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Dorstener rastet unter Alkohol regelmäßig aus

Gutachten zur Schuldfähigkeit

Wüste Beschimpfungen, Hassparolen und gewalttätige Nötigungen hat ein 52-jähriger aus Dorsten auf dem Kerbholz. Er rastet regelmäßig aus, wenn er Alkohol trinkt. Das sollte er lieber sein lassen, wie er mittlerweile selbst erkannt hat.

DORSTEN

von Von Berthold Fehmer

, 31.05.2012
Dorstener rastet unter Alkohol regelmäßig aus

„Komm raus aus der Bude, dann bringe ich dich um! Dann mach ich dich mit einer Fahrradkette alle!“ Für Drohungen wie diese, ausländerfeindliche Hassparolen und gewalttätige Nötigung musste sich ein 52-jähriger Dorstener vor dem Schöffengericht verantworten. Betrunken hatte der Mann am 26. Juli 2011 mehrere Notrufe bei der Polizeileitstelle Recklinghausen abgesetzt. Als die Polizei bei ihm eintraf, bezeichnete er die Beamten als „Scheiß-Bazillen“ und „Nazis“ und wurde zur Ausnüchterung mitgenommen. Im Polizeifahrzeug drohte er: „Wenn ich nächstes Mal in den Knast gehe, kaufe ich mir eine Flasche Schnaps und eine Kanone und nehme euch alle mit.“

Zwei Frauen, die sich weigerten, ihm Tabak zu kaufen, bezeichnete er am 15. August 2011 als Schlampen, Nutten und Huren. In der Wohnung einer Zeugin schlug er eine Frau gegen den Hals, schubste sie hin und her, so dass diese Angst hatte, dass er sie aus dem dritten Stock werfen würde. Drei Monate später randalierte der Hartz-IV-Empfänger, der nie einen Beruf erlernt hat, erneut in der Wohnung eines Verwandten, wurde schließlich von der Polizei abgeführt und tobte: „Als Deutscher bist du hier entmündigt, die Kanaken dürfen alles machen.“

Der Angeklagte räumte die Taten ein. „Rasten Sie unter Alkohol aus?“, fragte die Richterin. „Meistens“, bekam sie als Antwort zurück. Sein Bewährungshelfer nannte ihn einen „an sich friedlichen Zeitgenossen – das mag sich bei dem Vorstrafenkatalog vielleicht merkwürdig anhören“. Der Angeklagte sei „leicht erregbar“, jemand, der schon bei relativ geringen Alkoholwerten zu massiven Verhaltensweisen neige. Auch nach einer Flasche Bier könne es schon sein, dass er durchdrehe, sagte der Angeklagte, der zuvor auferlegt bekommen hatte, höchstens 0,5 Promille Blutalkohol haben zu dürfen. „Das ist natürlich schwierig, weil Sie kein Messgerät haben“, so die Richterin. Laut Bewährungshelfer wurde die Auflage vor kurzem auf 0,0 Promille gesenkt. Zur Zeit trinke er überhaupt nicht, sagte der 52-Jährige. „Ich habe auf den ganzen Scheiß keinen Bock mehr.“ Ein Gutachten soll nun klären, ob er nur vermindert schuldfähig ist.