersten psycho-sozialen Beratungsstelle in der Gemeinde, die stark genutzt wurde."Ich habe damals schwere Jahre durchgemacht"Der massivste Einbruch in Ihrem Leben war sicherlich 1984 der Unfalltod Ihrer ersten Frau und ältesten Tochter. Haben Sie in dieser schweren Zeit mit Ihrem Gott gehadert, oder war er Trost für Sie?Schneider: Natürlich fragt man nach dem „Warum?“, aber gehadert habe ich nie mit ihm. Meine beiden Kinder und ich haben damals schwere Jahre durchgemacht. Und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ich alles verarbeitet habe. Wenn ich ein altes Bilderbuch anschaue oder die Unfallkreuzung in Lippramsdorf passiere, bewegt es mich immer noch.Welche Pläne haben Sie für Ihren Ruhestand gefasst?Schneider: Arbeit ist mehr als Erwerbsarbeit. Es gibt viele schöne anderen Formen von Arbeit. So werde ich mich auch weiter mit sozial-ethischen Fragen beschäftigen. Als Vorsitzender des Vereins für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte arbeite ich mit netten Leuten zusammen, die echt was drauf haben. Auch das angelaufene Projekt „Nachbarschaftshilfe in Wulfen und Barkenberg“ für die Unterstützung pflegebedürftiger Senioren will weiter ausgebaut werden.Wie steht´s denn mit Freizeit, Hobby und Familie?Schneider: Klar, das gibt es natürlich auch. Ich reise und wandere gern, fahre Rad, spiele Schach und habe seit kurzem auch den Segelsport für mich entdeckt. Außerdem freuen sich meine Frau Sigrid und ich, mehr Zeit für unsere sechs Kinder und vier Enkelkinder zu haben. 

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