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Bedrohte Spezies

Castrop-Rauxel Eines möchte Michael Greef betonen: Es geht ihm nicht ums Geld.

18.06.2007

«Wann immer wir Hausärzte die politischen Bedingungen im Gesundheitswesen bemängeln, heißt es: die wollen doch nur mehr verdienen», bedauert der Castrop-Rauxeler Allgemeinmediziner. Doch vielmehr die Zukunft seines Berufsstandes ist es, die den 56-Jährigen beschäftigt. Denn: der Hausarzt im klassischen Sinne stirbt aus - auch in Castrop-Rauxel.

Alarmierende Zahlen

Die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) sprechen eine deutliche Sprache. Im Kreis Recklinghausen sind (Stand 1. Juli 2006) lediglich 6 Prozent aller Hausärzte jünger als 40 Jahre. 38,3 Prozent sind zwischen 40 und 50 Jahre, 40,4 Prozent zwischen 50 und 60. Bei den über 60-jährigen Hausärzten beträgt der Anteil 15,3 Prozent. «Das bedeutet, mehr als die Hälfte aller Hausärzte im Kreis sind zwischen 50 und 65 Jahre alt und hören in den nächsten ein bis 15 Jahren auf - und es mangelt an Nachwuchs.»

Entbürokratisierung

Als Grund für diese Entwicklung sieht Greef, der selbst seit 19 Jahren seine Hausarztpraxis in Ickern betreibt, die Politik der Bundesregierung. «Ich bezeichne mich selbst schon scherzhaft als Facharzt für Verwaltungsmedizin», schmunzelt der 56-Jährige, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Ärztevereins ist. Eine Entbürokratisierung und die Aufhebung von Budgets sieht er als einzigen Weg, die Entwicklung noch zu stoppen. «Die Honorierung der Ärzte sollte zeitbezogen nach dem tatsächlichen Einsatz erfolgen und nicht durch pauschale Quartalssätze.» Eben diese Bedingungen seien auch der Grund dafür, dass viele junge Kollegen lieber nach England, Norwegen oder Schweden gehen, wo feste Arbeitszeiten, eine bessere Bezahlung und weniger Bürokratie locken. «Die Gesamtbedingungen für Hausärzte in der Bundesrepublik sind einfach unattraktiv.»

Große Hoffnungen auf eine politische Kehrtwende macht sich Michael Greef jedoch nicht. «Die Regierung will weg vom Hausarztmodell und hin zu Polikliniken und medizinischen Zentren.» Pläne, die der Mediziner skeptisch sieht. «Der klassische Hausarzt ist doch viel näher am Patienten, kennt familiäre Krankengeschichten und die persönliche Situation. Der Hausarzt hat auf jeden Fall eine Daseinsberechtigung», findet Greef.

Gleichzeitig sieht er jedoch langsam aber sicher die Basis für dieses Modell zusehends schwinden: «Die Menschen in Castrop-Rauxel werden in einigen Jahre in die Gesundheitszentren nach Herne oder Bochum pendeln müssen. Allenfalls für die medizinische Fußvolkversorgung wird hier vor Ort noch gesorgt sein», prognostiziert Michael Greef. Kirsten Hüls

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