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"Arm der Polizei"

CASTROP-RAUXEL Schulen und Polizei müssen gegenseitig kriminelle Jugendliche melden. Dieser neue Erlass des NRW-Innenministeriums hat die hiesigen Schulleiter überrascht. Einige reagieren skeptisch.

von Von Benedikt Reichel und Peter Wulle

, 08.10.2007

Ab sofort sollen die Schulleitungen Straftaten von Schülern anzeigen. Im Gegenzug informiert die Polizei die Schulen über kriminelles Verhalten ihrer Schüler außerhalb der Schule (RN berichteten). "Wir reden hier nicht über Kleckertaten oder kleine Raufereien zwischen Schüler", erklärt Ministeriumssprecher Wolfgang Beus und verweist auf den vorliegenden Straftatenkatalog. Drogenhandel, gefährliche Körperverletzung, Raub- und Sexualdelikte werden in dem Erlass vom 31. August explizit als anzeigepflichtig benannt. "Wir zielen damit eindeutig auf den Opferschutz ab", betont Wolfgang Beus.

Offene Ohren

Mit diesem Ziel stößt er bei den Schulleitern in Castrop-Rauxel auch auf offene Ohren, nur von der Methode sind längst nicht alle überzeugt. "Mit einer Anzeigepflicht werden wir für die Schüler zum verlängerten Arm der Polizei", glaubt Peter Brauckmann, Rektor der Franz-Hillebrand-Hauptschule und setzt auf die pädagogische Einschätzung der Schule, wann eine Anzeige nötig ist. "Ich habe bisher noch keinen einzigen Schüler anzeigen müssen", betont der Schulleiter. Zudem habe er auch jetzt schon intensiven Kontakt zur Polizei und könne sich jederzeit vertrauensvoll an einen Kontaktbeamten wenden.

Die Schulleiter selbst seien außerdem noch gar nicht über den Erlass benachrichtigt worden, hieß es generell auf RN-Anfrage. Zwar standen Mitteilungen in den Amtsblättern des Ministeriums, doch diese scheinen bisher nicht überall angekommen, oder gar gelesen worden zu sein.

Während Gudrun Höhle, Leiterin der Willy-Brandt-Gesamtschule, das Thema noch mit dem Kollegium beraten will, wagt ihr Kollege Dr. Ronald Jankovics vom Ernst-Barlach-Gymnasium eine vorsichtige Einschätzung: "Eine Info der Polizei könnte hilfreich sein. Wenn wir Probleme mit einem Schüler haben, die den Bildungsauftrag gefährden, und wir von einem Strafverfahren erfahren, könnte man mit dem Schüler konsequenter umgehen."

Bisher noch keinen Fall

Die Anzeigepflicht für die Schulen bereitet auch ihm Bauchschmerzen. Grundsätzlich sei nicht die Strafverfolgung, sondern die pädagogische Arbeit Aufgabe der Schule. "Bisher", so Dr. Jankovics, "hätte ich aber auch noch keinen Schüler wegen eines kriminellen Vorgehens melden müssen." 

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