Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Mike Litt startete seine Lesetour im Ramirez

Einsamster DJ der Welt

1Live-Moderator und DJ Mike Litt verließ am Samstagabend die Isolation des Radiostudios, um sein Buch-Debüt "Der einsamste DJ der Welt" im Ramirez vorzustellen.

Schermbeck

von Von Jana Magdanz

, 25.11.2012

Damit startete seine Lesetour durch NRW an einem Ort, der mehr als einmal in seinem Buch-Erstling vorkommt und den Radiojournalisten entscheidend geprägt hat. „Meine Geschichte erzählt auch von einer gewissen Heimatlosigkeit“, resümiert Litt kurz vor seinem Auftritt, „aber ich bin an unterschiedlichen Orten immer wieder gut aufgenommen worden. Einer davon war Schermbeck.“

Deswegen wollte er gerne hier starten. „Auch weil mein Buch in einer gewissen Hinsicht die Geschichte meiner verschiedenen Jobs ist.“ Und die Ferien-Schufterei im Schermbecker Terrazzowerk Stender während der Schulzeit im St.-Ursula-Gymnasium gehört zu den unterhaltsamsten Strecken des Buches. Die versammelten Familienmitglieder Stender reichten dem strahlenden Buchautor in der Pause dann auch prompt eine der so ausführlich beschriebenen Stein-Platten auf die Bühne. Auch wenn es später vornehmlich Platten aus Vinyl waren, mit denen er seinen Lebensunterhalt verdiente, so ist er nur um Haaresbreite an einer Dauer-Verpflichtung am Steinplatten-Schleifgerät vorbeigeschrammt: Kurz vor der Unterschrift im Steinwerk rief 1986 der Lokalchef der Dorstener Ruhr Nachrichten an, um Litt als rasenden Reporter zu verpflichten.

Der Beginn einer bemerkenswerten journalistischen Laufbahn. Die Lesung lebt von der außergewöhnlichen Nähe zu seinem Publikum. Hier sitzen Familie und Freunde, Protagonisten aus seinem Buch und treue Fans seiner Radiomoderationen. Das permanente Gekicher rührt nicht nur von Litts pointiertem und leichtfüßigem Schreibstil, es sind vielmehr eigene Erinnerungen, die durch die Lesung wachgerufen werden. Eingespielte Musik sorgt für Verschnaufpausen. Und in manchen Momenten hat man dann doch den einsamsten DJ der Welt vor sich: Das große Mikrophon lässt ihn klein und verletzlich wirken, die Zigarette qualmt vergessen in die Dunkelheit hinein. Dann sieht Mike Litt allein aus, mutterseelenallein. Wie im Studio. Und wie im Alter von sechs Jahren, als die Mutter ihn für eine Weile bei der Omi in Dorsten abgegeben hatte. Sie kam nie wieder An diesen Erlebnissen lässt Litt seine Leser teilhaben. Und im Ramirez unterstreicht er derlei private Momente schonungslos mit Fotos aus dem Familienalbum: seine beleibte Großmutter im einteiligen Badedress, Klein-Mike als August Bumms an der Spitze des Karnevalszugs im Internat oder als erbarmungswürdig trauriger Clown vor der Tapete eines 60er-Jahre Wohnzimmers.

Zieht man einen vorläufigen Strich unter diesen Lebensbericht, so kann das Resümee nur lauten: Hier hat jemand hart gekämpft für sein Glück und nie locker gelassen. Ob es der beinharte Bohnenkaffee der Omi in der Fleischereiküche war, den Mike schon im Grundschulalter überstehen musste, oder die Verzweiflungstat, für das nackte Überleben in einer Fast-Food-Küche anzuheuern. Immer hat der Autor an seinen Lieben festgehalten: zur Musik und zu den Wörtern. Mit sichtlichem Erfolg.