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Loveparade-Prozess

Angeklagte müssen sich in mehr Fällen verantworten

Düsseldorf Die Angeklagten im Loveparade-Prozess müssen sich seit Mittwoch wegen deutlich mehr Fällen von fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Das Gericht hat einen entsprechenden Hinweis erteilt.

Angeklagte müssen sich in mehr Fällen verantworten

Kurz vor dem Unglück bei der Loveparade am 24. Juli 2010 stehen Menschen dicht gedrängt an einem Tunnelausgang in Duisburg. Bei dem Loveparade-Unglück im Sommer 2010 in Duisburg wurden am einzigen Ein- und Ausgang der Technoparade in einem Gedränge 21 junge Menschen erdrückt. Foto: dpa

Im Prozess um die Katastrophe bei der Duisburger Loveparade hat das Landgericht den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung ausgeweitet. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Anklage die Zahl der mindestens 652 Verletzten aus prozessökonomischen Gründen auf 18 Fälle beschränkt.

Körperverletzung in bis zu 50 Fällen

Das Gericht befand am Mittwoch in Düsseldorf, dass auch sämtliche Verletzungen der Nebenkläger Teil der Anklage sind. Damit müssen sich nun einige Angeklagte wegen Körperverletzung in 50, die anderen in 33 Fällen verantworten.

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Die Verteidiger brachten eine umfassende Besetzungsrüge vor. Sie sind der Ansicht, dass der Fall vor der falschen Strafkammer verhandelt wird. „Die Besetzung ist rechtswidrig und verletzt das Grundrecht unseres Mandanten auf den gesetzlichen Richter“, sagte einer der Verteidiger in Düsseldorf.

Das Oberlandesgericht, dass die Anklage auf eine Beschwerde hin zugelassen hatte, hatte den Fall dabei gleichzeitig einer anderen, der sechsten Strafkammer des Landgerichts Duisburg übertragen. Die fünfte Strafkammer hatte die Anklage als „erkennbar aussichtslos“ eingestuft und nicht zur Verhandlung zugelassen.

Anwälte kritisierten die Übertragung als Willkür

Anwälte kritisierten die Übertragung als willkürlich. Eine Kammer werde durch seine Vorentscheidung im Zwischenverfahren nicht befangen und voreingenommen. Das OLG habe damit dem Landgericht dessen Zuweisungsbefugnis verwehrt. Dies sei ein „eklatanter Verstoß gegen das Grundgesetz“.

Düsseldorf Lange wurde der Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe erwartet. Doch der Auftakt am Freitag gestaltete sich schwierig. Erst nach stundenlangen zähen Diskussionen konnte die Anklage verlesen werden. Die zeichnet ein Bild von ausgesprochen verantwortungslosen Organisatoren.mehr...

Zuvor hatte das Landgericht die Befangenheitsanträge gegen zwei Ersatzschöffen abgelehnt. Das gab der Vorsitzende Richter am Mittwoch bekannt. Verteidiger hatten argumentiert, die Kinder der Schöffen seien Besucher der Loveparade gewesen. Auch wenn sie dabei nicht Zeugen des Unglücks wurden, könnten ihre Eltern dadurch befangen sein. Das sah das Duisburger Landgericht anders.

21 Menschen wurden erdrückt, 652 wurden in Gedränge verletzt

Beim Loveparade-Unglück am 24. Juli 2010 waren im dichten Gedränge mehrerer 10.000 Menschen am einzigen Zu- und Abgang 21 Menschen erdrückt und mindestens 652 verletzt worden. Zehn Angeklagten wird in dem Verfahren fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft. Die Anklage wirft ihnen schwere Planungsfehler vor, die zu einer rechtswidrigen Genehmigung des Technomusik-Spektakels geführt hätten.

Düsseldorf Der Loveparade-Prozess dürfte einer der umfangreichsten Strafprozesse der Nachkriegszeit werden. Dem Gericht sitzt dabei die Zeit im Nacken: In gut zweieinhalb Jahren verjähren die Vorwürfe. Nach rund drei Stunden am ersten Prozesstag war aber noch nicht einmal die Anklage verlesen worden, weil die Verteidigung gleich mehrere Anträge stellte.mehr...

Sicherheitsrelevante Auflagen seien nicht beachtet und umgesetzt, die Einhaltung nicht kontrolliert worden. Verteidiger argumentieren, die Veranstalter seien auf die Mängel hingewiesen worden. Eine Nachkontrolle sei gesetzlich nicht vorgeschrieben gewesen.

Das Verfahren steht unter Zeitdruck: Ende Juli 2020 verjähren die Vorwürfe. Das Landgericht hat bis Dezember 2018 zunächst 111 Verhandlungstage angesetzt.

dpa

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