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Wasser hat keine Balken

Das Sportporträt

Kurz vor der Deutschen Meisterschaft der Schwimmmeister bekam Rebecca Rohde das große Zittern −und schwamm dann doch zum Titel.

HALTERN

von Horst Lehr

, 08.03.2018
Wasser hat keine Balken

Deutsche Meisterin mit Urkunde und Goldmedaille: Rebecca Rohde vom Hans-Böckler-Berufskolleg.Lehr

„Sieger AK 20 − -Rohde, Rebecca in 1:45.50 Minuten.“ Erst als Rebecca Rohde es schwarz auf weiß las, konnte sie es glauben: Sie war Deutsche Meisterin.

Deutsche Meisterin des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister im schwimmerischen Dreikampf. Denn das Schwimmen war seit je her das größte Hobby der 22-Jährigen aus Herne und ist inzwischen auch ihr Beruf.

„Das Wasser war eigentlich immer für mich da“, sagt sie. Mit vier Jahren machte sie ihr Seepferdchen, mit sieben schwamm sie erste Wettkämpfe und liebte die besondere Atmosphäre. Eine Krankheit bedeutete aber mit 16 eine längere Pause und letztlich das Ende der aktiven Wettkampflaufbahn. Dem Schwimmen kehrte sie deshalb aber keineswegs den Rücken, denn schon lange hatte sie in ihren jeweiligen Vereinen auch als Trainerin gearbeitet.

Nach dem Fachabitur und einem sozialen Jahr begann Rebecca Rohde 2015 dann ihre Ausbildung im „Lago Die Therme“ im Herner Gysenbergpark. Dort hatte sie schon während eines sozialen Jahres als Rettungsschwimmerin gearbeitet und so bot sich ihr die ideale Chance, Hobby und Beruf zu vereinen. Parallel zur Ausbildung besucht sie das Halterner Hans-Böckler-Berufskolleg.

Als angehende Schwimmmeisterin hörte sie auch vom Bund Deutscher Schwimmmeister (BDS) und dessen Wettkämpfen. Der BDS veranstaltet eine eigene Deutsche Meisterschaft nach den offiziellen Regeln des DSV in den bekannten Disziplinen, hat aber als Besonderheit auch noch den schwimmerischen Dreikampf im Leistungsprogramm − Rebecca Rohdes sportlicher Ehrgeiz erwachte zu neuem Leben.

Sie bekam die Freigabe ihres Ausbildungsbetriebs und startete 2016 erstmals bei den BDS-Meisterschaften in Moers-Rheinkamp. Über 100 Meter belegte sie auf Anhieb einen hervorragenden vierten Platz und wollte wegen der kameradschaftlichen Atmosphäre unbedingt erneut starten. Die Bäderleitung erteilte ihr nach dem ersten Achtungserfolg gerne die Freigabe zu einem weiteren Start und so bereitete sich Rebecca Rohde intensiv auf die Deutsche Meisterschaft 2017 vor.

Schon im Mai begann sie mit dem Training, denn sie hatte sich mit dem schwimmerischen Dreikampf diesmal für Königsdisziplin der Meisterschaften entschieden. Die Anforderungen dafür: 25 Meter Tauchen auf Zeit, 50 Meter Freistilschwimmen und im Anschluss noch mal 25 Meter Abschleppen. Das alles bekleidet mit einem Drillichanzug aus Baumwolle. Beim Tauchgang trainierte Rohde das Schwimmen möglichst dicht unter der Wasseroberfläche, weil dort die günstigsten Druckverhältnisse herrschen. Den hinderlichen Anzug kompensierte sie durch einen angepassten Schwimmstil mit engeren Zügen und mehr Enddruck. Auch das Abschleppen der Puppe trainierte Rohde mit einer geänderten Brust-Bein- Bewegung, bei der Knie und Füße gleichzeitig zum Körper gezogen werden, um möglichst wenig Widerstand zu haben. Nach unzähligen Trainingseinheiten hatte sie ihren passenden Schwimmstil gefunden und die Deutsche Meisterschaft konnte kommen.

Doch etwa 14 Tage vor dem Start bekam Rohde das „große Zittern“. Sie glaubte plötzlich, an der Tauchdisziplin zu scheitern. „Ich hatte einen Balken vor dem Kopf“, sagt sie heute. Zum Glück fand sie mit ihrer Schwester die richtige Bezugsperson, die sie wieder aufrichtete. Entscheidende Unterstützung und Motivation gaben ihr zudem Sandra Dossin und Marcel Thomer vom „Lago“.

So ging es am 10. November 2017 nach Hamburg, doch dort begann die DM gleich mit einem Rückschlag. Beim Einschwimmen in der Schwimmhalle Inselpark in Hamburg-Wilhelmsburg kam Rohde beim Tauchen gerade mal 15 Meter weit und stieg weinend aus dem Wasser und musste kurz darauf zur ersten Disziplin antreten − dem Tauchen.

Aber als sie auf dem Startblock stand, konnte sie alles ausblenden, sprang ins Wasser und schlug nach 17 Sekunden als Erste an. „Ich hatte gefühlt nur drei Schwimmzüge und dachte das war’s“, wundert sie sich noch heute. Sie schaute sich noch einmal um, sah wirklich keine direkten Verfolger und gab auf den 50 Metern Freistil einfach nur Vollgas. Dabei wurde sie nur von der späteren Gesamtsiegerin überholt und kam als Zweite zum Anschlag für die Übernahme der Abschlepp-Puppe und verteidigte diese Position als Gesamtzweite und schnellste ihrer Altersklasse mit letztem Einsatz bis ins Ziel. Nach dem Anschlag hieb sie vor Freude mit der Faust aufs Wasser und sagte sich selbst: „Ich habe es geschafft!“

Auf dem aushängenden Protokoll konnte sie es dann auch schwarz auf weiß lesen und nun hielt sie nichts mehr in der Halle, denn sie wollte sofort zu Hause im Bad anrufen. Erst als ihr später bei der Siegerehrung die Goldmedaille und Urkunde übergeben wurden, konnte sie ihren Erfolg wirklich realisieren.

Zur Belohnung gab‘s zuhause bei der Familienfeier ihr Lieblingsessen und bei der Weihnachtsfeier des „Lago“ eine besondere Ehrung. Über ihre „zwei Tunnelminuten“ bei der DM 2017 konnte Rebecca Rohde schon damals nicht mehr viel sagen. Sie wusste nur: Sie war bereit für einen weiteren Start bei der DM 2018. Das Training läuft.

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