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Der Handel setzt auf Gastronomie

Düsseldorf. Im Kampf gegen die boomende Online-Konkurrenz verlassen sich immer mehr Modehändler und Shopping-Center nicht mehr allein auf Sonderangebote. Sie locken auch mit leckerem Essen oder edlen Getränken. Das soll das Internet erst einmal nachmachen.

Der Handel setzt auf Gastronomie

Der Koch Tristan Brandt zeigt in seinem Restaurant Opus V ein zubereitetes Stubenküken. Foto: Uli Deck

Eine Champagnerbar mit 120 Sorten Schaumwein im Supermarkt, Sterneköche im halben Dutzend im Modehaus und natürlich Köttbullar beim Möbelkauf: Im Kampf gegen die wachsende Online-Konkurrenz setzt der Einzelhandel immer stärker auf Essen und Trinken als Lockmittel.

„Die Gastronomie im Handel und in dessen Umfeld nimmt an Fahrt auf“, beobachtet das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI in einer Branchenstudie. Besonders experimentierfreudig ist dabei zurzeit der durch Online-Konkurrenten wie Amazon oder Zalando besonders in Mitleidenschaft gezogene Modehandel. Einer der Vorreiter ist das Mannheimer Modehaus Engelhorn. Es beherbergt unter seinem Dach neben einer Champagnerbar und diversen Restaurants den Gourmet-Tempel „ Opus V“, der inzwischen mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist.

Doch auch die Konkurrenz schläft nicht. Der Rivale Breuninger lockte Ende April gleich mit sechs Sterneköchen, die in seinem Stuttgarter Flagship-Store für rund 1000 Kunden kochten. Ganz vorbei geht der Gastronomie-Trend selbst an H&M nicht. Auch die skandinavische Modekette hat in den Filialen ihrer Premiummarke Arket in Berlin und München inzwischen ganz selbstverständlich ein Café integriert, dass mit seinen vegetarischen und veganen Essensangeboten „die Reinheit, Frische und Einfachheit“ widerspiegeln soll, die allgemein mit Skandinavien assoziiert werde. Für das Fachblatt „Textilwirtschaft“ steht fest: „Essen ist in Mode.“

Handelsexperten halten die Gastro-Strategie durchaus für vielversprechend. Schließlich lässt sich ein solcher „Erlebniseinkauf“ im Internet kaum kopieren. Auch in den großen Shopping-Centern spielen Restaurants und Cafés deshalb eine immer wichtigere Rolle. Belegten gastronomische Angebote noch vor einigen Jahren gerade einmal sechs Prozent der Verkaufsfläche, so hat sich diese Zahl mittlerweile der EHI-Studie zufolge „in vielen Shoppingmalls mindestens verdoppelt“. Zum Teile liege der Gastro-Anteil sogar bereits bei knapp 15 Prozent.

Der Shopping-Center-Betreiber ECE betont, ein gutes Gastronomieangebot trage heute dazu bei, die Verweildauer und die Aufenthaltsqualität in den Einkaufszentren zu erhöhen. Etwa 60 Prozent der Besucher nutzten die Gastronomie bei ihrem Besuch. Rund 40 Prozent wählten das Shopping-Center sogar nach dem Essensangebot aus. In den vergangenen Jahren hat ECE daher den Gastronomieanteil nach eigenen Angaben signifikant ausgebaut.

Auch der Lebensmittelhandel ergänzt sein Angebot immer öfter durch gastronomische Angebote. Das reicht vom - eher bescheidenen - Kaffeeautomaten in den modernisierten Filialen des Discounters Aldi bis zur Champagnerbar mit 120 verschiedenen Sorten und einem riesigen vegetarischen Restaurant in der neuen Filiale von Edeka Zurheide in der Nähe der Düsseldorfer Königsallee. Selbst im Buchhandel finden sich laut EHI zwischen den Regalen immer öfter Cafés und sogar kleine Restaurants, die zum Verweilen einladen.

Andere Sparten wie Möbel- oder Warenhäuser haben die Gastronomie schon vor Jahrzehnten für sich entdeckt - allen voran Ikea. Die skandinavische Möbelkette macht nicht nur Milliardenumsätze mit Billy-Regalen und Poäng-Sesseln. Sie gehört dank Köttbullar und Co. nach Angaben des Branchenverbands Dehoga auch zu den zehn größten Systemgastronomen in Deutschland und macht mit Essensangeboten mehr Umsatz als Ketten wie Vapiano oder Starbucks.

Ein Ende der Gastronomie-Begeisterung im Handel ist nicht in Sicht, glaubt das EHI. Denn: „Das Miteinander von Gastronomie und Handel emotionalisiert das Einkaufserlebnis und erhöht im Idealfall auch die Attraktivität, die Aufenthaltsqualität und die Verweildauer.“

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Der Koch Tristan Brandt zeigt in seinem Restaurant Opus V ein zubereitetes Stubenküken. Foto: Uli Deck

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