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Zeugen retten Mädchen

Vater ließ schwerbehindertes Kind im heißen Auto schwitzen / Sorgerecht entzogen

06.06.2007

Der schwüle Tag neigt sich dem Ende entgegen, als Zeugen gegen 18 Uhr auf den VW-Kleinwagen aufmerksam werden. An Bord erkennen sie ein Kind, stark schwitzend. Es wirke apathisch und die Zunge hänge aus dem Mund, so melden sie der Polizei. Die eintreffenden Beamten der Autobahnpolizei reagieren schnell. Mit einer Taschenlampe zerschlagen sie ein Seitenfenster. Doch befreien können sie das Mädchen nicht. Die Elektronik des Fahrzeugs verhindert das Öffnen der Türen. Das Mädchen kann aufgrund seiner Behinderung ebenfalls die Tür nicht öffnen. Sofort klettert die Polizistin durch das enge Fenster des Kleinwagens, um das Kind mit Wasser zu versorgen. Später drängt sich noch ein Sanitäter in den heißen Wagen. Von den Eltern gibt es keine Spur. Auch nicht, als die Feuerwehr eintrifft, um die Heckscheibe herauszubrechen. Frische Luft für die Drei im Wagen und die einzige Möglichkeit, das Kind zu befreien. Endlich taucht der Vater wieder auf. «Ruhig und verhalten», beschreibt Polizeisprecher Klaus Laackmann sein Verhalten: «Das hat alle vor Ort etwas überrascht.» Das Kind musste mit stark erhöhter Temperatur und extremem Flüssigkeitsverlust in ein Krankenhaus gebracht werden. Dort lag es auch gestern noch. Die Mutter wurde zu Hause von der Polizei informiert. Warum der Mann sein Kind so lange allein gelassen hat, begründete er derweil auf der Polizeiwache: Er sei im nahe gelegenen Wald eineinhalb Stunden spazieren gegangen. Einen Zusammenhang mit dem Ruf des Parkplatzes als Treffpunkt für homosexuelle Männer wies die Polizei als «reine Mutmaßung» zurück. Wegen Vernachlässigung des Aufsichtspflicht wurde Strafanzeige gegen den 41-Jährigen gestellt. Die Staatsanwaltschaft prüft nun eine Anklage. Sicher ist der Familie aber ein Besuch vom zuständigen Jugendamt Dortmund. Geprüft werden soll, ob es sich um einen einmaligen Fehler des Vaters handelt, oder ob die Familie dauerhaft überfordert ist und Hilfe braucht. Der ausgedehnte Spaziergang des Vaters wird bei der Bewertung des Falles eine Rolle spielen, erklärte der Leiter der Abteilung Hilfen zur Erziehung, Bodo Weirauch: «Die Umstände müssen immer gewürdigt werden.» Am Mittwochabend wurde dem Vater dann das Sorgerecht entzogen. bele

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