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Ex-Nottenkämper-Prokurist: „Flucht war ein Fehler“

Ölpellets-Skandal

Im Umwelt- und Untreueprozess rund um die angeblich illegale Entsorgung von Ölpellets in einer Deponie bei Hünxe hat der ehemalige Prokurist der Fa. Nottenkämper seine Flucht als „Fehler“ bezeichnet.

Bochum/Schermbeck

, 06.03.2018
Ex-Nottenkämper-Prokurist: „Flucht war ein Fehler“

Der ehemalige Prokurist der Firma Nottenkämper steht in Bochum vor Gericht. © Foto: Jörn Hartwich

Am zweiten Verhandlungstag präsentierte sich der 55-jährige Abfallmakler am Dienstag überraschend offen. „Ich habe damals unter enormen Druck gestanden“, sagte er im Prozess vor dem Bochumer Landgericht. „Den konnte ich nirgendwo ablassen.“ Auch seinem eigenen Unternehmen sei es damals nicht gut gegangen. „Wir sind nur noch mitgeschwommen, hatten aber keine richtigen Erfolge mehr.“ Und auch im Prozess sei er von Seiten der Richter massiv angegangen worden. Er sei mit Zahlen und Aussagen konfrontiert worden, was ihm schließlich auch Angst gemacht habe. Dass er geflohen sei, sei am Ende eine Kurzschlussreaktion gewesen. Was rückblickend aber nicht richtig gewesen sei.

„Ein sterbendes Geschäft“

Mit der Entsorgungs-Branche hat der 55-Jährige allerdings immer noch nicht endgültig abgeschlossen. Er wolle in Zukunft zwar nicht mehr als Abfallmakler arbeiten („Das ist ein sterbendes Geschäft“), aber für Großunternehmen vielleicht Konzepte aus dem Bereich Aufbereitung und Rückgewinnung entwickeln. „Ich hoffe, dass im Zuge der Verhandlung herauskommt, dass ich durchaus Fähigkeiten habe, zum Beispiel, um konstruktive Entsorgungswege aufzuzeigen – deutschlandweit und europaweit.“

Auf einen Zeugen legt der 55-Jährige allerdings großen Wert. Das hat er am zweiten Verhandlungstag gleich klargestellt. Er möchte, dass auch der Seniorchef der Firma Nottenkämper als Zeuge geladen wird. Zumindest das haben ihm die Richter schon zugesagt. „Den wollen wir schnellstmöglich hören“, sagte Richter Markus van den Hövel im Prozess.

Ex-Prokurist will sich zu Vorwürfen äußern

Dem Angeklagten wird neben der angeblich illegalen Entsorgung von Ölpellets vorgeworfen, heimlich einen Millionenbetrag aus der Firma Nottenkämper herausgezogen zu haben. Außerdem soll er einen anderen Geschäftspartner bestochen haben. Zu den Vorwürfen selbst will sich der 55-Jährige erst am nächsten Verhandlungstag äußern. Dann soll auch sein zweiter Verteidiger wieder dabei sein. Im ersten Verfahren vor der Flucht waren die Vorwürfe bestritten worden.

Der Angeklagte war im vergangenen Sommer während des laufenden Strafverfahrens plötzlich untergetaucht. Er hatte schließlich in Namibia gefasst werden können. Richter van den Hövel: „Die Flucht war sicherlich nicht sinnvoll. Vor Gericht ging es immer um offenen Vollzug.“ Das heißt: Selbst bei einer Verurteilung zu einer Strafe von über zwei Jahren, die nicht mehr zur Bewährung hätte ausgesetzt werden können, hätte der Angeklagte nur nachts ins Gefängnis gemusst. Ob das jetzt immer noch gelten würde, muss abgewartet werden.