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Deutsch als Gemeinsamkeit

Ickern Die Frau aus Afghanistan winkt ab. «Kann nicht», flüstert sie leise.

28.06.2007

Die Umstehenden reden energisch auf sie ein. «Doch, du schaffst das», sagt Nesibe Kütüklü aus der Türkei und hilft beim Buchstabieren. Zaghaft beginnt die Frau aus Afghanistan zu reden. «K», sagt sie. Pause. Mit der Hand malt sie ein A in die Luft. Nesibe wiederholt den Buchstaben laut. «A», sagt jetzt auch die Afghanin. K-A-K-A-R, das sei ihr Name.

Kumari Kakar kommt aus Kabul, lebt seit 18 Jahren in Deutschland. Doch mit der Sprache tut sie sich noch immer schwer. Hilfe bekommt sie seit Anfang April im Agora-Kulturzentrum in Ickern. 20 Teilnehmer aus 13 Herkunftsländern lernen hier unter der Leitung von Ottilie Stiehm (Foto 1) die deutsche Sprache. Jeden Vormittag redet sie mit ihnen über die Heimat, über ihre Kultur, über Deutschland - auf Deutsch, versteht sich. «Ich kann kein Arabisch oder Türkisch», sagt Ottilie Stiehm. «Deutsch ist unsere Gemeinsamkeit.» Viele Teilnehmer könnten zwar ganz gut lesen, aber das Sprechen bereite häufig Schwierigkeiten, weiß die Lehrerin. Gezielt werden darum Alltagsbegriffe gelernt.

Nachmittags sollen diese Worte dann benutzt werden.

In den Kreativ-Werkstätten der Agora werkelt Dimitrij Derxen (Foto r.) mit den Teilnehmern derzeit an Birken-Puppen. «Das Holz hat uns Kyrill quasi umsonst zur Verfügung gestellt», scherzt der Praxisanleiter. Und während Kumari Kakar, Fares Ahmad aus dem Irak und Iwona Bilik aus Polen an ihren Birkenästen arbeiten, sprechen sie Deutsch miteinander. Es sind gebrochene Satzfetzen und dennoch merke er, wie seine Deutschkenntnisse deutlich besser geworden seien, sagt Fares Ahmad.

Integration

«Es geht nicht allein um die Sprache», erklärt Dimitrij Derxen das Projekt. Die Teilnehmer sollen sich in neuen handwerklichen Techniken ausprobieren, damit es irgendwann auch wieder mit einem Arbeitsplatz klappt. So das Konzept.

«Nicht zu vergessen ist der integrative Faktor», ergänzt Ottilie Stiehm. Während der Arbeit in der Werkstatt gehe es auch um die Heimatkultur der Teilnehmer, die sie untereinander weitergeben und mit Ausstellungen und vielleicht dem ein oder anderen Theaterstück den einheimischen Castrop-Rauxelern zugänglich machen wollen. b-r

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