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«Der Ehrgeiz treibt einen ins Ziel»

Bork/Olfen Die 400 Meter gelten in der Leichtathletik als die «Todesstrecke». In keiner anderen Disziplin ist die kurzfristige körperliche Belastung für den Athleten so hoch, wie bei der Stadionrunde. «Wenn man das Ziel sieht, wird es angenehmer», sagt Luisa Pöhling.

20.06.2007

Wie bei den Westfalenmeisterschaften am vergangenen Wochenende in Arnsberg. «Bis 200 Meter habe ich gedacht, sie verhungert. In der letzten Kurve hat sie dann noch mal ihre zweite Luft bekommen und gebissen», sagt ihr Trainer Bernhard Bussmann. Heraus sprang eine Zeit von 56,80 Sekunden und der Vize-Westfalentitel. Ein Quantensprung, denn ihre alte Bestzeit pulverisierte Luisa um über eine Sekunde.

Bussmann, Vorsitzender des SuS Olfen Leichtathletik/Volleyball und des Gesamtvereins, lobt sein derzeit bestes Pferd im Stall nicht ohne Grund: «Mit ihren 2:13,75 über 800 Meter ist sie unter den besten 40 in Deutschland, mit der neuen 400 m-Zeit sogar unter den besten 30.»

Verdienter Lohn

Verdienter Lohn harter Arbeit: Fünfmal die Woche trainiert die 17-Jährige zwei Stunden lang. «Es ist anstrengend und Kräfte raubend, aber es macht Spaß und man gewöhnt sich dran», sagt Luisa. Wenn sie nicht in Olfen auf der Bahn trainiert, läuft die am 24. September 1989 in Lüdinghausen geborene Borkerin zu Hause durch den Wald.

Mit acht Jahren kam sie 1998 zur Leichtathletik. Ihre Freundin Anna Rotte hatte sie nach Olfen mitgenommen. «Zuerst ging es spielerisch los mit leichten Trainingseinheiten. Das fand ich gut.» Schnell stellte sich bei Cross- und City-Läufen das Talent heraus, das in Luisa schlummerte. Bernhard Bussmann nahm sie unter seine Fittiche und brachte sie auf die Langsprintstrecke und die Mittelstrecke.

Keine schlechte Entscheidung, wie sich herausstellte. Luisa entwickelte sich stetig weiter und zeigte auch den nötigen Ehrgeiz im Training. «Bei aller Anstrengung habe ich noch nie ans Aufhören gedacht, dafür macht es mir einfach zu viel Spaß. Ich habe nie wirklich einen toten Punkt gehabt.» Weder im Training, noch im Rennen: «Der Ehrgeiz treibt einen immer ins Ziel, auch wenn die Zeit manchmal zu wünschen übrig lässt.»

Mathe, Chemie, Physik

Ein Jahr darf sie noch in der A-Jugendklasse laufen, danach geht es in den Seniorenbereich. Gleichzeitig will sie am Städtischen Gymnasium in Selm in zwei Jahren ihr Abitur bauen - Leistungskurs Mathe und Chemie. Am liebsten würde Luisa danach studieren. «Irgendwas naturwissenschaftliches oder technisches. Physik liegt mir auch ganz gut.»

Und was wird dann aus der Leichtathletik? «Schauen wir mal», sagt Luisa leichthin. Sie setzt sich nicht unter Druck. Weder, was ihre noch zu erwartenden Zeiten anbelangt, noch was ihr Abschneiden bei den Deutschen Staffelmeisterschaften in Erfurt (21./22. Juli) und den Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm (3. bis 5. August) angeht.

«Dabei sein ist alles. Ich hoffe recht weit zu kommen», sagt Luisa. Vielleicht ist gerade diese Bescheidenheit ihr Schlüssel zum Erfolg. Marc Stommer

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