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20 Jahre gehörte Schermbeck zu Raesfeld

Für 55.000 Taler verpfändet

Für 55.000 Taler verpfändete Kurfürst Friedrich Wilhelm das Amt Schermbeck vor 375 Jahren. Die Entscheidung dürfte ihm leicht gefallen sein.

Schermbeck

, 06.04.2018
20 Jahre gehörte Schermbeck zu Raesfeld

Dr. Georg Rave war während der Verpfändung des Amtes Schermbeck an Alexander II. Amtmann auf der Schermbecker Burg. Maria Ludgers, Tochter eines Gemener Amtmanns, heiratete 1627 Dr. Georg Rave, mit dem sie bis zu ihrem Tod die Schermbecker Burg bewohnte. © Repro Scheffler

Wirksam wurde der „Deal“ am 7. April 1643. An diesem Tag löste ein Westfale den bisherigen Amtmann Wilhelm Quadt zu Wickradt ab. Dr. Georg Rave zog am 7. April 1643 auf die klevische Burg in Schermbeck und lebte dort bis 1672.

Dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm fiel der Verzicht auf das Amt Schermbeck leicht. Am 28. Juni 1640 waren weite Teile des Orts durch ein Feuer vernichtet worden. Im ländlichen Umfeld hatten durchziehende Truppen - noch tobte der 30-jährige Krieg - alles geplündert. Um die Schulden an Graf Alexander von Velen-Raesfeld tilgen zu können, ließ sich der Kurfürst am 14. Dezember 1640 auf die Pfandverschreibung des Amtes Schermbeck ein. Schermbeck, die alte klevische Grenzfestung, schied für 20 Jahre aus dem Drostamt (Verwaltungsbezirk) Dinslaken aus.

Freigraf

Georg Rave, der neue Amtmann Schermbecks, entstammte einem münsterländischen Beamtengeschlecht. Am 19. September 1599 wurde er als letztes von neun Kindern geboren. Er besuchte die Stiftsschule in Borken, ab 1614 das Gymnasium Paulinum in Münster. In Köln studierte er Jura, Religion, Logik, Ethik, Metaphysik und Teilbereiche der Mathematik. Mitte August 1627 heiratete er Maria Ludgers. In Gemen wurde er Hofrat des Grafen Jobst Hermann, ab 1628 Freigraf der Herrschaft Gemen.

Nach einem Erbstreit mussten Georg und Maria Rave im Frühjahr 1638 aus Gemen fliehen. Auf der Burg Raesfeld fanden sie eine Bleibe. Dort wurde Georg Rave unter Alexander II. Amtmann und Freigraf in Raesfeld und Heiden.

Die Verpfändung des Amtes Schermbeck brachte für Georg Rave zusätzliche Aufgaben. In den nächsten Jahrzehnten leistete Rave nicht nur wertvolle Dienste für Alexander II.. Er konnte im Verlauf seines Lebens selbst zahlreiche Ämter und Liegenschaften erwerben.

Rückverpfändung

1663 erfolgte die Rückverpfändung des Amtes Schermbeck. Eigentlich hätte die Schermbecker Burg wieder Sitz des Dinslakener Amtmanns werden müssen. Doch Wilhelm Rolemann Quadt zu Wickrath, der bis 1691 als Amtmann auch die Geschicke Schermbecks leitete, blieb im Dinslakener Kastell wohnen.

Als Georg Raves Frau Maria am 24. April 1672 starb, wurde sie von Schermbeck nach Borken überführt und in der Ursulakapelle beigesetzt. Nach dem Tod seiner Frau zog Rave von Schermbeck wieder zurück in seine Heimatstadt Borken, wo er 1675 starb.

Die Georg-Rave-Straße zwischen Landwehr und Peter-Gypken-Weg im Baugebiet Schieneberg erinnert noch heute an den Amtmann auf der Schermbecker Burg – und die 20 Jahre, als Schermbeck zu Raesfeld gehörte.