Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

150 Vonovia-Mieter in Renninghausen wehren sich gegen Mieterhöhungen

Vonovia Mieterhöhung

„Wir modernisieren nicht, um die Mieter zu ärgern“, sagt Vonovia. Die Mieter der Vonovia-Wohnanlage am Bahnhof Tierpark sind trotzdem wütend: Ihre Miete soll teurer werden.

Renninghausen

von Marie Ahlers

, 12.07.2018
150 Vonovia-Mieter in Renninghausen wehren sich gegen Mieterhöhungen

In einigen Häusern haben die Baumaßnahmen bereits begonnen. Wie viel sie dafür blechen müssen, wissen die Mieter am Bahnhof Tierpark noch nicht. © Marie Ahlers

Ein Wohnblock geht auf die Barrikaden: Über 120 Mieter der Vonovia-Wohnanlage am Bahnhof Tierpark haben sich zu einer Mieter-Initiative zusammen getan. Der Grund: Das Wohnungsunternehmen will die Wohnhäuser modernisieren - und deswegen die Mieten erhöhen.

Die Mieter glauben, dass Vonovia die Baumaßnahmen nur Modernisierung nennt, weil sie dann die Mieter zur Kasse bitten können. Eigentlich würden die Bauarbeiter und Handwerker zur lange überfälligen Instandhaltung und Reparatur der Wohnungen anrücken – was Vonovia aber aus den Mieteinnahmen zahlen müsste, wenn sie die Maßnahmen tatsächlich auch als solche bezeichneten.

Die Stimmung ist gereizt, als sich am Mittwochmorgen die Mitglieder der Initiative im Innenhof ihres Wohnblocks treffen. Man ist sich einig: Vonovia habe die Instandhaltung der Wohnhäuser jahrelang aufgeschoben, um den Mietern diese nun als Modernisierung verkaufen zu können.

Die zentrale Frage: Reparieren oder erneuern?

Dr. Tobias Scholz, Sprecher des Mietervereins, versucht, die Menge zu beruhigen. Groß und schlaksig ragt er über die Köpfe der aufgeregten Mieter, die meisten von ihnen im Rentnenalter, hinaus, klärt sie über ihre Möglichkeiten auf, fasst die Kritikpunkte zusammen.

Trotz aller Ruhe, die er ausstrahlt, ist er aber auch verärgert. „Die Frage ist: Was muss repariert und was modernisiert werden?“ Aus der Ankündigung, die Vonovia Mitte Juni an die Mieter verschickte, ginge das nicht hervor. „Wir fordern Vonovia auf, offenzulegen, welche Kosten auf die Mieter umgelegt werden“. Und zwar bevor die Arbeiten beginnnen.

Die Frage, was der Vermieter aus den Mieteinnahmen bezahlen muss, sei auch eine politische Frage. „Der Gesetzgeber entscheidet, wie viel von den Modernisierungskosten umgelegt werden kann“, sagt Scholz. Für Wohnungsunternehmen sei das extrem profitabel – „eine Gelddruckmaschine“, sagt er.

Zehn Millionen Euro sollen in die Modernisierung fließen

Das sieht man in Bochum, wo Vonovia seinen Sitz hat, anders. „Das Projekt ist für uns erstmal eine große Investition“, sagt Max Niklas Gille, Vonovia-Pressesprecher. „Und wir machen da auch nicht von Minute Eins an Gewinn mit“.

Insgesamt wolle man am Bahnhof Tierpark Nummer 18 bis 42 rund zehn Millionen Euro investieren. Die Summe fließe unter anderem in neue Heizungen, Dachdämmung und die Erneuerung der Fenster. „Ein optisches Highlight ist die (...) optische Aufwertung von Fassaden, Hauseingangsbereichen und Wohnumfeld“, schreibt Gille. Die Modernisierung der Wohnanlage sei ein besonderes Projekt, auch für Vonovia.

„Wir denken uns das nicht aus“

Zweimal betont Gille, dass er es schade findet, dass kein Vertreter von Vonovia zur Pressekonferenz am Mittwoch eingeladen wurde. Gerne wäre man ins Gespräch mit den Mietern gekommen.

„Wir trennen klar zwischen Instandhaltungen und Modernisierungen“, sagt er. Man könne auch nachweisen, dass die geplanten Maßnahmen umlagefähige Modernisierungsarbeiten sind. Eine genaue Darstellung, welche Kosten auf die Mieter umgelegt werden, sei aber erst nach der Abrechnung der Arbeiten möglich - aus, wie Gille sie nennt, „buchhalterischen Gründen“.

„Uns ist natürlich klar, dass die Mieter nicht in die Hände klatschen, wenn sie von Mieterhöhungen erfahren“, sagt Gille. Aber die Mieter würden nach der aufwendigen Sanierung eben „eine neue Wohnung“ haben und keine, in der nur Reparaturarbeiten durchgeführt wurden. „Wir setzen uns nicht hin und denken uns irgendetwas aus“, versucht er, die Mieter zu beruhigen. „Wir modernisieren auch nicht, um die Mieter zu ärgern“. Mit Experten habe man ein Konzept erarbeitet, dass aus dem Wohnblock eine völlig neue Wohngegend mache.

Es gehe nicht um Gentrifizierung

Was jedoch nicht hieße, dass irgendwer vertrieben werden soll. „Wir möchten natürlich, dass langjährige Mieter bleiben können“. Sollte sich jemand die Mieterhöhung nicht leisten können, gibt es die Härtefallregelung. „Dann setzen wir uns mit dem Mieter zusammen, schauen uns seine Situation an und versuchen, eine Lösung zu finden“, erklärt Gille.

Den Antrag eines Härtefalls empfiehlt auch Scholz. Zahlreiche Mieter kommen am Mittwoch zu ihm, mit halb ausgefüllten Formularen. Manche bekommen auch Hilfe von anderen Nachbarn, die mittlerweile ebenfalls Experten dafür sind. Die Zeit rennt, die Härtefallanträge müssen einen Monat nach Ankündigung der Modernisierung bei Vonovia eingegangen sein.

Schlagworte: