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Zurück zum Straßenkick?

Jugendfußball

Die Fairness ist ein Gebot, das in allen Sportarten oberste Priorität haben sollte. Der Fußballkreis Aachen hat vor einigen Jahren erfolgreichdie Fairplay-Liga für F-Junioren gestartet, in der es keine Schiedsrichter gibt. Auch die Dorstener Vereine sind an diesem Modell interessiert.

DORSTEN

von Von Ralf Weihrauch

, 10.08.2011
Zurück zum Straßenkick?

Foul oder sauberer Zweikampf? In der Fairplay-Liga entscheiden die Kinder selbst.

Die jungen Kicker sollen sich selbst einigen, ob der Ball im Aus war, ob es ein Handspiel oder ein Foul war. Damit wird mehr oder weniger der Straßenfußball auf den Platz gebracht. „Drei Ecken, Elfmeter“ wird zwar nicht praktiziert, aber ansonsten sollen die Kinder alles untereinander regeln. Das Modell fußt auf folgenden Säulen: Anerkennung der Spielregeln, partnerschaftlicher Umgang mit dem Gegner, auf gleiche Chancen achten, gewinnen wollen, aber nicht um jeden Preis und Haltung in Sieg und Niederlage bewahren. Dabei spielen die Trainer eine ganz wichtige Rolle, denn sie müssen schon im Training ihrer Mannschaft den Fairplay Gedanken nahe bringen. Sie sind auch die einzigen, die in ganz seltenen Fällen eingreifen dürfen, vor allem dann, wenn sie erkennen, dass einer ihrer eigenen Kicker absichtlich unfair spielt.

Die Eltern sollen so weit wie möglich vom Spielfeld fern gehalten werden. Es sind gerade überehrgeizige Väter und Mütter die von außen sehr viel Unruhe ins Spiel bringen. Es soll nun eine Tabuzone von 15 Metern rund ums Feld geben, in der niemand außer zwei Trainern oder Betreuern etwas zu suchen hat. Der Fußball-Kreis Wesel hat im März einen Versuch gestartet, an dem sich zehn Mannschaften beteiligt haben. Der Erfolg war umwerfend. Für die nun startende Spielzeit haben sich 44 Mannschaften gemeldet.

Bei solchen Zahlen ist es nicht verwunderlich, dass sich auch die heimischen Verantwortlichen für dieses Projekt interessieren. Uwe Matecki, der für den Jugendbereich verantwortliche Mann im Fußball-Kreis Recklinghausen, hat zwar noch nichts geplant, hält die Fairplay-Liga aber für beachtenswert: „Wenn die Fairplay-Liga in anderen Verbänden erfolgreich ist, werden wir darüber nachdenken, sie auch zu testen. Wir sind für alles offen. Allerdings haben wir bislang in den unteren Jahrgängen keine großen Probleme. Wenn es sie aber gibt, sind fast immer die Eltern oder die Trainer schuld.“ Das sieht auch Klaus Florin so. Der Jugendvorsitzende des BVH Dorsten hat in seiner langen Trainerkarriere schon viel erlebt: „Gerade wenn es viele ausländische Kinder in der Mannschaft gibt, wird von außen immer Unruhe ins Spiel gebracht. Ich befürchte, dass die 15-Meter-Zone einfach ignoriert wird.“ An der Fairness der Kinder zweifelt Florin nicht: „Die Kinder lügen nicht. Sie korrigieren oft die Spielleiter, sodass der Gegner den Ball bekommt.“

Einen Versuch hält Florin für genau so erstrebenswert wie Gerd Brand, der Jugendvorsitzende des SV Hardt: „Ganz wichtig ist aber, dass die Tabuzone eingehalten wird. Ich habe bei den Jüngsten schon die unappetitlichsten Kommentare vom Spielfeldrand gehört.“ Für Kinder wäre die Fairplay-Liga auf jeden Fall eine Schulung des Charakters und der Persönlichkeit. Trainer und nicht zuletzt Eltern könnten dann aber auch noch einiges lernen. 

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