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«Das ist eine Gratwanderung»

20.06.2007

Dorsten Svenja Grefer hat ihren Schulalltag für zwei Wochen gegen das Leben in einer Einrichtung für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen getauscht. Die 16-jährige Schermbeckerin besucht eigentlich die 10. Klasse des St. Ursula-Gymnasiums. Mit psychisch Kranken hatte sie bisher noch nicht zu tun. Daher bekam Svenja an ihrem ersten Tag im Haus Lea ein bisschen Muffensausen: «Meine Ängste waren, dass die Bewohner mir nichts erzählen wollen.»

Den Tag strukturieren

Svenjas Arbeitstag im Haus Lea begann schon um 8 Uhr. Nach dem Frühstück erledigte die 16-Jährige mit den Bewohnern ganz alltägliche Dinge: Einkaufen, Spazierengehen oder Zeitungslesen standen auf dem Plan.

Im Haus Lea wohnen zur Zeit zehn psychisch kranke Personen zwischen 20 und 70 Jahren, es gibt zusätzlich drei Plätze in Außenwohngruppen. Maria Siwy, Diplom-Psychologin und Gruppenleiterin, kennt die Probleme der Bewohner: «Sie haben Schwierigkeiten, ihren Tag zu strukturieren. Er erscheint für sie wie ein Berg, der nur schwer zu bewältigen ist.»

Was für die erfahrene Psychologin Alltag ist, war für Svenja echtes Neuland. Zu Beginn ihres Praktikums wusste die Schülerin nicht so recht, wie sie sich den Bewohnern nähern sollte. Ihre Berührungsängste legte sie dann aber schnell ab: «Man kann sich ganz normal unterhalten.»

Trotzdem: Einfach ist die Arbeit in einem Wohnheim für psychisch Kranke sicher nicht. «Das ist eine Gratwanderung», so die Psychologin Siwy. «Wir wollen die Menschen in ihre Welt begleiten. Aber ihr Verhalten ist nicht immer vorhersehbar.» Profis wie Maria Siwy kennen ihre «Schützlinge» meist gut genug, um zu wissen, was sie tun und vor allem nicht tun dürfen. Zuviel Spontaneität oder unvorhersehbare Ereignisse müssen in der Regel vermieden werden, die Bewohner brauchen vertraute Abläufe. Auch Praktikantin Svenja musste sich den Bewohnern äußerst behutsam nähern. Nach Angaben ihrer Chefin hat sie das sehr gut gemeistert - und noch dazu viel gelernt: «Svenja hatte im Praktikum die Gelegenheit, psychisch kranke Menschen kennen zu lernen und ihre Entwicklung nachzuvollziehen.»

Auch die Praktikantin selbst ist zufrieden mit ihrer Hospitanz im Haus Lea: «Ich finde die Arbeit hier sehr interessant.» Eine spätere Laufbahn als Psychologin möchte sie nicht ausschließen, doch das nächste Etappenziel ist jetzt erstmal das Abi. ah

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