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„Betörend glamourös“ - Nachlass von Leni Riefenstahl

Berlin. Leni Riefenstahl wurde mit Propagandafilmen für die Nazis so berühmt wie berüchtigt. Jetzt soll ihr Nachlass in Berlin aufgearbeitet werden.

Eine Fundgrube für die Filmgeschichte: Das Haus von Leni Riefenstahl am Starnberger See war von oben bis unten vollgestopft mit Erinnerungsstücken - Filmrollen, Fotos, Briefen, Manuskripten, Akten und Dokumenten.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat den Nachlass kürzlich geschenkt bekommen. Am Donnerstag gab sie erstmals Einblick in die rund 700 Kisten, die aus den idyllischen bayerischen Bergen in die Berliner Depots abtransportiert wurden.

Mit weißen, weichen Handschuhen nimmt Ludger Derenthal vorsichtig eine grün geblümte Schachtel aus dem Karton und blättert behutsam durch die Fotos. „Frau Riefenstahl hat offenbar alles gesammelt, was es zu ihrem Leben gibt“, sagt der Leiter des zur Stiftung gehörenden Museums für Fotografie. „Unser Ziel ist, das gesamte Material zu erschließen und für die Forschung zugänglich zu machen.“

Welche Herausforderung das angesichts von Riefenstahls einstiger Nähe zu den Nazis ist, hatte Stiftungspräsident Hermann Parzinger schon im Februar erklärt. „Die Stiftung hat mit dem Nachlass nicht nur ein bahnbrechendes ästhetisches Werk übernommen, sondern auch eine besondere Verantwortung für die kritische Auseinandersetzung mit dieser streitbaren Person der Zeitgeschichte.“

Was genau die Kisten bergen, ist bisher erst in Ansätzen zu ahnen. „Das ist wie in einem Restaurant, wo man vom Koch einen Gruß aus der Küche bekommt, aber der Koch selber noch nicht weiß, was er als Menü servieren wird“, sagt Derenthal. Die Archivbestände reichen bis in die 1920er Jahre zurück und scheinen vor allem für die Nachkriegszeit überaus komplett zu sein, so die Stiftung.

Ob es auch weitere Einblicke in Riefenstahls Verhältnis zu den einstigen Nazi-Größen gibt, ist offen. Die Regisseurin und Fotografin war durch Propagandafilme für das NS-Regime international berühmt geworden, hatte sich selbst aber stets unpolitisch gegeben. „So wie wir sie kennen: Wenn sie einen Brief von Hitler hatte, dann hat sie den nicht weggeworfen“, sagt Derenthal.

Besonders gut dokumentiert ist etwa die Entstehung von Riefenstahls legendärem „Olympia“-Film, dessen Premiere in diesen Tagen 80 Jahre her ist. So gibt es die Schublade „309“ aus einem riesigen Archivschrank mit der Aufschrift: „Olympia. Super Originalfotos, bitte nicht anfassen!“

Von den vielen an dem Projekt beteiligten Kameraleuten und Fotografen finden sich detaillierte Kontaktabzüge mit Namen und Notizen, dazu ein Exposé von Willy Zielke zu einem Prolog, Programmhefte, Freigabebescheinigungen und natürlich Filmrollen in verschiedensten technischen Standards. „Damit wird man die Entstehung des „Olympia“-Films sehr viel genauer untersuchen können“, so der Museumschef.

Riefenstahl war 2003 kurz nach ihrem 101. Geburtstag in ihrem Haus im oberbayerischen Pöcking gestorben. Ihr 40 Jahre jüngerer Ehe- und Kameramann Horst Kettner hatte ihre Mammutsammlung zunächst bewahrt. Nach dessen Tod 2016 ging sie an die Alleinerbin und langjährige Sekretärin Gisela Jahn, die sie schließlich der Stiftung schenkte. Riefenstahl habe sich gewünscht, den Nachlass in der für sie so wichtigen Stadt Berlin zu sehen, sagte sie.

Die Erschließung des Materials soll in einem interdisziplinären Forschungsprojekt laufen und wird nach Einschätzung der Experten Jahre dauern. Geldgeber sind noch gesucht. „Riefenstahl ist eine große Figur der Film- und Fotogeschichte. Jeder Cent, den wir in die Aufarbeitung stecken, wird sich lohnen“, sagt der Künstlerische Direktor der mitbeteiligten Deutschen Kinemathek, Rainer Rother.

Mit ihrem Nachlass kommt Riefenstahl jetzt auch posthum mit ihrem späten Freund, dem Fotografen Helmut Newton, zusammen. Dessen Stiftung ist ebenfalls im Berliner Museum für Fotografie beheimatet. In ihren beiden weißen Ordnern „Besondere Briefe“ findet sich nicht nur Korrespondenz mit Siegfried und Roy, Edmund Stoiber und Sharon Stone, sondern auch eine Karte von Helmut Newton aus dem Jahr 2000: „Du siehst betörend glamourös aus.“

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