Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Jelinek arbeitet sich an Übeln dieser Welt ab

Mülheimer Dramatiker-Wettbewerb „Stücke“

Die Tragödie „Am Königsweg“ war am Samstag beim „Stücke“-Festival in Mülheim zu sehen. Die Nobelpreisträgerin fragt in einem gewaltigen Textstrom, wie es soweit kommen konnte.

von Britta Helmbold

Mülheim

, 27.05.2018
Jelinek arbeitet sich an Übeln dieser Welt ab

Virtuos: Benny Claessens mit Königskrone im Jelinek-Stück Foto: Declair

Nach der Pause sitzen die mit Hipsterbrillen ausgestatteten sechs Schauspieler auf den Thronsesseln – wie in einer Talkshow – aufgereiht an der Rampe und schweigen ironisch ins Publikum. Bis Julia Wieninger erklärt: „Wir haben ausgeredet.“

Zuvor haben sie sich gut zwei Stunden lang an allen Übeln der westlichen Welt der vergangenen 2000 Jahre abgearbeitet. Denn darunter macht es Elfriede Jelinek nicht: „Am Königsweg“, Falk Richters Uraufführungsinszenierung vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg, war am Samstag beim Mülheimer Dramatiker-Wettbewerb „Stücke“ zu sehen.

Ohnmacht der Intellektuellen

Wie konnte es soweit kommen? Dieser Frage geht die Autorin in ihrem Stück nach, für das die Wahl Trumps zum Präsidenten der Auslöser war. Die Nobelpreisträgerin setzt sich mit dem erstarkenden Rechtsradikalismus auseinander, sieht die Trump-Wahl als Zeitenwende, knüpft sich die Ohnmacht der Intellektuellen vor und mischt auch selbstkritische Töne in ihr Textkonvolut.

Elfriede Jelineks gewaltigen Wortstrom setzt Regisseur Richter eine Materialschlacht, einen Bilderrausch entgegen – Videos flackern über die Rückwand, Gestalten aus der Muppet-Show wuseln über die Bühne, Rechtsradikale und Ku-Klux-Klan treiben ihr Unwesen...

Benny Claessens verausgabt sich in tollen Monologen

Der grandiose Benny Claessens spielt in seinen Solonummern wie einst Charlie Chaplin als Diktator mit der Weltkugel, tobt wie ein trotziges Kleinkind über die Bühne und resümiert: „Man kann machen, was man will, es bleibt Theater!“ Dafür erhielt er zum Abschluss des Berliner Theatertreffens den Alfred-Kerr-Darstellerpreis.

Termine: 27./28.5.2018, „Beben“ von Maria Milisavljevic, Theater an der Ruhr. Karten: Tel. (0208) 960960. www.stuecke.de