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Angeklagter führte jahrelang ein Doppelleben

Bewährungsstrafe am Amtsgericht

Der 39-jährige Angeklagte führte ein Doppelleben. Weil die Lebensgefährtin von der Zweitfreundin nichts wissen durfte, schlug er zu. Aufgeflogen ist sein perfides Spiel trotzdem.

Castrop-Rauxel

, 06.04.2018
Angeklagter führte jahrelang ein Doppelleben

Das Amtsgericht in Castrop-Rauxel. © Foto: Tobias Weckenbrock

Das gemeinsame Kind, gerade mal drei Monate alt im Körbchen am linken Arm, wurde die 34-Jährige vom Vater des Babys brutal ins Gesicht geschlagen. Nasenbeinbruch war die Folge.

Wegen dieser vorsätzlichen Körperverletzung stand der 39-jährige arbeitslose Mann nun vor dem Strafrichter. Die Verhandlung am Freitag legte offen, dass er der Frau nicht nur körperliche, sondern auch tiefe psychische Schmerzen zugefügt hat. Der Mann führte ein Doppelleben. Lebte mit einer anderen Frau zusammen, hatte mit dieser ebenfalls ein gemeinsames Kind. Und diese andere sollte von der 34-Jährigen nichts erfahren.

Angeklagter wurde panisch

Im Juli vergangenen Jahres hatte der Angeklagte die Vaterschaft sogar noch abgestritten, bekannte sich erst Monate später zu seinem Kind. Die Freundin, mit der er zusammenlebte, ahnte nichts von der Existenz der anderen, und das sollte auch so bleiben. Weil er an jenem Tag, als die andere Freundin, mit der er sogar einmal verlobt gewesen war, auftauchte, um ihn zur Rede zu stellen, wurde er wohl panisch. Hatte Angst, die andere könne heimkehren und hinter sein Geheimnis kommen.

Die 34-Jährige wusste von dieser Frau, war aber in dem Glauben gelassen worden, dass es aus sei, dass der Verlobte die Wohnung, an der sie ihn aufsuchte, für sich allein hatte. Sie hatte ihm sogar bei der Renovierung geholfen, nicht ahnend, dass er dort mit der anderen und dem gemeinsamen Kind einziehen würde. „Er hat gesagt, ich solle mich verpissen“, sagte die junge Mutter vor Gericht aus. Da habe sie ihm von hinten an den Kopf geschlagen. Der Mann drehte sich um und schlug zu. Später im Krankenhaus wurde das gebrochene Nasenbein operiert. Ein leichter Schiefstand ist die bleibende Erinnerung an das furchtbare Erlebnis.

Am Freitag war die junge Frau, die nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in einem Frauenhaus nun in einer anderen Stadt lebt, mit dem Kind und ihrer Anwältin erschienen. Sie trat als Zeugin und Nebenklägerin auf. Und forderte, neben der Verurteilung für die Tat, 2500 Euro Schmerzensgeld.

Geldstrafe reicht dem Richter nicht

„Er bedauert sich selbst mehr als die Tat an sich“, fasste die Verteidigung ihren Eindruck zusammen. Die vom Staatsanwalt geforderte Geldstrafe reichte dem Richter nicht. Er verhängte eine neunmonatige Bewährungsstrafe, mit der Auflage, 600 Euro in Raten an die Zeugin zu zahlen. Das wird mit der Forderung der Zivilklage von 2500 Euro verrechnet.