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«Der Kiosk ist mein Leben»

RAUXEL «Nach Kurp anne Bude» - das ist seit mehr als 50 Jahren in Rauxel eine feste Adresse. Auch wenn am Kiosk am Waldstadion seit fast 20 Jahren schon «Trinkhalle Dünkel» steht.

22.06.2007

Anneli Dünkel ist eine Institution im Ort. Der Kiosk ist ihr Leben. Hier kann man sie antreffen. Seit mehr als 50 Jahren, Tag für Tag. Urlaub kennt sie nicht und frei macht sie nur am Montagnachmittag - zum Einkaufen. Natürlich für den Kiosk.

Ihre Mutter - Lina Kurp - hatte das kleine Gebäude vor rund 52 Jahren am Eingang zum Sportplatz des VfR-Rauxel bauen lassen. Neben dem «Verein für Rasensport», der 2008 sein Hundertjähriges feiert, gab es die Zeche Victor 1/2 und die Ostereier-Kolonie. So genannt wegen des farbigen Hausanstrichs durch die Firma Rütgers. Das war die Nachbarschaft, das waren die Kunden.

Schon als Zehnjährige hat Anneli Dünkel ihrer Mutter geholfen. Nach der Schulzeit war sie ganz dabei. «Nur wir beide», erinnert sie sich mit Stolz und etwas Wehmut. Selbst mit 82 Jahren war die Mutter noch aktiv. Seit ihrem Tod vor knapp 20 Jahren «schmeißt» Anneli Dünkel den Laden allein.

Heute ist sie 61, was ihr kaum jemand glauben will. Nur die, die schon seit Jahrzehnten regelmäßig an die Bude kommen, wissen es genau. Schließlich gratulieren sie ihr immer zum Geburtstag.

Denn das macht den Kiosk so einmalig. Das Gespräch. Das Persönliche. Anneli Dünkel weiß schon im Voraus, was die Kunden kaufen werden. Kennt die Zeitungen, die die Kunden lesen. Mehr noch, etliche Exemplare werden extra für die Kunden bestellt und auf Wunsch auch verwahrt, bis sie abgeholt werden.

Äußerlich scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, wirkt der Kiosk wie ein Relikt aus alten Zeiten. So ist die schwere eiserne Handkurbel, mit der die Inhaberin tagtäglich die eiserne Klappe vorm Schalter hoch- und wieder herunterdreht, schon fast museumsreif.

Auch die Einrichtung, maßgeschneiderte Regale für Zigarettenpäckchen, Ablagen für Süßigkeiten und mehr, sind unverändert. Ebenso der Wohnraum nebenan. Teppiche, Schrankwand und Sessel - alles schön nostalgisch. Nur der Fernseher ist jüngeren Datums und Unterhaltung für ruhigere Zeiten. Die genießt dann auch Herkules, der Yorkshire-Terrier, der seinem Frauchen Gesellschaft leistet. Doch über mangelnde Unterhaltung kann Anneli Dünkel nicht klagen. Sie ist Anlaufstelle für viele, auch als Treffpunkt für Rentner aus der Nachbarschaft ist die Adresse beliebt.

Trotzdem spürt die fröhliche Frau, die ihren Kiosk so lange betreiben will, bis entweder der Sportplatz dicht macht oder ihr eine Erkrankung einen Strich durch die Rechnung macht, dass die Konkurrenz immer stärker wird. Gab es früher sogar Strümpfe und Schulhefte hier zu kaufen, ist das Sortiment heute auf das klassische Angebot beschränkt. Tabakwaren und Süßes, Zeitungen und Zeitschriften, Limo, Bier und Schnaps. Eine echte Ruhrgebiets-Bude eben, die hoffentlich noch lange so bleibt wie sie ist. Reg

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