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So handeln unsere Kliniken, wenn die Betten belegt sind

Intensivstationen voll wegen Grippewelle

Dass die Grippewelle an Castrop-Rauxel weitgehend vorbeigezogen sei, sagten uns mehrere Ärzte, Apotheker und Verantwortliche Ende Februar. Jetzt meldeten Kliniken zum Beispiel in Dortmund volle Intensivstationen. Ein Problem auch in Castrop-Rauxel diesen März? Wir fanden heraus: Vollbelegung gab es zeitweise auch hier. Es gibt aber Notpläne, wie damit umzugehen ist.

Castrop-Rauxel

, 03.04.2018
So handeln unsere Kliniken, wenn die Betten belegt sind

Dieses Archivbild zeigt die Intensivstation im EvK im Jahr 2006. Viele Patienten mit Grippe und grippalen Infekten sind in den vergangenen Wochen in Intensivbetten behandelt worden.

Über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen gab es zuletzt im gesamten Regierungsbezirk Arnsberg das Problem, ein freies Bett in den Kliniken zu finden. Alle Intensivstationen meldeten vor allem zwischen Ende Februar und Mitte März, dass sie komplett „dicht“ seien. „Die Versorgung der Patienten war deutlich erschwert, weil die Rettungsdienste immer wieder Wartezeiten hatten, bis sie Patienten endlich in einer Klinik unterbringen konnten“, sagte der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken, jetzt auf Anfrage unserer Dortmunder Redaktion.

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Und in den beiden Castrop-Rauxeler Kliniken? „Im Prinzip ist das für uns auch ein Problem“, sagt Dr. Jürgen Jahn, Chefarzt der Inneren Medizin 2 am Evangelischen Krankenhaus und damit medizinischer Leiter unter anderem der Intensivstation und der Notaufnahme. „Wir haben deutlich mehr Patienten mit Infektionen im oberen Rachenraum und der Lunge aufgenommen. Die waren zum Teil auch intensivpflichtig“, so Jahn. Das sei gerade bei Älteren so, die nicht mehr über ein so intaktes System von Abwehrkräften verfügten. Auf den Virusinfekt, den man als grippalen Infekt oder Erkältung bezeichnen kann, komme dann oft noch eine bakterielle Geschichte oben drauf. 

Wenn akute Lebensgefahr besteht

Die Folge: Es gibt Fälle, in denen akute Lebensgefahr bestehe. Die Menschen, so Jahn, kämen dann mit Atemnot in die Notaufnahme, würden dort untersucht und dann müsse der diensthabende Arzt entscheiden, ob der Patient auf die Intensivstation müsse. Es gibt acht Betten auf der EvK-Intensivstation und weitere sechs auf einer Überwachungsstation, die ebenfalls mit Herz-Kreislauf-Geräten ausgestattet ist (Fachbegriff: intermediate care) – eine Art Zwischen-Intensivstation. „Die Betten waren immer ruckzuck voll“, so Jahn. In allen Schichten habe man sich dann Mühe gegeben, wieder Platz zu schaffen.

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Im St.-Rochus-Hospital gibt es zehn Intensivbetten. Chefarzt Dr. Christian Szymanski kann auch über weitere Betten „Intermediate Care“ verfügen. Er meldet ebenfalls, dass es eine Häufung von schweren und verzögerten Lungenentzündungen aufgrund von viralen und bakteriellen Infekten gebe. Positiv auf die echte Grippe Influenza B getestet worden sei in den vergangenen Wochen aber nur eine einzige Patientin. Man teste stets auf Influenza A und B.

Auch die anderen Patienten können aber zu Beatmungsfällen werden. Fünf solcher an schwerer Lungenentzündung erkrankten Patienten, die Beatmungsgeräte brauchen, habe man aktuell, sagte Szymanski am Donnerstag. Und am Tag vorher sei man auf den Betten mit Beatmungsgeräten voll belegt gewesen.

Meldung an die Leitstelle des Rettungsdienstes

Und dann? Beide Krankenhäuser sind in der Pflicht, das an die Leitstelle des Rettungsdienstes zu melden. Der ist dann angehalten, neue Patienten möglichst in ein anderes Krankenhaus zu bringen. Kliniken in Dortmund, in Herne oder Bochum kommen in erster Linie dafür in Frage. „Und wenn alles nicht mehr geht“, so EvK-Chefarzt Jürgen Jahn, „holen wir ein Beatmungsgerät aus dem Operationstrakt.“ Das sei ein Extremszenario und noch nicht vorgekommen – aber möglich. Und wenn dann ein anderer Notfall kommt? Jahn sagt: „Wenn ein Kränkerer kommt, muss ich schauen, ob ich einen Gesünderen verlegen kann. Ansonsten nehmen wir Kontakt zu anderen Intensivstationen in der Nähe auf und verlegen den stärksten Patienten.“ Aber oberstes Gebot sei: Es werden alle versorgt.

Egal ob echte Grippe, grippaler Infekt oder eine richtige Lungenentzündung: Die Notwendigkeit der Beatmung kann immer bestehen. Bis zu anderthalb Wochen, so Jahn, könnten Patienten brauchen, bis sie wieder ohne die Maschine auskommen könnten. Es gibt aber auch Menschen, die trotz hohen Fiebers und sehr festen Schleims nach zwei Tagen in die Abteilung für Innere Medizin verlegt werden können.

80 Prozent der Infektionen der Atemwege „problemlos“

EvK-Chefarzt Jürgen Jahn sagt: „80 Prozent der Infektionen der Atemwege, die wir im Winter bekommen, sind problemlos und symptomarm.“ Halsschmerzen, Husten, Schnupfen - und nach ein paar Tagen ist alles wieder gut. 20 Prozent seien die harten Fälle mit hohem Fieber, aus denen sich auch Lungenentzündungen entwickelten. Die behandele man dann mit Antibiotika. 

Eine Grippe-Impfung ergebe für die Menschen Sinn, die über 60 Jahre alt sind und / oder über ein schwaches Immunsystem verfügen. Das geschieht allerdings in Absprache mit dem Hausarzt. 

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