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Mit Emotion und viel Engagement

Das Sportporträt

Tanzen ist für Irene Westermann seit rund 50 Jahren das schönste Hobby. Mit 74 Jahren, die man ihr aber gar nicht ansieht, ist sie mittlerweile das einzige noch vereinsaktive Gründungsmitglied des Tanzsportclubs Haltern. Auch heute hat sie immer noch viel Spaß am Tanzen und sagt: „Ich habe noch nie überlegt aus dem Verein aus zutreten.“

HALTERN

von Horst Lehr

, 08.05.2018
Mit Emotion und viel Engagement

Verdiente Auszeichnung: In diesem Jahr verlieh der TSC Haltern Irene Westermann die Ehrenmitgliedschaft.Lehr

Anfang der 70 er Jahre hatte sie sich in Datteln mit mehreren Paaren zusammengetan, um gemeinsam zu tanzen. Weil man es richtig machen wollte entschloss sich die Gruppe, einen Trainer zu verpflichten. Irene Westermann erinnert sich: „Da kam echte Begeisterung auf, denn wir haben richtig tanzen gelernt.“

Das fleißige Training in der Gruppe wirkte sich schnell positiv aus und in der Gruppe fiel die Entscheidung: „Wir wollen Turniertanz machen.“ Dazu wurde die notwendige einheitliche Turnierbekleidung angeschafft und die Gruppe trat viele Jahre mit einer Formation in Standard und Latein bei Veranstaltungen auf.

Nach ihrem Umzug nach Haltern lernte Irene Westermann beim Schützenfest 1979 drei Paare kennen, die auch gerne tanzen wollten. Man tat sich zusammen, hatte viel Spaß beim gemeinsamen Tanzen und das sprach sich herum. Es kamen noch weitere Paare dazu, und so gründeten am 16. März 1980 13 Personen den Tanzsportclub Haltern. Westermann übernahm von Beginn an als Geschäftsführerin Verantwortung in der Vereinsführung und übte dieses Amt bis 1984 aus. Sie erinnert sich noch gerne an diese Zeit: „Unser Tanzboden war die Turnhalle im Schulzentrum und wir haben wie im Kegelklub jeden Sonntagabend trainiert.“

Als begeisterte Tänzerin liebte Westermann von Beginn an den mitreißenden und temperamentvollen lateinamerikanischen Stil. Besonders den Cha-Cha-Cha. Sie sagt noch heute mit leuchtenden Augen: „Den kann man so richtig mit Power tanzen.“

Um das zu tun, war ständiges Üben Pflicht, denn es gibt bei den Tänzen bis zu 80 verschiedene Schrittkombinationen, die es zu beherrschen gilt. Westermann ertanzte sich als leidenschaftliche Turniertänzerin mit Erfolg alle drei Medaillen des Allgemeinen Tanzlehrerverbands. Dafür lernte sie, die Figuren mit der exakten Armhaltung und der passenden Fußarbeit schnell und fließend vorzutragen, achtete aber bei der Präsentation vor allem auf den Ausdruck. Sie sagt: „Die Haltung ist das Wichtigste, denn die Preisrichter wachen mit Argusaugen auf die Harmonie der Darbietung.“

Ab September 1984 engagierte sich Irene Westermann in der Kindergruppe „Rhythmik und Tanz“ auch als Trainerin. Dabei war es ihr besonders wichtig, Kindern ab dem vierten Lebensjahr zu helfen, ihr natürliches Gefühl für Musik in tänzerische Bewegung umzusetzen. Sie betreute damals zusammen mit Mechthild Kaiser rund 30 Kinder im Jahr. Für den Schulungsbetrieb konzipierte Westermann kleinere Choreografien und konnte damit schnell das Vertrauen der Kinder gewinnen. Sie sagt: „Wenn es dann geklappt hat, konnte man den Glanz in den Augen der Kinder sehen.“

Die hervorragende Jugendarbeit der Trainerinnen fand nicht nur im Kreisgebiet, sondern auch bundesweit in vielen Fachzeitschriften Beachtung. Dabei stellten die Trainerinnen immer die Phantasie und Kreativität der Kinder in den Mittelpunkt der Übungsstunden. „Das war sicherlich der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Westermann auch ein wenig stolz und erinnert sich noch gut an Markus Gertz, der in der Gruppe begann und den Weg zum Turniersport fand.

1986 übergab Irene Westermann aus gesundheitlichen Gründen die Trainingsgruppe an Ihre Tochter Stefanie. Die Beeinträchtigungen aus einem früheren Unfall ließen das Tanzen einfach nicht mehr zu. Sie sagt bedauernd: „Die Beine wollen immer noch, aber die Hüfte macht nicht mit.“

Deswegen gab sie aber ihre große Leidenschaft für den Tanzsport nicht auf und fand in der Hintergrundarbeit zur Unterstützung des TSC-Vorstands ein neues Betätigungsfeld. Dabei konnte sie auf ihren großen Erfahrungsschatz zurückgreifen und half mit Überzeugung beim Aufbau neuer Gruppen im Verein wie zum Beispiel „Rock’n roll“ und „Jazzdance“.

Als sich einige Mitglieder für den Steptanz zu interessieren begannen, setzte sie sich auch gerne für diese Bereicherung des Vereinsangebots ein und half bei der schwierigen Trainersuche. Mit einer nie nachlassenden Überzeugungsarbeit gelang es ihr immer wieder, Personen für die Vereinsarbeit zu begeistern. Wie zum Beispiel 2012, als sie Christoph Schüth aus Bochum für das Amt des 1. Vorsitzenden gewinnen konnte.

Schon 1989 wurde Irene Westermann vom Tanzsportverbandes Nordrhein-Westfalen (TNW) für ihre Verdienste um den Amateursport ausgezeichnet. Die Aufbauarbeit mit den Kindern wurde bei der Auszeichnung als vorbildlich im Verband gelobt. Rund 30 Jahre später wurde Westermann bei der Sportlerparty 2018 erneut für ihre Verdienste um den Halterner Tanzsport geehrt und vom Verein wurde ihr die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Wenn sie heute einen Tänzer sieht, denkt sie sofort wieder daran, wie es war, selbst zu tanzen, und sie erinnert sich noch gerne an die Anfangszeiten, als man sich nach dem Tanzen noch zum Stammtisch im Lokal Passmann versammelte. „Der Tanzsport“, sagt sie, „hat mir viel gegeben“.

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