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Musik-Comedy: Rebecca Carrington begeisterte

DORSTEN Wohin die musikalischen Reisen an diesem Abend gehen würden, diese Marschroute legte Rebecca Carrington sehr schnell fest: Von Bachs Cello-Suite bis zu Stings „Every breath vou take“ war es bei ihr nur ein kleiner Saitenwechsel, rotziger Rap-Gesang inklusive.

von Von Michael Klein

, 22.02.2009
Musik-Comedy: Rebecca Carrington begeisterte

Mit allerlei Grimassen, großartigen Gesangskünsten und mit virtuoser Instrumenten-Beherrschung begeisterte Cellistin Rebecca Carrington das Publikum in der Dorstener Petrinum-Aula.

Auf Einladung des Kulturbüros gastierte der Shooting-Star der Musik-Comedy-Szene am Freitag vor begeistertem Publikum in der ausverkauften Petrinum-Aula und zeigte sich als stimmgewaltige Sängerin, virtuose Instrumentalistin und versierte Kauderwelsch-Interpretin mit britischem Sprach-Schwerpunkt und ebensolchem Humor, der bei aller musikalischer Filigran-Technik auch gerne mal ins Derbe abrutschen durfte. Zwei Männer hatte die komödiantische Cellistin aus dem Angelsächsischen nach Dorsten mitgebracht. Ihren eigenen Ehemann Colin Brown, Bühnen-Faktotum und Rhythmus-Knecht zunächst, der sich aber im weiteren Verlauf des Abends als dunkelhäutiger Dudelsack-Spieler, sanfter Samba-Tänzer und „A Humba“-gesangstechnisch als Afro-feeling versprühender Mitmach-Animateur für das Dorstener Publikum präsentieren konnte.

Und Joe war dabei, ihr Begleiter aus Holz, der inzwischen mehrere seiner inzwischen 228 Jahre, die er auf dem Buckel hat, mit dem Energiebündel Rebecca Carrington verbringen durfte. Denn erst die zeigte dem alten Herren Joe, wofür er als Cello so alles gut sein kann: Nämlich für fast alle musikalischen Töne, Genres und Lieder, die es auf diesem Planeten gibt. So klang Joe nach spanischer Flamenco-Gitarre, nach indischer Bollywood-Sitar, nach schottischer Tin-Whistle-Tradition und selbstredend nach bluesigem Walking-Bass, klang nach kenianischer Kalimba und japanischem Ein-Saiten-Gewimmere. Derweil Rebecca Carrington so ziemlich jede Musikform, jede Sprache und auch so manchen Star des Genres nach Strich und Faden veralberte: Parodierte das Fitness-Gehampel einer Madonna, blökte in der Rolle der Edith Piaf wie ein Schaf, imitierte mit ihrer Stimme eine gestopfte Jazz-Trompete, machte gleichermaßen einen auf Sumo-Ringerin und wie auf exaltierte Opern-Diva. Schnitt Grimassen, um gleich darauf ernsthaft schöne Musik-Pretiosen zu spielen. Spielte mit den nationalen Klischees, um dann doch zu zeigen, wie gefühlvoll sie aus dem reichhaltigem Fundus der verschiedensten Musiktraditionen zu schöpfen vermag.

Diese Weltreisen mit ihrem Cello Joe waren der rote Faden in Rebecca Carringtons Programm und zugleich dessen einziges dramaturgisches Manko. Denn jedes Mal, wenn die Musikerin irgendwo ankam, sagten ihre Gastgeber, sie könne mit ihrem Cello nicht die heimische Folklore spielen. Und jedesmal antwortete die Künstlerin vorhersehbar: „Of course, i can“. Und so regte sich zum Schluss das Gefühl, das nach jeder langen Reise auftritt: Man ist doch froh, wenn man wieder zu Hause ist.

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