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Dorstener Olympia-Teilnehmer

Wolfgang Klapheck fehlten 0,1 Sekunden

DORSTEN Wenn Wolfgang Klapheck, heute 46 Jahre alt und Olympia-Teilnehmer 1988 in Seoul in Süd-Korea im Vierer der Ruderer, über seinen Start in Südost-Asien spricht, macht er erst einmal einen Ausflug in die Jugend-Zeiten, quasi auf dem direkten Weg an den Kanal.

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Wolfgang Klapheck (2.v.r.) verpasste im Vierer in Seoul das Finale. Im Achter lief's besser, da wurde er 1991 in Wien Weltmeister.

Wolfgang Klapheck erinnert sich gern an die Zeit des Dorstener Ruderwunders der 80er Jahre zurück.

„Als ich 14, 15 Jahre alt war, war ich auf der Suche nach einer leistungssportlichen Herausforderung. Meine erste Option war das Schwimmen. Aber dafür fehlten in Dorsten die Voraussetzungen. Ich hab’s zwar in Gladbeck versucht, aber das Hin- und Her-Pendeln war nicht mein Ding. Dann gab es Jochen Pöpperl, einen Rudertrainer, der es ganz schnell verstand, eine Gruppe junger Leute zusammenzuschweißen, um wirklich erfolgreich zu arbeiten.“ Und die Entstehungsgeschichte des Dorstener Ruderwunders, anders kann man ja die Vielzahl der plötzlich sprießenden Talente Anfang und Mitte der Achtziger Jahre in der Lippestadt nicht nennen, klingt ganz einfach. „Wir sind nicht nur gerudert, sondern sind Fahrrad gefahren, sind gelaufen, waren als leistungs-orientierte Ausdauersportler ein echtes Team, junge Leute mit einem gemeinsamen Ziel“, erklärt Wolfgang Klapheck.

Und er zählt Namen auf, von seinen Partnern in den Booten: Alexander Sondermann, Klaus Mühlhan, Andreas Clahsen, Christian König, natürlich auch Dirk Balster und Thorsten Streppelhoff, die in dieser Serie schon ausführlich gewürdigt wurden. „Es ging eigentlich ganz schnell bei mir“, wundert sich Klapheck heute noch ein wenig über seinen kurzen Sprung von der Idee bis zur Weltklasse. „1984 wurde ich mit dem Vierer des Rudervereins Dorsten Deutscher Junioren-Meister, vier Jahre später war ich schon bei den Olympischen Spielen.“ Klingt ganz simpel, ist aber auch ein Zeitabschnitt, der ausgefüllt war mit Training, Arbeit, intensiven Investitionen der körperlichen Art. Und es gab Rückschläge. „Ursprünglich war geplant, dass ich zusammen mit Dirk Balster, Christian König und einem vierten Ruderer, der nicht aus Dorsten kam, in Seoul im Vierer an den Start gehen sollte.“ Aber das Boot brach aus unterschiedlichen Gründen auseinander. „Und da habe ich meine Felle schwimmen sehen. Da gab es schon manchen Abend, an dem ich am Kanal gesessen habe und mir die Tränen in die Augen schossen.“

Aber die Geschichte lief dann doch anders. Balster und König fuhren gar nicht nach Süd-Korea, Wolfgang Klapheck, der Mann, der ungeheuer viele Trainings-Kilometer auf dem Wasser hinter sich gebracht hatte, saß plötzlich in einem völlig neuformierten Vierer. „Trotzdem waren wir ganz schnell stark und harmonisch unterwegs. Klar, Gold war fest für die DDR gebucht und auch die UdSSR und Neuseeland waren eher Favoriten als wir bei der Medaillenvergabe, aber für einen vierten Platz hätte es doch reichen sollen.“ Es kam – erneut – ganz anders. Im Halbfinale waren vier Boote nahezu gleichauf, es gab zwischen allen vier Booten ein Foto-Finish, denn es lagen genau 2/10 Sekunden zwischen Platz eins und Platz vier. „Mein Schlagmann schlug mir auf die Schulter und schrie im wahrsten Sinne des Wortes ,Wolfgang, wir sind drin!‘.“ Waren sie aber nicht! Weniger als eine Zehntelsekunde fehlte dem Vierer zum Erreichen des Finales. Stattdessen ging es ins B-Finale, das das Boot auch mit Längen gewann... „War schon ein bisschen enttäuschend.“

Trotzdem ist ganz viel vom olympischen Zauber aus Südost-Asien bei Wolfgang Klapheck übrig geblieben. „Jeder, der es erlebt hat, wird wohl vom Olympischen Dorf schwärmen. Was mir aber ganz besonders in Erinnerung blieb, war die Eröffnungsfeier. Erst waren wir recht lange außerhalb des Stadions ,geparkt‘, aber als wir dann in dieses riesige Stadion einmarschiert sind, als Antonio Samaranch seine Rede hielt, als dieses Feierliche so ziemlich jeden erwischte, hatte ich das Gefühl. ,Jetzt, jetzt bist du wirklich bei Olympia!“

Die obligatorische Frage, was vom Leistungssport bei Klapheck, der heute in Bochum lebt und arbeitet, geblieben ist, beantwortet der Mann, der immer noch einen guten Draht nach Dorsten hat, sehr klar: „Der Sport war für mich prägend. Und letztlich war er in manchen Situationen auch ein Türöffner.“ Wolfgang Klapheck (der übrigens später noch Weltmeister werden sollte) hat kein Olympisches Edelmetall gewonnen. Wohl aber hat er Erfahrungen mitgenommen, die ihm auch heute noch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Und er war Teil einer Generation, von der Dorsten auch fast nach drei Jahrzehnten immer noch mit einem goldigen Lächeln spricht. Wolfgang Klapheck war einer der wesentlichen Protagonisten eines Ruder-Hypes in der Lippestadt.

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Wolfgang Klapheck (2.v.r.) verpasste im Vierer in Seoul das Finale. Im Achter lief's besser, da wurde er 1991 in Wien Weltmeister.

Wolfgang Klapheck erinnert sich gern an die Zeit des Dorstener Ruderwunders der 80er Jahre zurück.

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