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„Mit unserer Maloche hat der Bergbau die Bundesrepublik hochgebracht“

dzSammler Dieter Kniffka

Dieter Kniffka arbeitete jahrzehntelang auf verschiedenen Bergwerken im Ruhrgebiet. Er ist gelernter Einschienenhängeschlosser und leidenschaftlicher Sammler von Bergbau-Erinnerungen.

Brambauer

, 23.09.2018 / Lesedauer: 3 min

Jeder Bergmann ist stolz auf seine Arbeit unter Tage, da ist sich Dieter Kniffka sicher. Und dass er seine Zeit auf der Zeche Minister Achenbach nicht missen möchte, wird spätestens bei einem Blick in sein Büro im Seniorenzentrum Minister Achenbach in Brambauer deutlich.

„Mit unserer Maloche hat der Bergbau die Bundesrepublik hochgebracht“

Dieter Kniffka bewahrt etwa 500 Erinnerungsstücke auf. Diverse Grubenlampen zählen natürlich auch dazu. © Ahlers

Mehrere hundert Fotos, Dokumente und Devotionalien hat er in den letzten Jahrzehnten gesammelt – manche aus seiner eigenen Zeit unter Tage, manche datieren Jahrzehnte zurück.

Einstellung als „Einschienenhängeschlosser“

1973 fing Kniffka an, in der Zeche Minister Achenbach zu arbeiten. Da war er gerade mal 15 Jahre alt. Er begann eine Lehre zum Betriebsschlosser, 1976 wurde er als ausgebildeter „Einschienenhängeschlosser“, so die Berufsbezeichnung, eingestellt. Schon sein Vater und Bruder arbeiteten auf der Zeche, aufgewachsen war er in der Zechenkolonie Josefstraße in Brambauer.

Immer wieder versetzt

16 Jahre arbeitete er auf Achenbach, 1992 schloss das Bergwerk und es ging nach Herten, auf die Zeche Ewald. Die Arbeitsplätze im Bergbau wurden da schon seit Jahren weniger, auch Kniffka wurde immer wieder versetzt, 1997 folgte die Zeche Westfalen in Ahlen, dann ging es nach Hamm-Heessen. 2001 musste er aus gesundheitlichen Gründen aufhören, die Jahrzehnte schwerer Arbeit forderten ihren Tribut.Insgesamt hat Kniffka 28 Jahre unter Tage gearbeitet. Die vielen Erinnerungen daran hält er auch viele Jahre später noch wach.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sieht es im Bergarbeiterwohnmuseum aus

Das Bergarbeiterwohnmuseum in Brambauer bewahrt die Erinerung an den Alltag der Bergleute in den 1920er Jahren. Dafür wurde eine Haushälfte des 1906 für vier Bergarbeiterfamilien gebauten Hauses 1992 original renoviert. Besucher können sich dort zwischen Arschleder und Waschzuber umsehen.
21.09.2018
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Das Bergarbeiterwohnmuseum ist in der Rudolfstraße 10 in der Neuen Kolonie zu finden.© Magdalene Quiring-Lategahn
Die gute Stube mit dem Plüschsofa ist ein Blickfang im Museum.© Magdalene Quiring-Lategahn
Der Herd war die einzige Wärmequelle im Haus. Hier wurde gekocht, gebacken und Wäsche getrocknet.© Magdalene Quiring-Lategahn
Hermann Abels zeigt ein Arschleder.© Magdalene Quiring-Lategahn
Auf jedem Haus gab es früher einen Taubenschlag. Einen Taubenuhr registrierte, wann die Tiere im heimischen Schlag ankamen.© Magdalene Quiring-Lategahn
So sieht der Küchenschrank im Obergeschoss aus.© Magdalene Quiring-Lategahn
Ein Museum mit Plumpsklo. Das war früher im Stall.© Magdalene Quiring-Lategahn
Grubenlampen und Uhren erinnern an die Bergbauzeit.© Magdalene Quiring-Lategahn
Das Arbeitsbuch von Bergmann Franz Ovoc ist im Museum gut verwahrt. 1924 begann er auf der Zeche Minister Achenbach.© Magdalene Quiring-Lategahn
Eine Bergmannskapelle aus Holz steht im Kinderzimmer unter dem Dach.© Magdalene Quiring-Lategahn
Als wäre die Zeit stehengeblieben, so sieht es im Bergarbeiter-Wohnmuseum Lünen-Brambauer aus.© Magdalene Quiring-Lategahn
Hermann Abels betreut ehrenamtlich das Museum. Er zeigt den Haken einer Waschkaue.© Magdalene Quiring-Lategahn
Ein Blick ins Schlafzimmer der oberen Museumswohnung.© Magdalene Quiring-Lategahn
Sanitäre Anlagen gab es damals noch nicht, dafür einen Waschtisch, unter dem auch kleine Lederschuhe Platz hatten.© Magdalene Quiring-Lategahn
Auch ein Holzautor steht im Kinderzimmer des Museums.© Magdalene Quiring-Lategahn
Auch Wäsche kann im Museum bestaunt werden.© Magdalene Quiring-Lategahn
An der Garderobe finden sich Bergmannskittel. Sie wurden beim Besuch der Bergschule getragen.© Magdalene Quiring-Lategahn
Ein Blick ins Schlafzimmer des Museums.© Magdalene Quiring-Lategahn
Eine besondere Uhr aus der Bergbauzeit.© Magdalene Quiring-Lategahn

Er war immer gesellschaftlich engagiert, seit 1993 ist er Knappschaftsältester, heute heißt das Versichertenberater. Er unterstützt Menschen bei Rentenanträgen oder bei der Klärung von Pflegestufen – das alles ehrenamtlich.

„Theater mit dem Kohlegeld“

Viele seiner Klienten sind ebenfalls ehemalige Kumpel, „ich helfe dann, wenn sie Theater mit dem Kohlegeld haben“, erzählt Kniffka.

Kniffka sammelt alles, was irgendwie mit dem Bergbau zu tun hat. Er fragt Bekannte, ob sie noch was im Keller liegen haben oder wird von Leuten angesprochen, die wissen, dass er Sammler ist.

Ein großes Schild einer Dampflok mit der Aufschrift „Minister Achenbach Nr. 7“, alte Grubenlampen und auch die Werkszeitungen hat er aufbewahrt. In Gedichten und Kurzgeschichten hat er seine eigenen Erinnerungen an die Zeit unter Tage festgehalten. Insgesamt kommt er auf über 500 Erinnerungsstücke, schätzt er. Warum er so an der Zeit des Bergbaus hängt? Ganz einfach: „Mit unserer Maloche hat der Bergbau die Bundesrepublik hochgebracht. Das, was der Bergbau geschafft hat, wird es so nie wieder geben.“

Die Erinnerung an diese Ära des Ruhrgebiets möchte er um jeden Preis bewahren.

Das Bergarbeiterwohnmuseum Rudolfstraße 10, ist geöffnet dienstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr und donnerstags von 17 bis 19 Uhr. Absprache mit Museumsleiter Hermann Abels zu den Öffnungszeiten unter Tel. (0231) 8779121.
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