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Henrik Rödl im Interview

Basketball-Bundestrainer: Müssen uns nicht verstecken

Dortmund Der neue Bundestrainer Henrik Rödl startete mit vier Siegen in vier Spielen in seinen Job. Der 49-Jährige spricht über seine jungen Riesen und den besonderen Wert von Dennis Schröder.

Basketball-Bundestrainer: Müssen uns nicht verstecken

Henrik Rödl startete mit vier Siegen in den Job als Basketball-Bundestrainer. Foto: dpa

Vier Spiele in der WM-Qualifikation, vier Siege - das ist Ihre Startbilanz als Cheftrainer. Könnte nicht besser laufen, oder?
Ich fange ja grade erst an (lacht). Aber ich bin schon im dritten Jahr beim DBB tätig, kenne also die Jungs schon länger und arbeite auch schon länger mit ihnen. Ich glaube, dass die Aufgabe einfach zu mir passt. Wir haben jetzt einen guten Anfang hingelegt und wollen das natürlich weiterführen.

Sie waren beim Nationalteam zwei Jahre Assistent von Chris Fleming, was haben Sie von ihm mitgenommen?
Von Chris und seiner Leidenschaft für Basketball konnte ich jede Menge lernen, er hat eine besondere Atmosphäre in der Mannschaft und im Trainer- und Betreuerteam geschaffen. Wir haben seit der EM in Berlin 2015 zusammengearbeitet und dort angefangen, eine Mannschaft aufzubauen, die bei der EM in Israel und der Türkei einen weiteren Schritt gemacht hat. Wir waren das jüngste Team des Turniers! Meine Aufgabe ist es jetzt, diese Mannschaft weiterzubauen und hoffentlich aufs nächste Level zu bringen.

Wie soll der Basketball „Marke Rödl“ aussehen, was ist Ihre Spielidee?
Ich bin ja nicht mehr ganz neu in der Szene, und glaube, man konnte in den letzten Spielen ganz gut erkennen, was ich will: Wichtig ist, dass meine Spieler mitziehen, dass sie alles aus sich rausholen. Dass guter Mannschaftsgeist, Harmonie und absoluter Siegeswille zu sehen sind. In den letzten beiden Länderspiel-Fenstern war diese Atmosphäre schon gut zu erkennen.

Sie sprechen die sogenannten Fenster an. Vor der WM-Quali gab es Ärger um die Einführung mitten in der Saison ...
In meinen Augen sind die Fenster eine Superidee, die auch andere große Sportarten praktizieren. Sportlich ist es super für die Nationalmannschaft, sich auch während der Saison zu treffen und an sich zu arbeiten. Auch die Zuschauer finden das offenbar gut, wie wir zuletzt an der ausverkauften Halle in Frankfurt gesehen haben.

Allerdings fehlen in diesen Fenstern die Stars aus der nordamerikanischen Profiliga NBA und Spieler, die in der Euroleague für ihre Vereine antreten müssen. Träumen Sie von dem Augenblick, irgendwann ihre beste Auswahl beisammen zu haben?
Ich bin erst einmal absolut stolz auf die Leistung der Jungs, die in den ersten beiden Fenstern mitgespielt haben, auf ihre Einsatzfreude, ihren Willen. Das hat unfassbar gut geklappt und gibt Hoffnung für die nächsten Aufgaben. Es ist eine sehr junge Mannschaft. Zum Glück ist der Pool an Spielern mit großem Talent in Deutschland sehr groß, und es macht Spaß sich vorzustellen, wie das in Zukunft aussehen wird.

Also dürfen sich die Fans auf eine starke Generation freuen. Welche Rolle spielt bei der Nachwuchs-Entwicklung die 6+6-Regelung, nach der sechs Deutsche plus sechs Ausländer im Zwölferkader der Bundesligisten stehen müssen?
Das war sicher ein sehr wichtiger Schritt, außerdem wurden die Standards in der Jugendarbeit in den letzten Jahren erhöht, jeder Bundesligist muss ein JBBL- und ein NBBL-Team mit professionellen Trainern und hohen Standards haben. Es gibt viele Standorte, wo gut gearbeitet wird, tolle Talente bis in die untersten Altersklassen. Das System beginnt jetzt, Früchte zu tragen. Es ist eine gute Zeit, Bundestrainer zu sein. Wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken.

Wie wichtig ist für die Weiterentwicklung der neuen Generation die Qualifikation für die WM 2019?
Internationale Spiele auf dem Niveau bringen jeden Spieler weiter. Deshalb ist es jetzt extrem wichtig, in der Quali weiter erfolgreich zu sein, da die Ergebnisse mitgenommen werden. Zwei Siege gegen Österreich (am 29. Juni in Braunschweig/die Red.) und in Serbien (2.7.) wären hilfreich auf dem Weg zur WM. Unsere Ausgangslage ist jetzt schon gut, und im Sommerfenster kommen noch weitere Spieler hinzu.

Was ist möglich, wenn Sie alle Spieler, auch die fünf Deutschen aus der NBA, zur Verfügung haben?
Wir haben sehr viel Potenzial, wenn alle gesund sind und alle auch spielen können. Diese Generation hat die große Chance, in den nächsten Jahren international oben mitzuspielen. Das Tolle an dieser Mannschaft ist, dass alle diesen Teamgeist pflegen, sich bestmöglich einzubringen.

Ihr Spielmacher Dennis Schröder ist in der NBA bei den Atlanta Hawks zum Starter gereift. Wie sehen Sie seine Entwicklung?
Er ist in meinen Augen im Moment einer der besten Spieler der Welt auf seiner Position, spielt eine starke Saison. Ich habe großen Respekt davor, wie er sich in der besten Basketball-Liga der Welt in diese Position hineingekämpft hat. Dennis bedeutet für die Nationalmannschaft sehr, sehr viel.

Sie schwärmen heute noch von ihrer Olympia-Teilnahme 1992 in Barcelona. Würden Sie dort auch gern als Trainer teilnehmen?
Das ist natürlich ein ganz, ganz großes Ziel. Barcelona war für mich eine phantastische Erfahrung, und ich habe heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Aber wir wollen einen Schritt nach dem anderen gehen. Jetzt wollen wir erst mal zur WM, denn nur dort kann man sich für Olympia qualifizieren. Natürlich würde ich gern mithelfen, dass wir beide Ziele erreichen.

ZUR PERSON 
Henrik Rödl, geboren am 4. März 1969 in Offenbach am Main, ist seit 18. September 2017 Bundestrainer der deutschen Basketball-Herren. Der 178-fache Nationalspieler, der mit Alba Berlin sieben Mal in Serie Deutscher Meister und vier Mal Pokalsieger wurde, holte als Aktiver 1993 mit der DBB-Auswahl den Europameister-Titel und 2002 bei der Weltmeisterschaft in den USA Bronze. 1996 wurde Rödl, der in der Bundesliga später Alba Berlin und TBB Trier trainierte, zum „Basketballer des Jahres“ gewählt. Im Jahr 2015 wechselte Henrik Rödl zum Deutschen Basketball-Bund (DBB), führte die A2-Nationalmannschaft zu Universiade-Silber.

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