Online-Routendienst

80-Jähriger wird mit Zwangspfändung bedroht

Von Von Berthold Fehmer

Eine Route für eine Autofahrt von Schermbeck nach Borken suchte sich Günter Rojahn im Internet heraus. Damit begann der Ärger. 500 Euro wollte eine dubiose Onlineplattform daraufhin von ihm haben. Günter Rojahn war klar, dass er darauf nicht eingehen werde. Aber die Art und Weise, wie die Abzocker ihn über Wochen bedrohten, macht sprachlos.

80-Jähriger wird mit Zwangspfändung bedroht

750 Euro für das Berechnen einer Route im Internet? Der Schermbecker Günter Rojahn (80) lässt sich auch durch Drohungen wie Zwangspfändung nicht ins Bockshorn jagen.

Der 80-Jährige sagt, an diesem Abend habe er sich „wie bei jedem Programm“ immer weiter durchgeklickt. Das tat er auf der Adresse www.maps24-routenplaner.online. „Es gab keinen Hinweis auf einen Preis oder eine Mitgliedschaft“, sagt Rojahn. Doch als er eine Bestätigungsmail von der Firma Media Solution erhielt, laut derer er eine 24-Monate-Mitgliedschaft abgeschlossen haben soll und dafür 500 Euro zu zahlen habe, wurde er stutzig.

Eine kurze Recherche im Internet ergibt, dass Rojahn mit seinem Problem nicht allein ist. Auf vielen Seiten wird vor der „Abo-Falle“ und der Firma, die unter mehreren Namen auftrat, gewarnt. Mehrere Anwälte raten unabhängig voneinander, nicht zu zahlen.

E-Mails sind keine rechtskonforme Grundlage

Glücklicherweise ist Rojahn im Berufsleben Vermessungsassessor gewesen, also auch juristisch vorgebildet. Dass die zwölf E-Mails, die er insgesamt von dem Internet-Dienst erhielt, alle keinen juristischen Ansprüchen nicht genügen, erkennt er auf den ersten Blick. Er antwortete per E-Mail, forderte auf, ihm Beweise vorzulegen, dass er einen Vertrag abgeschlossen haben soll. „Dann ist normalerweise bei den Gangstern Schluss, weil sie die nicht haben.“ Doch die mutmaßlichen Betrüger ließen nicht locker. Rojahn wurde mit Lohn- und Kontopfändung bedroht. „Bei einem Rentner?“, sagt Rojahn lächelnd. Am 22. Dezember kam die zwölfte Mail, nach der Rojahn dann Strafanzeige bei der Polizei erstattete. „Wir haben nun einen Vollstreckungstitel gegen Sie erwirkt“, las er darin. „Aus diesem Grund wird Sie am Freitag, den 29.12.2017, um 10 Uhr unser Inkasso-Team besuchen, um Ihre Wertgegenstände zu pfänden.“

Rojahn: „Der Teufel droht mit dem Beelzebub“

Diese würden per Kleintransporter abtransportiert und, falls Rojahn nicht zuhause sei, werde man einen Schlüsseldienst hinzuziehen, der die Tür öffne. Rojahns Kommentar: „Der Teufel droht mit dem Beelzebub.“ Doch die Mail ging noch weiter: „Sollten Sie Widerstand leisten, werden wir die Polizei hinzuziehen.“

Die einzige Möglichkeit, die Pfändung zu verhindern, bestehe darin, Amazon-Gutscheine im Wert von 750 Euro an die Firma Media Solution, Schwarzbacher Straße 4 in Berlin, zu senden, so die Mail. „Das war mir zu dick“, sagt Rojahn, der die Polizei informierte und am 29. Dezember bereit war, „das Spielchen zu Ende zu spielen“. Mit einem Handy in der Hand habe er auf das „Inkasso-Team“ gewartet, bereit, die Polizei zu rufen, die sich auch bereit hielt. Doch es kam: niemand.

Rojahn schickte noch eine E-Mail an die Firma. Erklärte darin, warum jede geäußerte Drohung juristisch unhaltbar sei. Und gab dem Verfasser den Tipp: „Hören Sie auf und gehen Sie arbeiten!“ Ob er mit diesem Tipp Erfolg haben wird, darf man bezweifeln. Aber Rojahn möchte andere warnen, in solchen Fällen nachzugeben. Er lebe nach dem Familienmotto: „Nur keinen Streit vermeiden.“