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Westfälisches Landestheater

Wenn der Geheimdienst mit Nazis kungelt

CASTROP-RAUXEL „Das München-Komplott“ am Westfälischen Landestheater in Castrop-Rauxel ist ein zäher Politthriller ohne rechte Spannung.

Wenn der Geheimdienst mit Nazis kungelt

Ein Ermittler (David Schirmer, M.) und die kalten Krieger

Für manche ist es Verschwörungstheorie. Doch die Liste der Ungereimtheiten ist so lang, dass der Verdacht nicht abwegig ist, Geheimdienste hätten 1980 beim Attentat auf das Oktoberfest die Hand im Spiel gehabt. Wolfgang Schorlau hat die Spurensuche in den Kriminalroman „Das München-Komplott“ gegossen, der Fakten und Fiktion vermischt und zu einer Wahrheit führt, die Sprengstoff birgt.

Es thrillert nur wenig

Am Westfälischen Landestheater hat Thomas Tiberius Meikl den Politthriller bearbeitet und inszeniert – leider zäh und spannungsarm, wie die Premiere am Donnerstag zeigte. Dass es wenig thrillert, liegt auch daran, dass kein Mordbube gejagt wird, sondern Ermittler Georg Dengler (David Schirmer) gegen ein Geflecht aus Dunkelmännern antritt, die sich als Nebelwerfer betätigen. Verfassungsschutz, BKA, Nato und Nazis mischen mit.

Vertrackter Fall

Der Fall ist vertrackt. Wer bespitzelt wen aus welchen Motiven? „Das München-Komplott“ ist weniger Kriminalreißer als eine aufklärerische Geschichtsstunde. Und das Protokoll einer Recherche, die tief und tiefer in ein Gestrüpp diverser Akteure eindringt. Schwer, den Überblick zu behalten, wenn ein Schauspieler, etwa Burghard Braun, fünf Rollen spielt und nur eine Brille den Wechsel zur anderen Figur markiert.

Kalte Krieger im Mantel

Die Bühne (Marc Mahn) zeigt ein Trümmerfeld aus Felsen, die für die Wucht der Oktoberfest-Bombe stehen, aber auch als Sitzmöbel eingesetzt werden. Interaktion gibt es nur sporadisch. Gefühlslagen und Biografisches werden aufgesagt und reportiert, was dem Stück etwas Schaubühnenhaftes gibt und die Figuren in die Nähe blutarmer Chiffren rückt.

Kalte Krieger (in Mänteln zwischen Gestapo und Priesterkaste) sprechen im Chor, doch das Stück wuchert zu stark in die Breite (und Länge), als dass die Wirkungsmacht einer klassischen Tragödie sich entfalten kann.


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