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Konzert beim Lieblingsplatte-Festival

Blumfeld-Reunion in Düsseldorf erfüllt Fanwünsche

Düsseldorf Das Konzert von Blumfeld im ausverkauften Zakk in Düsseldorf geriet zum Klassentreffen - zum Klassentreffen der Hamburger Schule, Jahrgang 1992. Damals hatte die Band um den charismatischen Sänger und Songschreiber Jochen Distelmeyer ihr wegweisendes Album „Ich-Maschine“ veröffentlicht. Mit ihrem Konzert in Düsseldorf haben die Musiker ihren Fans etwas ganz Besonderes geboten.

Blumfeld-Reunion in Düsseldorf erfüllt Fanwünsche

Blumfeld begeisterten ihre Fans mit ihrem Album „Ich-Maschine“ im ausverkauften Zakk in Düsseldorf. Foto: Max Florian Kühlem

Nachdem sie vor drei Jahren schon zum 20-jährigen Jubiläum des Nachfolgers „L’Etat Et Moi“ auf Tour waren, haben Blumfeld sich von den Veranstaltern des Zakk tatsächlich überreden lassen, in der Original-Besetzung von damals ihr Debütalbum in voller Länge und in der Original-Songreihenfolge noch einmal aufzuführen. Das ist das Konzept der zweiten Auflage des Lieblingsplatte-Festivals: Wichtige deutsche Bands spielen ihre legendären Alben.

Anders als einen Tag zuvor die Band Flowerpornoes um Songwriter Tom Liwa, die mit einer merkwürdig distanzierten, rotzigen Haltung ihre Platte „Red nicht von Straßen“ aufführte, verzichteten Blumfeld komplett auf ironische oder relativierende Gesten. Sie spielten ihr Material von vor 25 Jahren mit Würde und Verve.


Geschmeidig statt schnoddrig

Sie ließen den rohen Sound, mit dem sie sich damals an der Dringlichkeit von Bands wie Sonic Youth orientiert hatten, auferstehen, verleugneten aber nicht den Weg, den sie bis heute gegangen sind: Jochen Distelmeyer ist heute ein wesentlich besserer Sänger und klingt nicht mehr in erster Linie schnoddrig, sondern geschmeidig, absolut intonationssicher und erstaunlich präsent.

Eine Textzeile kann exemplarisch für das Anliegen der frühen Blumfeld stehen: „Ich hab nichts gegen Menschen als solche / Meine besten Freunde sind welche“ aus „Penismonolog“, das die Band irgendwann sanft in The Beatles‘ „Blackbird“ hinübergleiten ließ. Es ist das Leiden an der Welt und den Menschen, dem sie eine Form geben, dem Leiden an der konkreten spätkapitalistischen Gesellschaft, dem Ringen um Identität, einen Standpunkt, dem ständigen Reflektieren und Probieren, es doch irgendwie besser zu machen - und dem daran Scheitern. Und es funktioniert tatsächlich damals wie heute, wenn Distelmeyer in „Zeittotschläger“ fleht: „Dummheit lass mich los.“

Fans träumen und hoffen

Nach der rund 40-minütigen Aufführung des Albums „Ich-Maschine“ spielten sich Blumfeld noch einmal rund 45 Minuten durch ihr Oeuvre der späteren Jahre. 2007 hatte sich die Band aufgelöst - und die Fans begannen im Freudentaumel natürlich wieder zu hoffen: Vielleicht schreiben sie ja doch noch neue Songs.

Falls es eine neue Auflage des Festivals Lieblingsplatte im Zakk geben sollte, hatte Tom Liwa einen Tag vor dem Blumfeld-Auftritt übrigens eine Anregung an die Veranstalter: „Ladet doch auch mal Frauenbands ein!“ Als Inspiration verlas er gleich eine lange Liste mit Namen wie „Die Braut haut ins Auge“, „Östro 430“ oder „Lassie Singers“.

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