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Angehörige können Heimqualität beeinflussen

Berlin (dpa/tmn) - Wenn ein Pflegebedürftiger in einer stationären Einrichtung wohnt, hoffen die Angehörigen, dass er dort gut versorgt wird. Doch das ist nicht immer der Fall.

«Auf der Grundlage der vorliegenden Daten müssen wir davon ausgehen, dass es in Deutschland keine flächendeckende menschenwürdige Grundversorgung von Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen gibt», sagt Valentin Aichele vom Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin. Zu einer menschenwürdigen Versorgung können die Angehörigen einiges beitragen.

Der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) hat 2004 in einer Studie die Qualität ambulanter und stationärer Pflege unter die Lupe genommen. Er kritisierte den Umgang mit der Dokumentation, in der Informationen zum Pflegebedürftigen und seiner Behandlung festgehalten werden müssen. Der Pflegebedürftige hat den Anspruch, diese einzusehen. «Das gilt auch für einen Angehörigen, der Betreuer ist, oder für einen Bevollmächtigen», sagt Michael Schwägerl von der Heimaufsicht im Landratsamt Rosenheim.

«Nummer Zwei in der Mängelliste ist oft der Umgang mit Flüssigkeitszufuhr», sagt Schwägerl. In allen Räumen sollten den ganzen Tag über verschiedene frische Getränke für die Bewohner greifbar sein. «Wenn Sie am Arm ihres Angehörigen eine Hautfalte nach oben ziehen und diese stehen bleibt, ist das ein Anzeichen, dass er möglicherweise zu wenig trinkt.» Mangelernährung wiederum ist daran erkennbar, wenn der bisherige Lieblingspulli plötzlich zu groß ist.

Die Bewohner sollten ordentlich gekleidet sein. Die Körpersprache der Mitarbeiter sagt auch viel aus. «Wenn die Pflegekräfte Zeit für ein freundliches Nicken oder ein Zuwinken haben, so kann das Zeichen eines angenehmen Klimas sein, welches einen entsprechenden Umgang mit den Pflegebedürftigen vermuten lässt», sagt Reinhard Leopold, Initiator einer Selbsthilfegruppe für Heimfürsprecher in Bremen.

Viele Angehörige scheuen vor einer direkten Beschwerde zurück, weil sie fürchten, der Pflegebedürftige müsste dann unter Repressalien leiden. «Tatsächlich ist das Heim in einer Machtsituation: Wenn jemand einmal dort wohnt, wird er nicht wieder ausziehen», erläutert Christine Sowinski, Pflegeexpertin beim Kuratorium Deutschen Altenhilfe (KDA) in Köln.

«Wenn sich die Angehörigen von Anfang an um einen vertrauensvollen Kontakt bemüht haben, ist das eine gute Basis, um auch Probleme zu thematisieren», sagt Sowinski. Nicht jeder Angehörige hat die Möglichkeit, eine solche Vertrauensbasis aufzubauen. «In jedem Heim gibt es einen Heimbeirat beziehungsweise einen so genannten Heimbewohner-Fürsprecher als Interessenvertreter der Heimbewohner, an den man sich ebenfalls wenden kann», erläutert Leopold. Führt dies alles zu keinem Erfolg, kann die Heimaufsicht oder auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) kontaktiert werden.

Damit es soweit nicht kommt, können Angehörigen sich laut Leopold aktiv am Heimleben beteiligen. Auch auf institutioneller Ebene können Angehörige mitwirken, indem sie sich in den Heimbeirat wählen lassen. Das eröffnet sowohl Einblicke als auch Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Weitere Informationen: www.unabhaengige-patientenberatung.de

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