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Schutz vor den Wassermassen heikles Thema

Leitlinie für Hochwasserschutz in Ahaus

Vollgelaufene Keller, überflutete Straßen, hilflose Ahauser. Mit Grausen erinnern sich viele Bürger an das Hochwasser, das die Stadt im August 2010 traf. Die Gewässer und die Überschwemmungsgebiete konnten die Wassermassen nicht aufhalten.

Ahaus

, 16.05.2018
Schutz vor den Wassermassen heikles Thema

So sah es Ende August 2010 an der Coesfelder Straße aus.

Wie die Siedlungsgebiete künftig geschützt werden sollen, darüber zerbrechen sich die Verwaltung, eine Projektgruppe und ein Ingenieurbüro seit geraumer Zeit die Köpfe. Eines wurde in der Sitzung des Ausschusses für Landwirtschaft und Umwelt am Dienstag deutlich: Der Hochwasserschutz in Ahaus funktioniert nur, wenn Landwirte dafür Flächen im Außenbereich zur Verfügung stellen.

Zuletzt sei es im Ausschuss im Jahr 2016 um den Hochwasserschutz gegangen, erläuterte Richard Bömer vom Tiefbauamt. Eine auf Antrag der CDU eingerichtete Projektgruppe habe seitdem drei Mal getagt. Dem Gremium gehören Vertreter aus Politik, Verwaltung, Landwirtschaft, dem Planungsbüro und Behörden an. Richard Bömer: „Wir sind einen großen Schritt weitergekommen.“

Das war allerdings nicht ganz so einfach. Es galt, die Sichtweisen des Landwirtschaftlichen Stadtverbandes, der Wasser- und Bodenverbände und des Ingenieurbüros unter einen Hut zu bekommen. Das Ergebnis ist eine „Leitlinie zum Hochwasserschutz an den Gewässern im Stadtgebiet Ahaus.“ Ein Papier, über das „hart verhandelt“ wurde, wie Bürgermeisterin Karola Voß in der Sitzung erklärte. „Die Leitlinie ist ein Kompromiss. Ein Weg, den alle zähneknirschend mitgehen. Auch wir als Stadt. Und es ist sicher nicht die Wunschvorstellung der Landwirte.“

Verschiedene Sichtweisen

Für den Hochwasserschutz in der Stadt müssen landwirtschaftliche Flächen in Anspruch genommen werden. Die erste Projektskizze ging von 35 Hektar Flächenverbrauch aus. Die Projektgruppe verständigte sich auf eine Fläche von 19 Hektar für Dammbauten und Retentionsflächen. Die Verringerung sei möglich geworden, weil in zwei Bereichen auf Gelände-Aufweitungen verzichtet werde, erläuterte Richard Bömer. „Am Oberlauf der Aa und an der Umflut im Bereich der früheren Bahnlinie Wessum-Alstätte.“

Den Flächenverbrauch noch weiter zu reduzieren, das ist laut Verwaltung nicht möglich. Es mindere den Hochwasserschutz und stelle die Genehmigungsfähigkeit des Projekts infrage.

Die Retentionsflächen an der Aa sind bis zu 60 Meter breit und werden bis zu drei Meter tief abgegraben. „Wir gehen auf die Höhe der heutigen Gewässersohle zurück. Da kommen schon Bodenmengen zusammen“, erklärte Richard Bömer auf Nachfrage von Ludwig Niestegge (SPD). In Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der Flächen könne sich die Breite noch ändern. Sie kann sich laut Leitlinie verringern – oder erhöhen. Gleich bleiben soll dabei aber der Gesamtflächenbedarf.

Flächenerwerb

Doch erst einmal gilt es für die Stadt, die in Frage kommenden Flächen zu erwerben. „Das geht durch Kauf oder Tausch“, sagte Richard Bömer. Bei der ersten Projektskizze kalkulierte die Stadt für den Flächenankauf 3,5 Millionen Euro ein – bei Gesamtkosten von 7,5 Millionen Euro. Aus Sicht der Stadtverwaltung ist der Flächenerwerb kein Problem. Richard Bömer: „Wir werden mit den Eigentümern reden.“ Beigeordneter Georg Beckmann: „Es gab auch in der Vergangenheit Personen, die auf uns zugekommen sind – keine Landwirte – die uns Flächen im Außenbereich zum Kauf angeboten haben.“ Ganz so einfach sei der Flächenerwerb nicht, entgegnete Bernhard Roßmöller (Sachkundiger Bürger). „Ob ein Landwirt Flächen abgibt, das entscheidet jeder Landwirt für sich und nicht der Landwirtschaftliche Stadtverband in der Projektgruppe.“

Es gehe um viel Geld, Entscheidungen dürften nicht überstürzt getroffen werden, hieß es aus dem Ausschuss. Die Verwaltung hat das Thema auf die Tagesordnung der Ratssitzung am 17. Mai gepackt. Georg Beckmann: „Sie können es von der Tagesordnung nehmen.“ Sollte der Rat die Fortführung der Hochwasserschutz-Planung beschließen, „dann sind wir ganz vorne, was die Ökologie angeht“, sagte Richard Bömer.