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Ex-Nottenkämper-Prokurist war in Namibia untergetaucht

Ölpallet-Skandel in Schermbeck

Das Bundeskriminalamt hat den ehemaligen Nottenkämper-Mitarbeiter und angeblichen Selbstmörder Ingo L. dingfest gemacht. Das hat Auswirkungen auf den Prozess um den Ölpallet-Skandel in Schermbeck.

Schermbeck

, 25.02.2018
Ex-Nottenkämper-Prokurist war in Namibia untergetaucht

Die Verhandlung gegen den wieder aufgetauchten ehemaligen Nottenkämper-Prokuristen Ingo L. wird klären, wer an der Umwandlung des Gahlener Mühlenbergs (rechte Bildhälfte) von einer Ablagerung zur Deponie schuldig und mitschuldig ist. Foto:Scheffler

Der ehemalige Prokurist Ingo L. der Firma Hermann Nottenkämper OHG lebt. Wie das Bundeskriminalamt mitteilt, konnten Zielfahnder des BKA ihn bereits in der letzten Woche am Frankfurter Flughafen festnehmen. Ingo L. steht unter dem Verdacht, durch das illegale Entsorgen von Ölpellets Gewinne in Millionenhöhe erwirtschaftet zu haben.

Tod nur vorgetäuscht

„Das Landgericht Bochum erließ einen Haftbefehl wegen einer schweren Umweltstraftat, Betruges sowie Untreue“, teilt das BKA mit. Obwohl der Tatverdächtige in einem Abschiedsbrief seinen Tod vortäuschte, konnten ihn die Zielfahnder des BKA im südafrikanischen Namibia aufspüren. Durch die gute internationale Zusammenarbeit sei es gelungen, so das BKA, den Tatverdächtigen nach Deutschland abzuschieben und am Flughafen in Frankfurt festzunehmen.

Unerklärliches Verschwinden

Ingo L.wurde als Prokurist bei der Firma Nottenkämper eingestellt und blieb in dieser Funktion bis zum 10. Juli 2014. Parallel dazu betrieb er aber noch das Maklerunternehmen Wasteconsulting GmbH auf dem Gelände der Firma Nottenkämper in Oberhausen, Vogesenstraße 30. Die Firma Wasteconsulting befasste sich hauptsächlich mit der Sammlung und Entsorgung von Industriebabfällen.

Bis zum unerklärlichen Verschwinden von Ingo L. war am Landgericht Bochum ein Verfahren gegen ihn anhängig.

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Im Rahmen der jetzt möglichen Weiterführung des Verfahrens kann mit großer Wahrscheinlichkeit eine exaktere Erklärung gefunden werden, wieso an allen Kontrollmechanismen der Firma Nottenkämper vorbei mehr als 30.000 Tonnen Ölpellets und etwa 35.000 Tonen Kronocarb auf dem Mühlenberg im Gahlener Heisterkamp abgelagert werden konnten.

„Schändlicher Vertrauensmissbrauch“

Bislang konnte das Gahlener Bürger-Forum nur spekulieren. „Eine Täuschung in diesem Ausmaß hätte Nottenkämper und den Verantwortlichen auffallen müssen“, schrieb Dr. Stefan Steinkühler vom GBF am 25. Januar 2018 an den Kreis Wesel. Die Firma Nottenkämper sah sich jedoch in allen Gesprächen als Opfer. Als einen „schändlichen Vertrauensmissbrauch“ bewertete Thomas Eckerth als Geschäftsführer der Firma Nottenkämper das Handeln des ehemaligen Prokuristen Ingo L., der etwa fünf Jahre lang die Prokura der Firma besaß.

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Jetzt kann der Angeklagte Ingo L. zu den betriebsinternen Kontrollen vom Staatsanwalt am Landgericht Bochum selbst verhört werden und vielleicht klären, wer ihm geholfen hat, die unerlaubte Anlieferung von Ölpellets an allen Kontrollen der Firma Nottenkämper vorbei zu managen.

Aufklärung erhofft

Das Wiederauftauchen des Angeklagten Ingo L. wird auch vom Gahlener Bürger-Forum erfreut zur Kenntnis genommen. „Wir hoffen, dass das Aufgreifen auch zu mehr Klarheit bezüglich der Geschehnisse auf dem Mühlenberg und der Rollenverteilung aller Beteiligten führt“, wünscht Matthias Rittmann vom GBF. Ein zügiges Ende des Verfahrens sei wünschenswert, denn dann könne sich der Kreis Wesel bezüglich der Herausgabe der Gutachten auch nicht mehr auf ein bestehendes Verfahren berufen. „Dieses Verhalten“, so Rittmann, „ist unseres Erachtens sowieso rechtlich nicht haltbar.“