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Heuwagen: Traditions-Gaststätte droht das Aus

CASTROP Gehen am Samstag, 18. Oktober, für eine Traditionsgaststätte in Castrop die Lichter aus? Noch ist unklar, was mit dem Heuwagen an der Oberen Münsterstraße passiert. Unterpächterin Elke Lamin wird an besagtem Tag auf jeden Fall die Fässer leeren.

von Von Christoph Witte

, 07.10.2008
Heuwagen: Traditions-Gaststätte droht das Aus

Seit 1897 ist die Kneipe ein beliebter Treffpunkt am Altstadteingang. Ende des Jahres läuft der seit 1982 bestehende Pachtvertrag mit der Radeberger-Gruppe aus. Bricht das auch gleichzeitig dem Heuwagen die Achse? Hauseigentümer Günter Schleich, der zwei Häuser weiter einen T-Shirt-Laden betreibt, kann sich gut vorstellen, die Räumlichkeiten auch weiterhin als Gastwirtschaft zu nutzen.

„Aber nur, wenn der neue Pächter seriös ist.“ So seriös, wie es in seinen Augen Elke Lamin war. Sie hat den Heuwagen im Februar 2007 übernommen. Der Ruf der Kneipe war damals schlecht, sie war als Neonazi-Bude verschrieen. „Wir hatten Pächter, die haben sich nicht um das Publikum gekümmert“, blickt Schleich zurück. „Aber seitdem ging es bergauf.“ Findet auch Elke Lamin: „Ich habe viel investiert, neue Leute hier reingeholt. Das ist eine super Gaststätte geworden.“ Trotzdem übergibt sie schon am 24. Oktober die Schlüssel. Zwischen der Unterpächterin und dem Hauptpächter Radeberger ist eine Fehde entbrannt, die wohl vor Gericht enden wird.

Elke Lamin hat Radeberger verklagt, möchte Geld zurück. „Die Brauerei zerstört alles, was ich mir aufgebaut habe“, sagt sie. Für sie sei zwar klar gewesen, dass sie 2009 wieder in ihren alten Beruf als Kosmetikerin wechseln wird, deswegen bemühte sie sich um solvente Nachmieter. „Doch von Radebergers hieß es, es solle hier keine Gaststätte mehr geben.“ Zwei Interessenten sprangen daraufhin ab. „Offenbar ein Missverständnis“, klärt Günter Schleich auf. Nur weil der Pachtvertrag mit Radeberger ausläuft, bedeute das für den Eigentümer nicht, das Ende einer Wirtschaft. „Wenn würde sie aber brauereifrei laufen“, sagt Schleich. So wie ab 2009 auch die Kulisse, für die dasselbe gilt. Mit dem Unterschied: Dort gab es bereits Einigung mit den Wirten.

Ist eine Kneipe brauereifrei, können die Wirte selber z.B. über Öffnungszeiten oder den Einkauf der Getränke bestimmen, müssen allerdings auch für die Instandhaltung aufkommen. Etwas, was Elke Lamin nach eigenem Bekunden sowieso schon gemacht hat. „Die Brauerei hat hier jahrelang nichts getan.“ Günter Schleich kann mit Auslaufen des Brauereivertrages nun zwar günstiger vermieten, hatte allerdings bis dato immer die Gewissheit, dass Radeberger pünktlich überweist. Er wird nun weiter nach niveauvollen Mietern suchen. Zur Not auch branchenfremd. „Was schade wäre, dann müsste man hier viel umbauen.“

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