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Wissenschaft und Weltbild

CASTROP-RAUXEL Keine Atempause, Theater wird gemacht, es geht voran… So könnte man in Abwandlung des Songzitats der 80er-Jahre-Band Fehlfarben die derzeitige Situation am Westfälischen Landestheater auf einen Punkt bringen.

20.10.2007

Gerade erst hatten „Der Zinker“ und „Das Gespenst von Canterville“ Premiere, parallel dazu wird „Ladylike“ geprobt. Seit Mittwoch nun arbeitet das Ensemble um Regisseur Ralf Ebeling bereits an einer weiteren Premiere, nämlich die fürs Brecht-Stück „Das Leben des Galilei“.Kopernikus Der italienische Naturwissenschaftler Galileo Galilei geriet mit dem Bekenntnis zum Weltbild des Kopernikus, dass sich nämlich die Erde um die Sonne dreht, mit der Kirche in Konflikt, wurde wegen Ketzerei angeklagt und schwor 1633 in Rom vor dem Inquisitionsgericht von seinen Entdeckungen ab, widerrief jedoch angeblich mit dem Ausspruch: „Und sie (die Erde) bewegt sich doch“. Erst 1992 wurde Galilei von Papst Johannes Paul II. öffentlich rehabilitiert. Brechts Stück, das sich mit dem Begriff Wahrheit beschäftigt und mit der sozialen Verantwortung des Wissenschaftlers, entstand 1938 und dreht sich um die Frage, wie sich angesichts einer gewaltigen Propaganda-Maschinerie und der systematischen Ausschaltung aller Opposition der um die Wahrheit Wissende verhalten soll. Ebeling: „Brecht hat seinen „Galilei“ mehrfach umgeschrieben, jeweils unter dem Eindruck sich verändernder Ereignisse in der Wissenschaft und ihrer Auswirkungen auf die Politik, zum Beispiel die Atombombenabwürfe in Japan am 6. und 8. August 1945.“ Man müsse sich immer wieder die Frage stellen, wie Wissenschaft funktioniert. Wie ist das heute: Wer bezahlt wen? In wessen Auftrag werden Studien erstellt? Und eben: Wie wahr ist die jeweilige Aussage eines wissenschaftlichen Forschungsergebnisses? „Diese Aspekte herauszuarbeiten“, sagt Ebeling, „ist für mich das Faszinierende und das Aktuelle an dem „Galilei“.“Wahrheit Wie sehr man in sich selbst und in seiner Wahrheit gefangen sein kann, dass zeigt sich auch im Bühnenbild von Ausstatter Jeremias Vondrlik. Hinter dem raumgreifenden Halbrund mit Fensterflächen, die zunächst mit Gaze-Vorhängen verdeckt sind, schließt sich zusätzlich eine Gitterkonstruktion an, die wie ein Käfig wirkt. Je mehr sich nun im Spiel die Fenster öffnen, desto weniger offenbaren sich freie Flächen oder Wege. Auch die Figuren bleiben stets auf der Bühne, haben somit keine Auf- und Abgänge wie sonst üblich. Es wirken mit: Stefan Rehberg, Vesna Buljevic, Julia Gutjahr, Guido Thurk, Markus Kloster, Berthold Schirm und die drei Gäste Dennis Laubenthal, Francesco Russo und Gerhard Roiß.  Premiere ist am 1. Dezember, 20 Uhr in der Stadthalle. Karten unter der Telefonnummer: 02305 – 97 80 20.

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