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Der Gipfel der Genüsse: 45 Jahre Mercedes W 116

Stuttgart. Teure und vornehme Autos hatte Mercedes beinahe vom ersten Tag an im Programm. Doch trotzdem ist die Baureihe W 116 eine wichtige Wegmarke in der Historie. Markiert ihr Debüt 1972 doch die Geburt der S-Klasse - seit über 45 Jahren ein Inbegriff von Luxuslimousine.

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Sänfte statt Sause: Für heutige Begriffe einer Luxuslimousine ist der 350 SE (W 116) nicht sonderlich sportlich abgestimmt und mit knapp über 200 km/h auch nicht sehr schnell. Den Sportler der Baureihe gab der 450 SEL 6.9. Foto: Hans-Dieter Seufert/Daimler AG/dpa-tmn

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Chrom und Rillen: Während der Chromzierrat den Statusanspruch des W 116 mehrt, sollen die gerippten Oberfläche der großen Heckleuchten diese unempfindlich gegen Schmutz machen. Foto:Dino Eisele/Daimler AG/dpa-tmn

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Kraft durch V8: Im 350 SE des Mercedes-Museums leistet der 3,5 Liter große Motor 151 kW/205 PS. Foto: Dino Eisele/Daimler AG/dpa-tmn

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Gut aussehen und gut sehen: Feiner Chromschmuck sorgt für luxuriöse Optik während die Scheinwerferreinigungsanlage und die um die Ecke gezogenen Blinker Sicht, Sichtbarkeit und damit die Sicherheit erhöhen. Foto: Daimler AG/dpa-tmn

Sieben Jahre nach dem Debüt des W 109 kam 1972 die Baureihe W 116. Sie markierte auf den ersten Blick nur einen weiteren Generationenschritt in der Oberklasse des Stuttgarter Nobelherstellers.

Doch es ist ein kleines Detail neben allen technischen Finessen und dem markanten Chromstyling, das aus dem Stammbaum heraussticht: Zum ersten Mal trägt die Limousine die Gattungsbezeichnung S-Klasse und legt damit vor über 45 Jahren den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Schließlich ist das Flaggschiff der Schwaben unter diesem Namen in mittlerweile sechs Generationen mit über vier Millionen gebauten Autos zur weltweit erfolgreichsten Luxuslimousine geworden. Heute, wo selbst eine S-Klasse mit der Mode geht und sich an junge Aufsteiger genauso wendet wie an Bosse und alten Adel, war der W 116 1972 noch ein unnahbares Auto, das allein mit seinen wuchtigen Doppelstoßstangen eine gewisse Autorität ausgestrahlte.

So seriös wie die Hornbrille des Bundespräsidenten Gustav Heinemann, so vornehm wie der größte Flachdach-Bungalow in der Neubausiedlung und so nüchtern wie das Büro eines Vorstandsvorsitzenden: Die knapp fünf Meter lange Limousine stellte so ziemlich alles in den Schatten, was damals auf der Straße war.

Nicht umsonst wurde sie gleich zum Auto des Jahres gewählt und sammelte auch sonst so ziemlich jeden Superlativ ein, zu dem sich die Fachzeitungen haben hinreißen lassen. Für „Auto, Motor und Sport“ etwa war die S-Klasse „eines der perfektesten Autos der Welt“.

Das Lob fußte nicht zuletzt auf einem ganzen Bündel an Innovationen bis ins Detail, die bei Sicherheit und Komfort neue Maßstäbe setzten, sagt Mercedes-Klassiksprecher Ralph Wagenknecht: Zum umfassenden Sicherheitskonzept gehörten zum Beispiel ein kollisionsgeschützter Tank, ein Vierspeichen-Sicherheitslenkrad, verschmutzungsarme Seitenscheiben, großflächige Scheinwerfer, auffällige Blinkleuchten und Schmutz abweisende, gerippte Heckleuchten.

Außerdem markierte die S-Klasse 1977 mit dem 300 SD den Beginn des Dieselzeitalters in der Luxusklasse. Der zunächst für die USA gebaute Luxus-Diesel war zugleich der erste Serien-Pkw mit Turbodieselmotor.

Ab 1978 war die S-Klasse laut Mercedes als weltweit erstes Serienfahrzeug mit Anti-Blockier-System (ABS) erhältlich, das die Lenkfähigkeit auch bei einer Vollbremsung sicherstellte.

Vergleicht man einen 350 SE aus dem Stuttgarter Museumsfuhrpark mit einer aktuellen S-Klasse, wird einem jedoch schnell bewusst, wie sehr sich die Werte in einem halben Jahrhundert gewandelt haben. Denn wo die S-Klasse heute eine Mischung aus Multimedia-Lounge und First-Class-Suite ist, geht es im 116er noch vergleichsweise nüchtern zu: Die Sitze sind noch mit Stoff und das kantige Cockpit mit Eichenimitat aus Vinyl bezogen. Das Radio ist analog und hinter dem riesigen Lenkrad gibt es drei Rundinstrumente.

Auch mit der souveränen Fortbewegung ist es nicht sonderlich weit her. Während heute jede S-Klasse mühelos das freiwillige Limit von 250 km/h erreicht, muss sich der 3,5 Liter große V8 aus dem Museumsfuhrpark redlich mühen, um mit seinen 151 kW/205 PS wenigstens die 200er-Marke zu knacken. Und mit der Fahrdynamik ist es bei der sänftengleichen Straßenlage des Dickschiffs und der butterweichen Lenkung auch nicht sonderlich weit her.

Doch erstens musste man sich vor über 40 Jahren von nichts und niemandem hetzen lassen, wenn man es mal in eine S-Klasse geschafft hatte. Und zweitens hatten die Schwaben im Lauf der Modellkarriere bewiesen, dass sie ja auch anders konnten. Nicht umsonst krönten sie die Baureihe 1975 mit dem 4.5 SEL 6.9 und bekamen für den 210 kW/286 PS starken Sportler im Smoking reichlich Lob: Die „Auto, Motor und Sport“ feierte ihn kurzerhand als „das beste Auto der Welt“.

Mittlerweile wird der W 116 im niedrigen fünfstelligen Bereich gehandelt. Doch vom vergleichsweise günstigen Anschaffungspreis darf man sich nicht täuschen lassen, mahnt der deutsche S-Klasse-Club in seiner Kaufberatung: „Grundsätzlich muss sich der werdende Eigener darüber im Klaren sein, dass eine alte S-Klasse keine billige S-Klasse ist.“ Denn im Unterhalt stelle der W 116 damals wie heute keine geringen Ansprüche.

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Sänfte statt Sause: Für heutige Begriffe einer Luxuslimousine ist der 350 SE (W 116) nicht sonderlich sportlich abgestimmt und mit knapp über 200 km/h auch nicht sehr schnell. Den Sportler der Baureihe gab der 450 SEL 6.9. Foto: Hans-Dieter Seufert/Daimler AG/dpa-tmn

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Chrom und Rillen: Während der Chromzierrat den Statusanspruch des W 116 mehrt, sollen die gerippten Oberfläche der großen Heckleuchten diese unempfindlich gegen Schmutz machen. Foto:Dino Eisele/Daimler AG/dpa-tmn

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Kraft durch V8: Im 350 SE des Mercedes-Museums leistet der 3,5 Liter große Motor 151 kW/205 PS. Foto: Dino Eisele/Daimler AG/dpa-tmn

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Gut aussehen und gut sehen: Feiner Chromschmuck sorgt für luxuriöse Optik während die Scheinwerferreinigungsanlage und die um die Ecke gezogenen Blinker Sicht, Sichtbarkeit und damit die Sicherheit erhöhen. Foto: Daimler AG/dpa-tmn

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