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Dechant Franke: Kirche bleibt nah und gut

DORSTEN Im Sommer hat Ulrich Franke die Nachfolge von Egbert Schlotmann als Dechant angetreten. Für die Dorstener Zeitung zog der St.-Agatha-Pfarrer jetzt eine erste Bilanz, bei der die Neuordnung der katholischen Kirchengemeinden im Mittelpunkt stand.

von Von Klaus Dieter Krause

, 08.10.2008

Herr Franke, Ihre ersten 100 Tage als Dechant liegen bald hinter Ihnen. Haben Sie sich mit der neuen Aufgabe schon angefreundet?

Franke: Ich habe diese Aufgabe nur übergangsweise übernommen, weil ich als vormaliger Vertreter des Dechanten das Jahr überbrücken soll, bis die reguläre Amtszeit von Egbert Schlotmann nach dessen kurzfristigem Fortgang abgelaufen ist. Wie es danach weitergeht, steht heute noch nicht fest. Ich habe dem Kirchenkreis aber erklärt, dass ich das nur provisorisch mache.

Welche Funktion hat denn ein Dechant?

Franke : Der Dechant ist Bindeglied und Kontaktperson zwischen Bischof und Dekanat. Unser Dekanat besteht aus den Gemeinden in Kirchhellen, Feldhausen, Grafenwald und ganz Dorsten. Für die Koordination zwischen diesen Gemeinden bin ich nun zuständig und moderiere außerdem die monatlichen Pastoralkonferenzen. Ansonsten beschränke ich mich darauf, laufende Projekte wie die Dorstener Tafel weiterzuführen. Das geht nur mit Hilfe vieler ehrenamtlicher Kräfte und mit einem Dekanatsteam, das sich monatlich trifft.

Sie haben das Amt mitten im Neuordnungsprozess der Gemeinden übernommen. Was macht die Zusammenlegung so zwingend erforderlich? Der Sparzwang? Oder der demografische Wandel?

Franke: Beides spielt eine Rolle. Hauptgrund ist jedoch der Priestermangel. Mitte der 60er Jahre sind viele Priester geweiht worden, davon sind heute noch 900 im Amt. Aber in knapp zehn Jahren, so nimmt man an, werden es nur noch 450 sein.

Besteht Hoffnung, dass die Zahl wieder wächst? Etwa durch die Öffnung des Priesteramts für Frauen?

Franke: Frauen sind heute schon in allen Gemeindebereichen vertreten. Ich gehe davon aus, dass sie irgendwann auch als Priesterinnen tätig sein können. Steter Tropfen höhlt den Stein. Aber solche Entscheidungen werden nicht bei uns oder in Münster getroffen, daher ist der Zeitpunkt nicht absehbar.

Somit müssen jetzt erst einmal die Strukturen geändert werden. Wie geht man im Dorstener Dekanat vor?

Franke : Warnendes Negativ-Beispiel für uns war der schmerzliche Prozess in Essen. Dort sind Riesengemeinden entstanden und sogar Kirchen abgerissen worden. Manchmal denke ich: Was machen die da oben? Egal, ob Bundeskanzler oder Bischof - wenn die Distanz zum alltäglichen Realität vor Ort verloren geht, kann es Fehlentwicklungen geben.

Daher hat unser Weihbischof Voß schon vor zwei Jahren allen Gemeinden einen Brief geschrieben, damit wir uns rechtzeitig Gedanken machen können. Der Zusammenlegungs-Prozess ist unterschiedlich weit gediehen. In Kirchhellen ist die Vereinigung zur St. Johannes-Gemeinde mit zwei Filialkirchen in Feldhausen und Grafenwald bereits abgeschlossen.

Wie sieht es in Dorsten aus?

Franke: Südlich der Lippe wollen wir einen ähnlichen Weg gehen. Wenn der neue Bischof zustimmt, werden zu Pfingsten vier Gemeinden zur St.-Agatha-Gemeinde verschmelzen. St. Nikolaus auf der Hardt, St. Johannes, Feldmark und Heilig-Kreuz in Altendorf bleiben als Filialkirchen erhalten.

In Holsterhausen wird die ohnehin intensive Zusammenarbeit der Gemeinden St. Bonifatius und St. Antonius durch den offiziellen Zusammenbeschluss besiegelt, auch alle Hervester Gemeinden werden sich zusammentun. Im Norden ist noch offen, ob und wie die Zusammenlegung von Barkenberg, Wulfen, Deuten mit Lembeck/Rhade erfolgen wird. 2009 fällt die Entscheidung.

Was wird sich in den Gemeinden ändern, was bleibt?

Franke : Es wird jeweils nur noch einen gemeinsamen Pfarrgemeinderat geben, der das Gemeindeleben regelt und auch nur einen Kirchenvorstand, der für die Finanzen zuständig ist. Sonst geht es weiter wie bisher, manches wird sogar besser. Denn die Neuordnung ist auch eine Chance. Sie bietet Gelegenheit, vieles auf den Prüfstand zu stellen und zu verbessern, was 20 Jahre hinter der Zeit herhinkt. Grundsätzlich werden wir uns an das Edeka-Motto halten - "nah und gut", das muss auch das Ziel der Kirche sein.

Wie ist denn die Entwicklung in den Gemeinden? Ist der Gläubigenschwund, den die Kirchenführung beklagt, auch bei uns festzustellen?

Franke : Das bezieht sich überregional gesehen auf den Rückgang der Gottesdienst-Besucher. Von solch einem Gläubigenschwund ist im Dekanat Dorsten wirklich nichts zu spüren. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen engagieren sich ehrenamtlich und gestalten das Gemeindeleben aktiv mit. Da ist noch sehr viel Potenzial - und das gilt für das ganze Dekanat.

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