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Darum könnte in Capelle bald mehr gebaut werden

Bauflächen in Capelle

Immer mehr Menschen zieht es aus der Stadt zurück aufs Land – Ortsteile wie Capelle sind attraktiver Wohnraum und sollen es auch bleiben. Dafür bekommen die Gemeinden mehr Spielraum.

Capelle

, 14.06.2018
Darum könnte in Capelle bald mehr gebaut werden

Bürgermeister Bergmann hält den Ortsteil Capelle für einen attraktiven Wohnort. © Foto: Tobias Weckenbrock

Deurbanisierung ist das Zauberwort, das vielen Gemeinden Musik in den Ohren ist. Kurzum: Die Menschen kehren der Stadt den Rücken und ziehen aufs Land. Um diesen Zustand auch langfristig zu gewährleisten, will das Land Nordrhein Westfalen die Gemeinden unterstützen. Unzureichende Infrastruktur, Betreuungsangebote und fehlender Wohnraum bleiben in ländlichen Gebieten oft auf der Strecke.

Capelle auf dem richtigen Weg

In Capelle sei man aber auf dem richtigen Weg, sagt Bürgermeister Dietmar Bergmann. Eine Änderung im Landesentwicklungsplan soll den Kommunen dabei mehr Entscheidungsgewalt einräumen. „Für uns als ländliche Gemeinde ist diese kleine Änderung sehr wichtig“, sagt Bergmann. Da es in der Verantwortung der Kommunen liegt, den Wohnraum zu schaffen, sei es richtig, dass diese nun auch mehr Flexibilität und Entscheidungskompetenzen bei der Flächenausweisung bekommen.

Die Änderung im Detail: Bedarfsgerecht dürfen Städte und Gemeinden nun neue Wohngebiete und Wirtschaftsflächen in Orten mit weniger als 2000 Einwohnern – so auch der Ortsteil Capelle – festlegen.

Vieles getan

Neue Wohngebiete und Wirtschaftsflächen erschließen – diesen Auftrag habe die Gemeinde Nordkirchen schon vor Monaten aus der Politik erhalten, sagt Bergmann. Noch länger bestehe die Idee, nach genau solchen Flächen zu suchen. „Wenn wir den Ortsteil mittel- und langfristig attraktiv halten wollen, sind bestimmte Schritte unerlässlich“, so Bergmann.

Und solche Schritte hat die Gemeinde in der Vergangenheit bereits getan. Von einem ausgebauten Betreuungsangebot in Kitas und Schulen über den Glasfaserausbau bis hin zum barrierefreien Wohnen im Dorfpark – für die Zukunft sind noch ein erweitertes Mobilitätskonzept und das vom Land geförderte Dorfgemeinschaftshaus geplant.

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Dietmar Bergmann: „Die Gemeindeverwaltung hat durchaus das Gefühl, dass Capelle ein attraktiver Wohnort ist.“ Das kann auch Gereon Stierl bestätigen. Er selbst, Vorsitzender des Dorfvereins und vor rund fünf Jahren von Köln nach Capelle gezogen, ist das perfekte Beispiel der Deurbanisierung. „Es tut sich einiges“, stellt er fest. Insbesondere in den Kindergärten spüre er den Zuzug deutlich. Einzig und allein der Ortskern liege ihm noch im Magen. „Der ist noch nicht so ansehnlich“, sagt er, ist aber auch hier zuversichtlich.

„Substanzieller Raum“?

Auch im Bereich der Windenergienutzung sieht der Entwurf des Landesentwicklungsplans die Stärkung der Planungshoheit der Kommunen vor. Auch hier sei die Zustimmung groß, betont Bergmann, es gebe allerdings noch einige Hürden zu meistern: Dabei muss laut einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2002 gewährleistet werden, dass der Windenergie – entsprechend ihrem Status als privilegiertes Vorhaben im Außenbereich – „substanziell Raum“ zur Verfügung steht. Eine eindeutige Definition gibt es dafür nicht, die Entscheidung wird bei jedem Mal separat gefällt.

„Die Rechtslage ist für Gemeinden gerade noch sehr unsicher. Für eine solche Planung sollte ausschließlich die jeweilige Kommune verantwortlich sein“, findet der Bürgermeister. In Capelle sei das Thema Windenergie deshalb kein einfaches.

Trotz allem begrüße die Gemeinde Nordkirchen die Änderung im Landesentwicklungsplan. Genaue Pläne, wo neue Wohnflächen entstehen, gibt es noch nicht. Doch die Resonanz ist positiv. Bergmann: „Viele Leute, die seit Jahren in Capelle wohnen, wollen dortbleiben. Und auch aus Großstädten wie Münster haben wir Interessenten.“ Und genau diesen Leuten wolle die Gemeinde den Wunsch erfüllen und Capelle weiterhin aus dem Dornröschenschlaf wecken.