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Politesse hat jede Ausrede schon einmal gehört

CASTROP-RAUXEL Ein Druck auf den grünen Knopf, schon kommt das Freiparkticket aus dem Automaten. Ein bisschen Kleingeld rein, um auch den Münzeinwurf zu überprüfen. Alles in Ordnung: der Parkscheinautomat funktioniert. Wessen Fahrzeug nun an der Lutherkirche ohne Ticket parkt, hat keine Ausrede mehr. Politesse Brigitte Koszenowski beginnt ihre Kontrolle.

von Von Daniel Sczekalla

, 05.10.2008

 "Was ist das denn? Alle lieb, meine Bürger", lacht die Frau vom Ordnungsamt, nachdem sie auf dem ersten Parkplatz nicht einen Parksünder vorfand. Meist genügt ein kurzer Blick durch die Windschutzscheibe, um den ausliegenden Parkschein zu finden.

Rundum-Kontrolle Ist dort keiner, geht sie einmal um das gesamte Fahrzeug. "Manchmal liegt das Ticket auch im Fußraum oder auf der Hutablage", erklärt sie. In dem gerade kontrollierten roten Golf allerdings nicht. Noch einmal blickt sie zum Parkschein-Automaten. Vielleicht zieht sich der Fahrzeughalter ja gerade das Ticket? Fehlanzeige. Die Verwarnung macht fünf Euro - ein Parkschein für eine halbe Stunde hätte den Fahrer nur 20 Cent gekostet.

Brigitte Koszenowski geht weiter ihre Runde. Sie kontrolliert die in und um das Zentrum liegenden Parkplätze. Die Route wählt sie spontan.

Einsichtige "Sünder" Heute ist ein guter Tag. Kein Regen und sogar Sonnenstrahlen. Gegen den kalten Wind schütz die dicke Weste mit der Aufschrift "Ordnungsamt". Manch einer eilt bei ihrem Anblick noch einmal schnell zum Automaten.

Probleme mit den Parksündern hat sie eigentlich selten. Viele Bürger grüßen die Frau im Vorbeigehen. "In acht Jahren Arbeit hatte ich nur drei Mal eine Auseinandersetzung, die bis zur Anzeige gingen", erklärt die 47-Jährige. Alles will auch sie sich nicht gefallen lassen. "Die Leute beleidigen nicht mich, sondern die Uniform", sagt sie. Überwiegend seien die Ertappten aber nett und sähen ihren Fehler meist ein.

Der Parkplatz in der Alt-stadt ist belegt - Markttag. Hinzu kommt der bevorstehende Feiertag. Viele Menschen sind in der Stadt, einige davon gestresst. Brigitte Koszenowski hat für sie Verständnis. Ihren Job muss sie trotzdem machen. Wieder einer ohne Ticket. Sie seufzt und zückt das Handerfassungsgerät. Kennzeichen, Fabrikat und Farbe, Uhrzeit und Tatort - alles wird ordnungsgemäß eingegeben. Hinten auf dem Gerät hat die Politesse ein kleines Foto ihrer Tochter geklebt. "Mein Glücksbringer sozusagen", erklärt sie lächelnd. An schlechten Tagen muntert sie ein Blick auf das Foto wieder auf.

Wiederholungstäter

Gerade hat das Gerät das Knöllchen ausgedruckt, da erscheint die Halterin des Fahrzeugs. "Soll ich es gleich bei Ihnen bezahlen?", fragt sie lachend. Warum sie kein Ticket hatte, fragt die Angestellte der Stadt. "Ich war einfach zu faul", entgegnet die Parksünderin gelassen. Brigitte Koszenowski schüttelt den Kopf und erwidert nichts. An manches Fahrzeug heftet sie fast jeden Tag ein Knöllchen.  

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