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Jüdisches Museum präsentiert eine Sonderausstellung

Briefe aus der NS-Zeit

Eine Sonderausstellung zeigt das Jüdische Museum. Das Thema werden Briefe aus der NS-Zeit sein, die eine Dorstenerin ihrer kleinen, in Schweden lebenden Tochter, zusandte. Auch die Tochter, Elise Hallin, wird diese Ausstellung in ihrer Geburtsstadt begrüßen.

DORSTEN

von Von Anke Klapsing-Reich

, 17.05.2012

Das Goldene Buch der Stadt darf sich mit einem neuen Eintrag schmücken: Am Montag (21.5.) wird sich Elise Hallin, geborene Ilse Reifeisen, dort verewigen. 1926 wurde die Tochter jüdischer Eltern in Dorsten geboren. In Schweden überlebte sie als Einzige ihrer Familie den Holocaust. Nach mehr als 70 Jahren kehrt sie jetzt zum ersten Mal an den Ort ihrer Kindheit zurück. Das Schicksal der jüdischen Familie Reifeisen, die in der Essener Straße in Dorsten ein Konfektionshaus für Herrenbekleidung betrieben hatte, bewegte Elisabeth Schulte-Huxel so sehr, dass sie per Internet die einzige Überlebende der Familie in Stockholm aufspürte und sie besuchte (wir berichteten): „Ilse wuchs behütet in der Dorstener Innenstadt auf. Sie besuchte den Kindergarten der Ursulinen und später auch die Mittelschule der Ordensfrauen“, berichtet das Vorstandsmitglied des Jüdischen Museums Westfalen. Das jüdische Mädchen habe mit den Kindern in den Gärten hinter der Essener Straße zum Wall hin gespielt und an jüdischen Feiertagen mit ihrem Vater die Synagoge in der Wiesenstraße besucht. Doch der Rassenwahn der Nationalsozialisten zerstörte das friedliche Leben: 1939 schickten Simon und Gertrud Reifeisen ihre damals gerade 13-jährige Tochter mit dem Kindertransport einer Jüdischen Organisation nach Schweden. Dort war sie zuerst in einem Stockhomer Waisenhaus, später in einer Pflegefamilie untergebracht.

Die Eltern versuchten verzweifelt auszuwandern. Ohne Erfolg – kein Land ließ sie einreisen. Ihr einziger Trost war es, ihre Tochter in guten Händen zu wissen. „Sie schickten ihr jede Woche einen Brief nach Schweden“, zählte Elisabeth Schulte-Huxel insgesamt 170 Briefe, der erste ist von Dezember 1939, der letzte im Januar 1942 datiert: „Da wurde sie nach Riga deportiert und im KZ Kaiserwald, beziehungsweise in Stutthof ermordet.“ Vertrauensvoll hatte Elise Hallin, die heute noch in Stockholm zu Hause ist, Elisabeth Schulte-Huxel die Briefe überreicht, als Dank dafür, dass die Dorstenerin die Übersetzung der Briefe ins Englische ermöglicht hatte.

Dem guten persönlichen Verhältnis zwischen den beiden Frauen ist es auch zu verdanken, dass die Schwedin nach langem Zögern Skepsis und Zweifel überwand und die Einladung zu einem Besuch in Dorsten annahm. In Begleitung ihres Sohnes Erik wird sie vom 18. bis 23. Mai zu Gast in ihrer Geburtsstadt sein. „Aus Anlass ihres Besuchen haben wir im Jüdischen Museum eine kleine Sonderausstellung vorbereitet“, erläutert Elisabeth Schulte-Huxel. Ein Stadtrundgang zu den Orten ihrer Kindheit und den Stolpersteinen in der Essener Straße, die ihren Eltern gewidmet sind, sind ebenfalls geplant. Der Eintrag ins Goldene Buch ist im Rahmen eines kleinen Festempfangs am Montagnachmittag im Alten Rathaus vorgesehen. Das Jüdische Museum plant die Briefe mit geschichtlichen Ergänzungen als Buch herauszugeben. Dr. Andrea Niewerth soll das Buchprojekt umsetzen.