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„Die Zahl ist zurückgegangen“

Fußball

In Haltern gibt es weniger Jugendmannschaften als in den Jahren zuvor – dennoch blicken der Vorsitzende des Stadtsportverbandes Hans-Peter Klauke und der stellvertrende Jugendwart Frank Hovenjürgen optimistisch in die Zukunft.

Haltern

von Christopher Kremer

, 22.06.2018
„Die Zahl ist zurückgegangen“

Der TuS Haltern hat die meisten Jugendspieler in Haltern. Diese Entwicklung bleibt auch dem Stadtsportverband nicht verborgen.

Der Vorsitzende des Stadtsportverbandes Haltern (SSV), Hans-Peter Klauke, und der stellvertretende Jugendwart Frank Hovenjürgen beantworteten Fragen zur aktuellen Situation des Jugendfußballs in Haltern. Dabei scheuten sie nicht, Probleme aufzudecken, aber auch Lösungswege zu präsentieren.

Wie beurteilt der SSV Haltern die Lage im heimischen Jugendfußball?

Klauke: Die Zahl der Jugendmannschaften ist in den letzten Jahren ohne Frage zurückgegangen. Betroffen sind insbesondere die Mannschaften im E- und D-Jugendbereich. Das hat bereits zu verschiedenen Spielgemeinschaften geführt. Ab der kommenden Saison gibt es auch eine umfassende Kooperation im Jugendbereich zwischen dem SV Lippramsdorf und dem ETuS Haltern.

Welche Probleme hat der SSV ausgemacht?

Klauke: Der große Zulauf zum TuS Haltern aufgrund seiner Erfolge und guten Jugendarbeit hat in den vergangenen Jahren bei anderen Vereinen zu Problemen geführt. Dort schafft man es kaum, der Vielzahl der Anfragen durch Eltern und Spieler gerecht zu werden. Insbesondere der ETuS hat darunter zu leiden.

Der TuS Haltern hat mit seinem Leitbild, der damit einhergehenden Beschränkung seiner Jugendmannschaften und der Zusage, Mannschaften nur noch in „gesunden“ Größen zu bilden, einen Schritt in die richtige Richtung getan. Nach oben hin werden es beim TuS immer weniger Mannschaften. Und je jahrgangsälter die Mannschaften des TuS Haltern sind und je höherklassiger sie spielen, desto mehr auswärtige Spieler werden hinzugeholt. Demzufolge werden auch weniger Halterner Jungs beim TuS bleiben können.

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Eltern der Kinder?

Klauke: Problematisch ist das Anspruchsdenken vieler Eltern, dass ihre Kinder unbedingt beim TuS Haltern spielen müssen. Das sorgt für fehlende Spieler bei den anderen Vereinen bis zu der nicht mehr vermeidbaren Auflösung von Mannschaften. Hier sei gesagt − und das bestätigen auch die Funktionäre des TuS Haltern − dass junge Kinder in den Mannschaften aller anderen Halterner Fußballvereinen auch sehr gut ausgebildet werden. Sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt herausstellen, dass Kinder besonders begabt sind, wird der TuS Haltern auf sie aufmerksam und kein Verein würde den Kindern Steine in den Weg legen. Es ist gut, dass mit dem TuS in Haltern ein ambitionierter Fußballverein vorhanden ist. Wer das Talent dazu hat, höherklassig spielen zu können, soll das doch auch lieber in Haltern als in Marl oder Waltrop tun. Aber für alle anderen Kinder, die Lust auf Fußball im Kreise der langjährigen Freunde haben, sind auch alle anderen Vereine super Adressen.

Gibt es Vorschläge, die Situation zu verbessern?

Hovenjürgen: Durch die Einberufung des Arbeitskreises Jugendfußball, in dem alle Vereine vertreten sind, wird ein regelmäßiger Austausch unter den Jugendabteilungsleitern sichergestellt. Das hat zu einer reibungsloseren Kommunikation unter den Vereinen geführt. Konkrete Vorschläge werden im Arbeitskreis Jugendfußball erarbeitet. Erste Ergebnisse sind gemeinsam festgelegte Modalitäten bei der Ausrichtung der Stadtmeisterschaften.

Weitere Themen sind in der gemeinsamen Bearbeitung. Dazu gehören auch die Wechselmodalitäten am Ende der Saison unter Einbeziehung von Probetrainingstagen. Die Vereine brauchen frühzeitig Planungssicherheit. Mitte Juni müssen eigentlich die Mannschaften für die neue Saison stehen, denn Anfang Juli müssen diese beim Verband gemeldet werden.

Welche Ideen hat der SSV für die Zukunft?

Hovenjürgen: Die Aufgabe des SSV kann nur sein, den regelmäßigen Austausch untereinander zu fördern. Der SSV kann nicht die einzelnen Jugendabteilungen steuern, oder die Strategie der Jugendabteilungen vorgeben: Das muss bei den Vereinen bleiben. Mit der Erarbeitung weiterer gemeinsamer Regelungen und Festlegungen will der SSV eine harmonische Zusammenarbeit unter den einzelnen Vereinen fördern.

Die Mitgliederzahlen in den Jugendabteilungen sind rückläufig. Wieweit sollten Vereine in Zukunft kooperieren? Sollten sogar Vereine insgesamt zusammengelegt werden?

Klauke: Die Mitgliederzahlen sind in den Vereinen allgemein zurückgegangen. Natürlich sind auch die Kinder und Jugendlichen davon betroffen. Trotzdem sind immer noch um die 70 Prozent der Halterner Kinder und Jugendlichen im Sportverein. Das ist eine immense Zahl. Haltern hat nur wenige Jugendmannschaften weniger als andere Städte, die weitaus mehr Einwohner haben.

Mit acht Fußballvereinen in Haltern besteht aber aufgrund der flächenmäßigen Ausdehnung auch ein besonders großes Angebot. Da kann man nicht erwarten, dass alle Altersklassen in allen Vereinen durchgängig vertreten sind. Wir wollen auch nicht die anderen Sportarten vergessen. Handball, Basketball, Schwimmen, Badminton, Tennis und viele andere Sportarten binden ebenfalls viele Kinder und Jugendliche. Und das ist auch gut so.

Gibt es auch Ausnahmen in dieser Entwicklung?

Klauke: Der SV Hullern beispielsweise hat für die nächste Saison einen großen Zulauf im Jugendfußball zu verzeichnen. Dort plant man schon, wie man die kleine Anlage optimal für die vielen Jugendmannschaften nutzen kann.

Für Kooperationen sind wir immer offen und unterstützen diese. Die wird es in Zukunft wohl auch immer öfter geben müssen. Auch dafür haben wir unsere Plattform Arbeitskreis Jugendfußball ins Leben gerufen. Bei der Zusammenlegung von Vereinen bin ich eher zurückhaltend.

Festzuhalten ist aber auch, dass der immer wieder prognostizierte demografische Wandel nicht so ausfällt, wie noch vor Jahren prognostiziert. Ganz im Gegenteil: Haltern hat derzeit wieder mehr Geburten zu verzeichnen als in den vergangenen zehn Jahren. Dies wird sich zukünftig auch positiv auf die Fußballvereine auswirken. Das Tal der niedrigen Geburtenzahlen scheint durchbrochen.

Welches Ziel verfolgt der SSV?

Klauke: Es muss unser aller Ziel sein, dass die kleinsten Fußballer in der Nähe ihres Wohnortes fußläufig oder radfahrend einen Fußballverein vorfinden, damit sie überhaupt die Gelegenheit erhalten, in unmittelbarer Nähe mit ihren Nachbarschafts-, Kindergarten- oder Schulfreunden Fußball spielen zu können. Bekommen Kinder in diesem Alter nicht diese Gelegenheit, reduziert sich die Anzahl der Kinder, die überhaupt mit dem Fußballspielen beginnen und somit auch die Anzahl der potenziellen Fußballer dauerhaft. Diese Entwicklung würde alle Halterner Fußballvereine nachteilig treffen, egal ob leistungs- oder breitensportorientiert. Insofern sitzen alle Halterner Fußballvereine im gleichen Boot und müssen durch gemeinsames Handeln dafür sorgen, dass kein Verein ausblutet. Um es mit den Worten meines langjährigen Vorgängers Heinrich Schriewer als Vorsitzenden des Stadtsportverbandes zu sagen: „Es darf bei keinem Fußballverein Kirchturmdenken geben.“