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Emotionale Diskussion über Unterbringung von Flüchtlingen

Versammlung für Anwohner

Ein Anwohner, der nächtliche Ruhestörungen fürchtet. Eine Mutter, die sich um die Sicherheit ihres Kindes sorgt. Wegen der geplanten zentralen Flüchtlingsunterkunft im Schulzentrum Marler-/Bochumer Straße haben die Menschen in der Feldmark ganz unterschiedliche Sorgen, wie bei der Versammlung am Dienstagabend in der Agathakirche deutlich wurde.

Dorsten

, 28.09.2016
Emotionale Diskussion über Unterbringung von Flüchtlingen

Die roten Gebäude zeigten die geplante Unterkunft für Flüchtlinge mit (v.l.) altem Petrinum, Astrid-Lindgren-Schule und Johannesschule. Mittendrin liegt die Kita (blau).

Bei der Informationsveranstaltung für Anwohner hatten Bürgermeister Tobias Stockhoff und die Vizepräsidentin der Bezirksregierung Münster, Dorothee Feller, einen schweren Stand. Denn was immer sie an Fakten und Argumenten lieferten, die meisten der mehr als 100 Zuhörer reagierten mit Ablehnung.

Dürftige Informationslage

Zumal die Informationslage tatsächlich noch recht dürftig ist. Stockhoff gab zu: „Wahrscheinlich gibt es keinen idealen Zeitpunkt für eine solche Veranstaltung. Warten wir noch einige Wochen, heißt es womöglich, wir hätten zu spät informiert.“ Noch sind die Verhandlungen zwischen Stadt und Land ja nicht abgeschlossen. Größer Streitpunkt scheint die Zukunft der städtischen Kindertagesstätte (Kita) an der Marler Straße zu sein.

Mehrere Eltern hielten es für unverantwortlich, dass Kinder inmitten einer großen Flüchtlingsunterkunft betreut werden könnten. Ihre Einwände wurden mit Applaus bedacht. Leiterin Sabrina Goldner-Koob wunderte sich, dass es bis zur Versammlung noch keine Information seitens des Jugendamtes gegeben habe – was Stockhoff merklich überraschte. Da nutzte der Hinweis von Dorothee Feller wenig, dass die insgesamt 503 Plätze in der Johannes-, der Astrid-Lindgren-Schule sowie im alten Petrinum ab Mitte 2018 wohl nicht komplett belegt würden. Und dass in Dorsten „ausschließlich Familien und Schwerbehinderte“ untergebracht werden und somit „automatisch mehr Ruhe“ herrsche.

Was wird aus der Kita?

Selbst der Hinweis von René Kloppenburg (Arbeiter-Samariter-Bund), dass eine solche Belegung „ein Privileg für eine Stadt“ sei, blieb weitestgehend ungehört. So steht die Frage im Raum, ob die Kita mit Wällen, Zäunen und grünen Pufferzonen an der Marler Straße bleibt oder ob sie vielleicht schon im nächsten Jahr an anderer Stelle im Stadtteil neu gebaut wird. Erzieherinnen und Elternvertreter sollen dabei ein gewichtiges Wort mitreden können, sicherte Stockhoff zu. Die Rechnung zahlt in jedem Fall das Land – quasi aus Dankbarkeit dafür, in Dorsten Immobilien gefunden zu haben, die für vergleichsweise wenig Geld für Flüchtlinge umgebaut werden können.

Und dann war da noch eine Anwohnerin, die etwas sagte, was an diesem Abend überhaupt noch nicht zur Sprache gekommen war. „Vielleicht kann man das Ganze auch mal unter dem Aspekt der Nächstenliebe betrachten.“ Der Applaus fiel spärlich aus. 

So sieht der Zeitplan aus: Wenn Stadt und Land sich einigen, könnte Anfang des nächsten Jahres mit dem Umbau der Johannesschule begonnen werden. Anfang 2018 könnte sie vermutlich bezogen werden. Die Astrid-Lindgren-Schule würde nach der Schließung Mitte 2017 umgebaut und ab etwa April 2018 für Flüchtlinge zur Verfügung stehen, das alte Petrinum wohl ab Mitte 2018. Insgesamt gibt es dann 503 Plätze. Der Mietvertrag mit dem Land läuft dann über fünf Jahre, also bis 2023. Die Stadt hat die Hoheit, zu entscheiden, was anschließend passiert. Die Bezirksregierung Münster hat zugesichert, dass die Landeszuschüsse für das auf dem Areal geplante „Johannesquartier“ mit barrierefreien Wohnungen auch nach 2020 noch fließen. Dann endet eigentlich das Projekt „Wir machen Mitte“.

 

Dazu ein Kommentar von Stefan Diebäcker:

 

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