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Ärger um Spielplatz löst sogar Polizeieinsatz aus

Streit um Kinderlärm auf Spielplatz in Ahaus

An der Schmalenstrothstraße prallen Welten aufeinander. Dort sollen zwei Senioren Kindern das Spielen auf dem Spielplatz verleiden. Der Streit reicht weit zurück, eine Schlichtung scheint nicht möglich.

Ahaus

, 17.04.2018
Ärger um Spielplatz löst sogar Polizeieinsatz aus

Helene Schücker (l.) und Leni Rathmann trauen sich kaum noch auf den Spielplatz an der Schmalenstrothstraße. Sie haben Angst vor einer Anliegerin und deren Bekannten © Christian Boedding

Drei Jahre war es relativ ruhig an der Schmalenstrothstraße. Doch jetzt kocht ein seit langer Zeit schwelender Konflikt wieder hoch. Es geht um Kinderlärm auf einem Spielplatz. Es geht um Mike und Ester Rathmann und spielende Kinder auf der einen Seite und um eine 84-jährige Seniorin und deren 85-jährigen Freund des Hauses auf der anderen Seite. Das Grundstück der 84-jährigen grenzt direkt an den Spielplatz.

Ärger seit 30 Jahren

Für Spielplatzpate und Kommunalpolitiker Dieter Homann, der ebenfalls an der Schmalenstrothstraße wohnt, ist der Zustand nicht erst seit den jüngsten Vorfällen untragbar. Seit über drei Jahrzehnten gebe es Ärger um den Spielplatz (wir berichteten zuletzt 2015). In einem Schreiben haben es Dieter Homann und das Ehepaar Rathmann zusammengefasst: „Seit vielen Jahren werden Kinder verscheucht, bedroht, immer wieder muss die Polizei ausrücken, um zu schlichten, was schlichtweg nicht zu schlichten ist.“ Die Kinder würden instrumentalisiert, um eigene Befindlichkeiten zu befriedigen. Konkret wirft das Ehepaar Rathmann der Gegenseite vor, die Kinder zu bedrohen. „Sie trauen sich nicht mehr auf den Spielplatz“, sagt Ester Rathmann. „Mich hat der Mann beleidigt“, sagt Mike Rathmann über den 85-Jährigen. Zudem sei der Senior ihm gegenüber handgreiflich geworden. Anlass des Streits sei das von Mike Rathmann angebrachte Klemmschloss am Eingang zum Spielplatz gewesen. Es ermöglicht den Kindern tagsüber ungehinderten Zugang zum Platz, am Abend schließt Mike Rathmann die Pforte.

Vermittlung nicht mehr möglich

Über Sinn oder Unsinn des Schlosses gingen die Meinungen auseinander. Dass die Kinder einen Ball nicht wiederbekommen hätten, der aufs Grundstück der Seniorin geflogen sei, dass die Kinder beschimpft würden, weil sie zu laut seien, das sind fast schon Randnotizen. „Es ist nicht besser geworden“, sagt Dieter Homann zu den Streitigkeiten. Auf die Frage, ob zwischen den Parteien nicht doch vermittelt werden könnte, antwortet er: „Da geht nichts mehr.“

Mike Rathmann weiß sich nur noch selbst zu helfen. Auf Unterstützung durch die Polizei setzt er nicht. „Das wird ja nur verharmlost.“

Die Senioren sind sich keiner Schuld bewusst. „Ich habe nichts gegen Kinder“, sagt der 85-Jährige. Allerdings hätten Jugendliche ständig Bälle gegen den Zaun geschossen. Das sei zu laut. Die Vorwürfe der Gegenseite hält er für eine Ungerechtigkeit. „Wir verbieten nichts, wenn es im Rahmen ist.“ Handgreiflich sei er nicht geworden, vielmehr fühle er sich von Mike Rathmann bedroht. Konfrontiert mit den Äußerungen von Familie Rathmann und Dieter Homann, sagt die 84-Jährige nur ein Wort: „Gelogen.“ Die Nachbarn hätten sich gegen sie verschworen. „Ich wohne hier seit 56 Jahren. Früher hatten wir eine tolle Nachbarschaft, heute nicht mehr. Als wenn ich die Dame bin, die hier Ärger macht!“

Einfache Erklärung

Die Sache mit dem Ball klärt der 85-Jährige so auf: „Ich habe die Hecke geschnitten, die Heckenschere ist laut.“ Dass Kinder um die Rückgabe des Balls baten, habe er nicht gehört. Erst hinterher sei ihm der Ball aufgefallen. „Da habe ich ihn zurück auf den Spielplatz geworfen.“ Anlieger der Schmalenstrothstraße schauen lieber mit einigem Abstand auf die jüngste Entwicklung. „Die alte Frau war früher schon so“, sagt eine Anliegerin. „Sie hasst Kinder.“ Ganz einfach.

Streitigkeiten sind der Stadt bekannt

„Die Streitigkeiten sind uns bekannt, jedoch halten wir uns aus privaten Nachbarschaftsstreitigkeiten heraus“, teilt Stadtsprecherin Anna Reehuis am Dienstag auf Anfrage der Redaktion mit. „Eine Möglichkeit wäre das Hinzuziehen einer Schiedsperson, diese schlichtet Streit zwischen Bürgern durch mediative Gespräche. Kinder, die draußen spielen und laut sind, sind keine Lärmbelästigung, bis zur Nachtruhe um 22 Uhr ist der Kinder- und Spiellärm zu tolerieren.“ Danach würde, bei Beschwerden, das Ordnungsamt einschreiten. „Bisher musste das Ordnungsamt hier nicht einschreiten.“

Die Kreispolizeibehörde Borken bestätigt einen Einsatz, den es am 6. April am Spielplatz an der Schmalenstrothstraße gab. Dabei sei es um die Benutzung des Platzes gegangen, erklärte Sprecher Frank Rentmeister.