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Am Arbeitsplatz funkt es gar nicht so selten

Berlin/Herford (dpa/tmn) - Dem romantischen Klischee entspricht es nicht gerade: «Bei Arbeit und Beruf denken die wenigsten an Liebe und Sex», sagt Meike Müller. «Aber der Arbeitsplatz ist der Heiratsmarkt Nummer eins.»

Und nicht nur das: «Beziehungen kommen dort meistens eher auf die leise Art zu Stande», so die Kommunikationstrainerin aus Berlin. Das kann sogar ein Vorteil sein: Kollegen haben die Möglichkeit, sich ausgiebig im Alltag zu beobachten, und sie haben viele Gelegenheiten, sich näher zu kommen, falls es funken sollte.

Realistisch betrachtet, ist die Wahrscheinlichkeit auch schlicht höher, dem Traummann oder der Traumfrau in der eigenen Firma zu begegnen als zufällig beim Spazierengehen: «Viele von uns sind dort fast den ganzen Tag», sagt Nicole Maibaum aus Hamburg, die gerade ein Buch über das Thema geschrieben hat. Und nicht jeder habe abends noch Lust und Energie, sich in Kneipen oder Discotheken zu tummeln.

Liebe unter Kollegen sei deshalb überhaupt nicht negativ zu sehen, sagt Maibaum. Vieles, was man einem anderen Partner erst umständlich erklären müsste, versteht sich am gemeinsamen Arbeitsplatz von selbst. Es gebe in jedem Fall eine gemeinsame Basis, auf die man immer wieder zurückgreifen kann.

Arbeitsrechtlich sind Beziehungen am Arbeitsplatz grundsätzlich nicht zu beanstanden: «Das gehört zur freien Entfaltung der Persönlichkeit», sagt Paul-Werner Beckmann, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Herford. Allerdings gelten auch in dieser Hinsicht die gleichen Regeln wie sonst: «Der Betriebsfrieden darf nicht gestört und die Arbeitspflicht nicht versäumt werden.»

Wer ständig seinen Schreibtisch verlässt, um seine Angebetete im Nebenraum zu besuchen oder mehr E-Mails mit ihr als mit Geschäftspartnern austauscht, kann Ärger riskieren. «Wenn den Arbeitgeber das stört, muss er die beiden darauf hinweisen und gegebenenfalls eine Abmahnung aussprechen», sagt Beckmann. Kategorisch verbieten darf er solche Beziehungen aber nicht.

Aber auch wenn rechtlich alles im grünen Bereich ist, können Beziehungen im Büro oder in der Werkhalle ihre Schattenseiten haben: «Man steht auch unter größerer Beobachtung», sagt Meike Müller. Egal ob frisch verliebt oder längst gelangweilt - immer sehen andere Kollegen zu, wie sich die Beziehung entwickelt.

Nicht unbedingt einfacher wird es, wenn es um Partner auf zwei verschiedenen hierarchischen Ebenen geht - meistens den Chef und eine Untergebene. «Schon weil es weniger Frauen in Führungspositionen gibt, sind Beziehungen zwischen Chefin und Untergebenem seltener», erklärt Nicole Maibaum. «Bei jeder Kleinigkeit heißt es dann oft 'Ist ja klar, dass der Partner bevorzugt wird.'» Das sei eben einer der Nachteile.

Ein anderer ist, dass Beziehungskrisen am Arbeitsplatz eine eigene Dynamik entwickeln können. Nicht selten polarisiert der Streit um die Beziehung auch die Umgebung. «Gerade in kleineren Betrieben kommt es dann zu Parteibildung», sagt Nicole Maibaum. Im Fall einer Trennung kann das sehr unangenehm werden. «Dann kann Distanz ganz hilfreich sein. Vielleicht sollte einer der beiden zunächst Urlaub nehmen», empfiehlt Meike Müller.

Literatur: Nicole Maibaum/Jan H. Kern: Job-Knigge für Verliebte, Eichborn, ISBN 978-3-8218-5900-2, 9,90 Euro.

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