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Die Sorge der NBA vor absichtlichen Niederlagen

New York. In der NBA herrscht ein groteskes Schneckenrennen um die letzten Plätze. So viele schlechte Teams gab es noch nie. Aufgrund des Verdachts, Clubs könnten nicht alles für den Sieg geben, ist die Liga alarmiert. Dirk Nowitzki findet vor seinem Saisonaus deutliche Worte.

Die Sorge der NBA vor absichtlichen Niederlagen

Mark Cuban ist der Besitzer der Dallas Mavericks. Foto: Morry Gash/AP

Mit den NBA-Playoffs hatten Superstar Dirk Nowitzki und Dennis Schröder schon vor ihrem verletzungsbedingten Saisonaus schon lange nichts mehr zu tun.

Doch auch für die abgeschlagenen Teams der fehlenden Deutschen gibt es im Saison-Schlussspurt noch etwas zu gewinnen: Die Mannschaften mit der schlechtesten Bilanz der Basketball-Profiliga dürfen die begehrtesten Top-Talente verpflichten. In dem System, das eigentlich für Chancengleichheit sorgen soll, gibt es diese Saison ein groteskes Schneckenrennen. Die Liga ist aufgrund des Verdachts absichtlicher Niederlagen alarmiert, es gibt harte Geldstrafen und schon bald eine Regeländerung.

Nowitzki und seine Dallas Mavericks sind diese Saison so schlecht wie noch nie in der Ära des Würzburgers. So konnte sich der 39-Jährige am 5. Aprilruhigen Gewissens einem leichten operativen Eingriff an seinem linken Knöchel unterziehen. Mit deutlichen Worten wendete sich Nowitzki jedoch zuvor gegen den Eindruck, sein Team gebe nicht alles für den Sieg. „Wir wollen hier keine Kultur, die daraus besteht, aufzugeben und nicht hart zu spielen. Das setzt den falschen Ton für die Zukunft“, betonte der Teamkollege von Maximilian Kleber. Nowitzki sagte im Fachmagazin „Five“: „Du riskierst viele Sachen, wenn du nicht alles gibst und es ist auch ein bisschen peinlich für die Organisation, wenn da fünf Leute nur so halbherzig rumrennen.“

Kurz vor Ende der Hauptrunde liegt fast ein Drittel der NBA-Teams bei einer Siegquote von unter 35 Prozent, erstmals in der Liga-Geschichte könnten damit in einer kompletten Saison neun Teams weniger als 29 Siege holen. Die Phoenix Suns verloren diese Spielzeit bereits 15-mal nacheinander, die Memphis Grizzlies beendeten ihre Niederlagenserie erst nach 19 Partien. Auch die Atlanta Hawks um den verletzten Dennis Schröder sind fernab der Playoffs.

Im Turbo-Kapitalismus des US-Sports sorgt seit jeher ein geradezu sozialistisch anmutendes Konzept dafür, dass schlechtes Abschneiden auch noch belohnt wird. Die Mannschaft mit den wenigsten Siegen erhält die höchste prozentuale Chance, den ersten Spieler bei der kommenden Draft unter Vertrag zu nehmen.

Mavs-Besitzer Mark Cuban berichtete deshalb, dass er seinen Spielern gesagt habe, dass „verlieren unsere beste Option ist. (NBA-Commissioner) Adam (Silver) würde hassen, dass zu hören, aber wir wollen, dass die Spieler das verstehen.“ Aufgrund dieses Kommentars wurde Cuban im Februar zu einer Geldbuße von 600.000 US-Dollar (rund 487.000 Euro) verdonnert.

Anschließend sah sich NBA-Boss Silver genötigt, ein Memo an alle Teams zu verschicken, dass die Strategie des so genannten Tankings „keinen Platz in unserem Spiel hat. (...) Wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um die tatsächliche und empfundene Integrität des Spiels zu schützen.“ Zudem warnte die Liga bereits die Chicago Bulls von Nationalspieler Paul Zipser, doch bitte das bestmögliche Team aufs Parkett zu schicken und nicht gesunde Veteranen zu schonen.

Um den Anreiz des Verlierens zu mindern, hat die Liga beschlossen, ab kommender Saison die prozentuale Chance für das schlechteste Team auf den besten Nachwuchsstar deutlich zu senken. „Mal schauen, ob das was bringt“, sagte Nowitzki. „Ich hoffe es.“

Doch ob das Tanking damit endgültig verbannt wird, bezweifeln auch Experten. Die Philadelphia 76ers hatten diese Strategie zuletzt zur Kunstform erhoben: Über vier Jahre lang war das Team abgrundtief schlecht, gewann 2015/16 nur zehn von 82 Spielen. Dabei sammelten die 76ers jedoch jede Menge junger Top-Talente über die Draft - und liegen diese Saison nun unter den besten vier Mannschaften in der Eastern Conference.

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